Michael Kienzer in der Galerie Thoman

16.07.15

Noch bis 5. September zeigt die Galerie Thoman in ihrer Sommerausstellung in Wien Arbeiten von Michael Kienzer. Geboren 1962 in Steyr in Oberösterreich studierte Michael Kienzer zunächst an der Grazer Kunstgewerbeschule und danach an der Akademie der bildenden Künste bei Bruno Gironcoli. Bereits in den 1980er-Jahren entstanden Skulpturen mit gewunden Metalldrähten sowie Objekte aus einfachen, roh belassenen industriell hergestellten Materialien oder Alltagsgegenständen. Zuletzt kuratierte der Künstler in der Galerie Thoman selbst eine Ausstellung, in der er für ihn relevante Positionen zur zeitgenössischen Skulptur präsentierte und damit einen interessanten Diskurs zum Thema evozierte. „Es gibt für mich nicht nur einen Skulpturenbegriff“, unter dem man heute relevante Tendenzen subsumieren, einordnen oder begreifbar machen könnte. Begriffe von Skulptur sind diversiv, es gibt unterschiedliche Herangehensweisen und Referenzsysteme. Diese Bandbreite wollte ich in dieser Ausstellung zeigen“, so Michael Kienzer damals im Interview (siehe Parnass Heft 3/2014). In diesem Jahr zeigte Kienzer bereits in einer Vielzahl von Ausstellungen neue aktuelle Arbeiten, so im Museum Angerlehner gemeinsam mit Constantin Luser und Otto Zitko unter dem Titel „Line up“. Im Fokus der von Stefan Rothleitner kuratierten Schau stand das Thema „Linie“, das für die drei Künstler in ihren Arbeiten eine bedeutende Position einnimmt, und deren Prinzip in unterschiedlichen Ausprägungen und Medien formuliert wurde. Peter Noever zeigte den Künstler in der Ausstellung „Vienna for Art´s Sake“ im Winterpalais des Prinzen Eugen. Kienzer konzipierte für diesen Raum eine aus industriellen Aluminiumelementen bestehende abstrakte Skulptur und stellte diese in einen direkten Bezug zum barocken Prunkraum und dessen Geschichte. Als Bildhauer interessiert sich Michael Kienzer besonders für die Eigenschaften des Materials Aluminium und die Spannung der miteinander verbundenen Einzelelemente. Eine Skulptur sei so Kienzer für ihn „ein momentaner physikalischer Zustand von Materialien und Dingen“. Mit seiner raumgreifenden Arbeit antwortet der Künstler direkt auf den umgebenden Barockraum. Der Raum, der große Hohlkörper, ist als Voraussetzung für die Skulptur immer mitgedacht – er wird Teil der Skulptur, denn ausschließlich für ihn wurde sie konzipiert. Nun zeigt die Galerie Michael Kienzers Plastiken in einer Einzelausstellung in den großzügigen Räumen der Wiener Galerie. Wie bereits im Museum Angerlehner so präsentierte der Künstler auch hier raumgreifende Skulpturen mit raffinierten Wandarbeiten. Obwohl Kienzer hier erneut banale Industriematerialen verwendet, vom Sägeblatt bis hin zum Schaumgummi, wirken diese gerahmten Arbeiten äußerst sensibel – ja muten nahezu filigran und mit großer Bedacht gesetzt an. In diesem Sinn nimmt Michael Kienzer hier erneut ein zentrales Thema seines Werkes auf und thematisiert das Verhältnis zwischen Gegenstand und Malerei. Die Fläche des Farbfeldes erzeugt er allerdings ausschließlich mit Hilfe des Materials. Er erkundet das allen Dingen inhärente Potenzial ästhetischer Transformation und inhaltlicher Bedeutungsverschiebung. Er setzt seine Kunst komplexen räumlichen und gesellschaftlichen Referenzsystemen entgegen und unterwandert die repräsentativen Eigenschaften und innersten Strukturen der von ihm vorgefundenen Materialien und Räume, um sie subtil und subversiv wieder für seine Zwecke in Stellung zu bringen. Dabei entstehen Interventionen von großer Raumwirkung. 

Ort: 
Kunstszene: 
Autor: