Neue Arbeiten von Michael Kos in der Schweizer Kunsthalle Wil

24.09.14

Making Sense

Die Kunsthalle Wil zeigt in ihrer Herbstausstellung aktuelle Arbeiten des österreichischen Künstlers Michael Kos. Seit ihrer Gründung 1991 versteht sich die Kunsthalle als Forum für zeitgenössische Kunst mit dem Fokus auf experimentelles sowie raumbezogenes Schaffen, auf Objektkunst und Skulptur – Schwerpunkte die auch das Werk des 1963 in Villach geborenen Künstlers charakterisieren. Michael Kos diplomierte 1991 an der Hochschule für angewandte Kunst bei Peter Weibel. Sein bildnerisches Œuvre entwickelt er in einer konzeptuellen und prozessorientierten Auseinandersetzung mit dem Material. Kos geht zwar vom Konzept aus, zeigt sich aber bei der Verwendung von Material und Form als stringenter Bildhauer, bei dem die Idee keinen schalen Leerlauf darstellt, sondern ihre Daseinsberechtigung geradezu aus der stofflichen Präzision ihrer Umsetzung gewinnt.

Die Kunsthalle Wil nützt Michael Kos als Ort der Verdichtung seiner konzeptuellen Ideen und zeigt unter dem Titel „Making Sense“ eine Reihe unterschiedlicher Werkgruppen, die jedoch eine konsequente Stringenz zeigen: die Könnerschaft im Umgang mit der formalen Qualität der Werkstoffe und eine konsequente Kontextverschiebung, die sich zuweilen erst auf den zweiten Blick erschließt. Die in der Ausstellung gezeigten Werkgruppen gehen auch auf die Architektur der Kunsthalle ein, mit ihrer Loggia, die eine Verbindung des Innenraumes mit dem öffentlichen Raum ermöglicht. Der Stein ist nicht das ausschließliche jedoch eines der wesentlichsten Materialien für Michael Kos und auch in der Ausstellung überaus präsent. Doch verwendet der Künstler den Stein nie im Sinne einer traditionellen Bildhauerei, wenngleich er es mit hoher Meisterschaft versteht, ihn zu bearbeiten. Doch ebenso wie seine früheren Steinskulpturen, vom „Borstenlaib“ bis hin zur Serie der prägnanten „Steinvernähungen“, erhalten auch die aktuellen Marmorobjekte ihre Sinnhaftigkeit durch eine ungewöhnliche Materialkombination. In den Werkgruppen „Kleines Rudel“ oder „Lose Formation“ mutieren Steinfindlinge mit Antennen und Kabeln zu Nachrichtenempfängern, sie werden zu Informationsspeichern, die sie per se auch sind, da sie ganze geologische Epochen internalisiert haben. Durch einen minimalen Eingriff und die pointierte Verwendung gegensätzlicher Werkstoffe, entwickelt Michael Kos eine assoziative Gedankenkette, in der das Ausgangsmaterial eine unerwartete, neue Lesbarkeit erhält. Ebenso irritierend ist die Installation „U. S. Milkforce“ eine Steinkugel vor gestapelten Milchkannen. Was zunächst an harmloses Jahrmarktbudenschießen erinnert, wird zum gefährlichen Spiel. Die Milchkannen sind mit Käsenamen versehen. Erst der Titel sowie die Logos auf den Flaschen geben Aufschluss: Roquefort, Emmenthal, Gouda oder Danablu sind nicht als kulinarischer Hinweis zu verstehen, sondern waren die Nicknames für die Kernwaffentest der USA – Milch und Bombe werden zu einem Oppositionspaar, die zunächst bedrohliche erscheinende Steinkugel zur schützenswerten Weltkugel und die Installation selbst zur kritisch-ironischen Referenz an die über 1000 absolvierten Atombombenzündungen. Auch zu sehen sind Arbeiten aus der Werkserie „Brancusi reloaded“ und neue „Surrogate“ wie Michael Kos seine geschlichtete Materialmalerei nennt. Insgesamt die Ausstellung ein gelungener Dialog mit dem Raum anhand von aktuellen Arbeiten des Künstlers, in denen er wieder aus dem Vollen zu schöpfen scheint und seine Vorstellung eines erweiterten Kunstbegriffs – in dem sich Material und Konzept auf charakteristische Weise treffen, wieder auf den Punkt bringt. 

Michael Kos, Making Sense. 7. September bis 19. Oktober 2014, Kunsthalle Wil, Grabenstraße 33, 9500 Wil, Schweiz, www.kunsthallewil.ch

 

 

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