Nur Geschichte(n) | Rosemarie Schwarzwälder zum 40. Jubiläum

23.05.18
Ausstellungsansicht Raum 2, JESSICA STOCKHOLDER, DAN FLAVIN, BRIGITTE KOWANZ / FRANZ GRAF, Foto © Markus Wörgötter

1923 gründete Otto Kallir-Nirenstein die "Neue Galerie" in der Grünangergasse ehe er nach New York emigrierte und dort die Galerie St. Etienne eröffnete. Bis heute werden in der Galerie an der 57. Straße österreichische Künstler präsentiert. Die Räume in der Grünangergasse wurden unterdessen interimistisch bis 1952 von Vita Künstler geleitet, ehe Monsignore Otto Mauer auf die Galerie aufmerksam wurde. 1954 eröffnete er die "Galerie St. Stephan", die ab 1964 zur "Galerie nächst St. Stephan" wurde. Mauers Engagement im Bereich der Avantgarde und insbesondere dem Informel prägte die Galerie bis zu dessen Tod im Jahr 1973 als Oswald Oberhuber sodann die Galerieleitung übernahm.

Erhalten blieb die von Mauer geprägte Ideen eines offenen Künstlerforums, einen Anspruch den ab 1978 auch die neue geschäftsführende Leiterin der Galerie Rosemarie Schwarzwälder erhob. Dabei war eine lebendige Auseinandersetzung mit Kunst zentral. Mit zahlreichen thematischen Projekten und Veranstaltungen – Lesungen, Diskussionen, Performances, etc. –  leistete sie von Anfang an nicht nur Galerie- sondern Kulturarbeit und prägte die Kunstszene Wiens maßgeblich mit.

1987 wurde Rosemarie Schwarzwälder zur Galerieinhaberin. Nun jährt sich ihre Zeit in der Grünangergasse zum 40. Jahr – bewegte Zeiten mit unendlich vielen Geschichten. Warum nicht also das tun was naheliegt und doch so unüblich scheint  – aus der Geschichte der Galerie erzählen und die Besucher an den zahlreichen Erlebnissen teilhaben lassen.

Zum Jubiläum lädt uns Rosemarie Schwarzwälder auf eine Art 'Plausch' ein. Das was sonst nur zu später Stunde auf Vernissagen erzählt wird, hat sie niedergeschrieben. In über 30 Texten begegnen wir den Künstlern der Galerie durch die Erzählungen ihrer Galeristin. Eine Gruppenausstellung mit ungewohnt persönlichen Qualitäten. Da taucht Sentimentales wie Humorvolles auf. Man verfolgt Reisen und Messebeteiligungen und blickt wie beiläufig hinter die Kulissen technischer Schwierigkeiten, ausgewählter Gewinnmargen und ärgerlicher Diebstähle, verfolgt überraschende Begegnungen und erkennt bekannte Künstler lang vor ihrer Zeit im Rampenlicht. Spannend für jeden der die Galerien frequentiert, ebenso wie für jene denen der Bezug zu dieser Welt (noch) fehlt.

Vor allem vermittelt Schwarzwälder die amikale Beziehung, die sie zu ihren Künstlern pflegt. Natürlich entstanden in gewisser Weise so auch Marketingtexte – doch wer, wenn nicht ihre Galeristin muss vor Begeisterung der Arbeiten ihrer Künstler auch in den Zwischenzeilen sprühen. Schwarzwälder lebt ihren Beruf und lädt mit diesem persönlichen Jubiläum ein, ein Stück des Galeristenlebens nachzuempfinden.

Bei all dem Lesevergnügen vergisst man beinahe dann und wann den Blick zu heben. Jeder der vorgestellten Künstler wird natürlich auch mit einem Werk in der Ausstellung präsentiert. Hochwertige Arbeiten, die nun jedoch einmal in den Hintergrund rücken und charmant der Galeristin den Vortritt lassen. PARNASS gratuliert zum 40. Jubiläum.

Künstlerinnen und Künstler: Polly Apfelbaum, Alice Attie, Herbert Brandl, Ernst Caramelle, Heinrich Dunst, Helmut Federle, Dan Flavin, Bernard Frize, Rainer Ganahl, Franz Graf / Brigitte Kowanz, Katharina Grosse, Aneta Grzeszykowska, Donald Judd, Imi Knoebel, Daniel Knorr, Lee Ufan, Sonia Leimer, Jochen Lempert, Miao Ying, Ferdinand Penker, Manfred Pernice, Gerwald Rockenschaub, Reiner Ruthenbeck, Karin Sander, Adrian Schiess, Jessica Stockholder, Joëlle Tuerlinckx, Günter Umberg, Christoph Weber, James Welling, Franz West

 

JUST SO STORIES 1978 I 2018

Bis 16. Juni 2018

Galerie nächst St. Stephan Rosemarie Schwarzwälder

Grünangergasse 1, 1010 Wien

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