Objets Trouvés. Die Subjektivität des Objektivs – Hofstätter Projekte

23.06.15

Durch Zufall entstandene, grotesk und surreal anmutende Konstellationen ineinander verschränkter Kunstobjekte, figurative Assoziationen bei Thonet-Stühlen und barocken Schränken, eine Januskopfbüste aus dem 18. Jahrhundert inmitten sprudelnder Wassermassen – in der bereits dritten Ausstellung der 2014 von Anton Hofstätter gegründeten und von Sophie Tappeiner geleiteten Hofstätter Projekte in der Wiener Dorotheergasse widmen sich drei zeitgenössische Künstler in unterschiedlichen fotografischen Annäherungen historischen Kunst- und Gebrauchsobjekten der Sammlung und des Kunsthandels Reinhold Hofstätter. Die von Edelbert Köb kuratierte Gruppenausstellung Objets Trouvés. Die Subjektivität des Objektivs steht wieder ganz im Zeichen des innovativen Konzepts dieser besonderen Projekträume, nämlich zeitgenössischen Künstlern einen Raum zu geben, um auf Inhalte der renommierten Privatsammlung der 2013 verstorbenen Kunsthändler-Legende Reinhold Hofstätter im speziellen oder auf kunsthistorische Fragestellungen im Allgemeinen Bezug nehmen zu können. Die drei Künstler – Hannes Böck, Kerstin von Gabain und Guido Kucsko – erhielten für ihren jeweiligen fotografischen Ausstellungsbeitrag vorab Carte Blanche.

Hannes Böck (*1974 in Wien) studierte an der Wiener Akademie für Bildende Künste in der Meisterklasse für Konzeptuelles bei Renée Green und Marina Grzinic, war im mumok kino mit drei Filmen vertreten (2012) und zuletzt mit einer Einzelausstellung in der Secession zu sehen (2013). Für Objets Trouvés konzentrierte sich Böck bei der Motivauswahl seiner analogen Schwarz-Weiß-Fotografien auf die unzugänglichen und geheimnisvoll anmutenden Depots des Kunsthandels Hofstätter. Artefakte aus mehreren Jahrhunderten, sukzessive über mehr als sechs Jahrzehnte angesammelt und zum Teil ungeordnet im Lager übereinander gestapelt, nähert er sich in einem schlichten dokumentarfotografischen Zugang, der im Kontrast zu der beeindruckenden atmosphärischen Dichte der Motive steht.

Kerstin von Gabain, 1979 in Paolo Alto, USA, geboren, absolvierte ihr Studium der Computer- und Medienkunst an der Akademie der Bildenden Künste in Wien bei Peter Kogler. Die zuletzt mit zwei Einzelausstellungen im MAK (2013) und in der Secession (2014) sowie jüngst (2015) in zwei Gruppenausstellungen in der Kunsthalle Wien und im 21er Haus des Belvedere vertretene Künstlerin lebt und arbeitet in Wien. Ihre Arbeiten gehen durch verschiedene Formen von Aneignung oft ungewöhnliche und überraschende Liaisonen ein. In ihrem Ausstellungsbeitrag zu Objets trouvés, der gemeinsam mit den Arbeiten von Hannes Böck auf der unteren Etage der Hofstätter Projekte präsentiert wird, entschied sie sich für die Typologie, eine klassische Strategie der Fotografie. Von Gabain verweist etwa am Beispiel von jeweils sechs Exemplaren der Typen Stuhl und Schrank auf die „Unterschiedlichkeit im Gleichartigen“, so Köb. Aufnahmen verschiedener Rückenlehnen des klassischen Thonet-Stuhls in immer gleicher Positionierung vor neutralem Hintergrund sowie Fotografien bestimmter Abschnitte barocker Schränke suggerieren Assoziationen zu Gesichtern und überraschen so mit unerwarteten Analogien. Im Vergleich zu Böcks Arbeiten wirken ihre ebenfalls analogen Fotografien in schwarz-weiß geradezu nüchtern und systematisch – was einen spannenden Gegensatz zwischen den Arbeiten der beiden Künstler entstehen lässt.

Die dritte und von den anderen beiden räumlich getrennte künstlerische Position bildet Guido Kucsko, der sich auch in seiner Arbeitsweise von Hannes Böck und Kerstin von Gabain unterscheidet. 1954 in Wien geboren, war Kucsko als Künstler tätig bevor er an der Wiener Juristischen Fakultät studierte, assistierte und später unterrichtete. Er spezialisierte sich als Rechtsanwalt bei der internationalen Anwaltskanzlei Schönherr in Wien auf Geistiges Eigentum, arbeitet parallel dazu in seinem 2005 wiedereröffneten Atelier als Künstler und war seither in diversen Ausstellungen in Wien zu sehen, wie etwa im Bank Austria Kunstforum/Tresor (2011), im Sigmund Freud Museum (2013) oder in der Albertina (2013). Kucskos Arbeiten bestechen mit Hilfe von Kompaktkameras, digitaler Nachbearbeitung und 12-Farben-Pigment-Drucker als Ergebnis eines komplexen Werkprozesses. Für Objets Trouvés beschäftigte sich der Künstler u.a. mit einem barocken Januskopf, den er inmitten einer mehrteiligen Fotoserie positioniert, wodurch das Thema der ausdrucksstarken Büste Leid und Bestürzung „nochmals metaphorisch und dramatisch überhöht sowie in ein räumliches Beziehungsnetz gestellt wird“, so der Kurator Edelbert Köb.

Die Fotoarbeiten der drei Künstler könnten unterschiedlicher kaum sein. Jeder Zugang vermittelt jedoch einen individuellen und reizvollen Dialog der jeweiligen zeitgenössischen künstlerischen Position mit den für die Arbeiten ausgewählten Kunstobjekten aus vergangenen Jahrhunderten. Gemeinsam bilden sie ein sehr gelungenes Gesamtbild und dies ganz im Sinne des Leitgedankens der Hofstätter Projekte: „All Art has been Contemporary".

Noch bis 17. Juli 2015

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