Mehr als nur Worte [Über das Poetische]

09.03.17
Ketty La Rocca, La mie parole e tu, 1974

John Baldessari, Natalie Czech, Ketty La Rocca und Michael Snow setzten sich unter anderem derzeit in der Kunsthalle Wien mit dem Konzept des Poetischen in der Kunst auseinander. Die Ausstellung "Mehr als nur Worte [Über das Poetische]" zeigt nicht nur wo Kunst mit Worten spielt und Vermittlung poetisch agiert, sondern auch wo Poesie Kunst wird. Sie erinnert vor allem daran, dass der Kunst immer schon ein poetisches Moment innewohnte. 

Die Kuratoren Luca Lo Pinto und Vanessa Joan Müller wollen mit dieser Poesie spielen und uns mit einer Pause, einem "Getaway" aus dem "Gefängnis der Bedeutungen und Sinnhaftigkeit" (Lo Pinto) versorgen.

Dem Thema näherten sich die beiden vor allem über die Theorien des Linguisten Roman Jakobson an. Im Aufsatz Linguistics and Poetics stellte dieser 1960 ein Modell vor, demzufolge an jeder sprachlichen Mitteilung sechs Faktoren und Funktionen beteiligt sind. Die "Poetischen Funktion", jener Faktor nach dem laut Jakobson die Sprache ästhetisch wird und ein Inhalt um Werte ergänzt wird die außerhalb der reinen Mitteilungs-Funktion liegen, bildet den Ausgang für das theoretische Gerüst der zwei Kuratoren. Kommunikation wird demnach dann ästhetisch, wenn sie erweitert wird und beispielsweise um Rhythmus und Klangfarbe ergänzt, zu einer größeren, individuellen und mehrdeutigen Botschaft wird.

Die gezeigten künstlerischen Positionen spielen variantenreich mit diesem Potenzial der Kommunikation. Elisabetta Benassi lässt uns eine Unterhaltung zwischen zwei Morselampen belauschen, John Baldessari unterrichtet eine Topfpflanze und Jenny Perlin arbeitet sich filmisch an einem Gedicht von Robert Frost ab. Ketty La Roccas Fotografien von Händen mit eingeschriebenen Worten verbinden Gestik und sprachlichen Ausdruck.

Mit der Arbeit "Life in AdWords" übersetzt Erica Scourti ihre Tagebucheinträge in computergenerierte, werbewirksame Keywords während die skulpturale Installation aus gebündelten Polyurethanhüllen von Glasfaserkabeln der Künstlerin Nina Canell verdeutlicht, dass das Poetische nicht verpflichtenden auf den Einsatz von Worten reduzierbar ist.

Nach Vanessa Joan Müller und Luca Lo Pinto geht es um Ausdrucksmöglichkeiten jenseits des logischen Moments und Pragmatismus. "Wir zeigen einen Umgang mit Sprache, allerdings auf sehr unkonventionelle Weise. Das sind Arbeiten, die eher die assoziative Wahrnehmung ansprechen", so Lo Pinto.

Nicht ein Nebeneinander von Kunstwerken sondern eine facettenreiche Unterhaltung wird im Erdgeschoss der Kunsthalle gezeigt, sie regt den Besucher an am Dialog teilzunehmen.

Mehr als nur Worte [Über das Poetische]
bis 7. Mai

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