Montblanc-Preis für Kunstförderer in Berlin verliehen

02.07.16

In einem vom Kunstsammler Christian Boros zur noblen Eventlocation adaptierten historischen Pumpwerk am Halleschen Ufer in Berlin wurde im Juni der „Oskar der Kunstmäzene“ verliehen. Seit 25 Jahren würdigt der Montblanc de la Culture Arts Patronage Award in mittlerweile 16 Ländern weltweit Kunstförderer aus verschiedenen Sparten. Eine wichtige Motivation und Anerkennung, betonte Francesca von Habsburg, ehemalige Preisträgerin und Ehrengast bei der prominent besuchten Gala, in ihrem Grußwort.

Nach Persönlichkeiten wie Sir Simon Rattle oder Yoko Ono wurde für Deutschland heuer die Sammlerin, Kuratorin und Kunstnetzwerkerin Andrea von Goetz und Schwanenfließ für ihr Engagement für junge Künstler ausgezeichnet, speziell für ein in Österreich realisiertes Projekt: das Stipendiatenprogramm „kunstresidenz bad gastein“. Von einer Jury nominierte Künstlerinnen und Künster verwandeln dort im Sommer das alte Kraftwerk am Wasserfall in ein brodelndes Kreativzentrum – und versetzen in der Folge dem morbiden Charme des einstigen Nobelkurorts einen Frischekick.

„Es freut mich, dass eine Initiviave, die klein gestartet hat und organisch wächst, eine reelle Chance hatte und dass Engagement, gute Ideen und Leidenschaft honoriert werden“, freut sich Andrea von Goetz, die nicht nur in Bad Gastein, sondern auch zu Hause in Hamburg Künstlerinnen und Künstler durch ihre Kontakte in den Kunstmarkt und zu Kunstinteressierten bei ihrem Vorankommen unterstützt.

PARNASS: Naheliegende Frage: warum gerade Bad Gastein?

Andrea von Goetz: „Bad Gastein polarisiert, und ich mag generell – auch bei Menschen und in der Kunst – nicht so sehr das Grau, sondern das Schwarz oder Weiß. Es ist ein spannender Ort mit einer großen Geschichte, der kreative Geister anlockt und sie dann nicht mehr loslässt. In den letzten sieben Jahren hat das Festival ‚sommerfrische kunst’, dessen Teil ‚kunstresidenz bad gastein’ ist, an Relevanz gewonnen, und der Ort profitiert davon.“

Was war der bisherige Höhepunkt in diesen sieben Jahren?

„Wir hatten vor zwei Jahren einen Künstler aus einem Auffanglager in Tschetschenien, der durch Bad Gastein den Sprung in die Kunstwelt geschafft hat. Er verarbeitet die Geschichte Tschetscheniens, und seine Ausstellung war so berührend, dass zwei Galeristen, die zum Sammlerwochenende gekommen waren, sich praktisch darum gestritten haben, wer ihn zeigen darf.“

„kunstresidenz bad gastein“ hat also auch einen politischen Auftrag?

„Wir befinden uns in einer Zeit des Umbruchs, und Kunst und Kultur gehören zu den tragenden Säulen unserer Demokratie. Wenn ich mir die politische Situation in manchen Ländern anschaue, wird mir ein bisschen angst und bange, denn das erste, was unter Druck gerät, ist immer die Kunst. Doch Kunst kennt keine Grenzen. Ein Syrer, ein Afghane oder ein Pakistani kann Kunst machen, und jeder versteht, was er meint, ohne die Sprache sprechen zu müssen.

Der Montblanc-Preis beinhaltet eine ganz besondere Füllfeder aus der Peggy Guggenheim Sonderedition sowie 15.000 Euro für ein weiteres Projekt – wie werden Sie diese Summe einsetzen?

„Ich will in Hamburg einen ‚Collectors’ Room gründen, wo ich junge Künstlerinnen und Künstler präsentiere, ihnen eine Plattform gebe, sie mit Sammlern, Galeristen und Kuratoren zusammenbringe. Ich möchte also eine Art Erste Hilfe nach dem Studium geben und einen Raum schaffen, wo Ausstellungen stattfinden, Projekte vorgestellt werden und ein Austausch ermöglicht wird.“ 

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