Matthias Lautner – Thomas Gänszler aktuelle Arbeiten der österreichischen Künstler in Berlin

29.03.15

Am 5. März eröffnet Alexander Urban mit der Galerie bäckerstrasse wien-berlin einen neuen Hotspot für die Berliner Kunstszene. In der ersten Ausstellung in Berlin präsentiert die Galerie mit Thomas Gänszler und Matthias Lautner zwei Shooting-Stars der österreichischen Kunstszene, die beide bereits eine prägnante und eigenständige Handschrift in ihrem Werk entwickelt haben und seit 2008 von der bäckerstrasse4 in Wien vertreten werden.

Matthias Lautner studierte bei Muntean/ Rosenblum an der Akademie der bildenden Künste in Wien und gehört zu jener jungen Künstlergeneration, die im zeitgenössischen Pluralismus der Medien erneut den Schwerpunkt auf die Malerei legt. Seine Gestaltungsprinzipien sind dabei auf einem dualistischen System von Figuration und Abstraktion aufgebaut. Die offene malerische Struktur des Bildgrundes wird nicht selten zur Kulisse, in die er seine figurativen Motive setzt. Die Bildkompositionen sind charakterisiert durch die fast völlige Abwesenheit einer topographisch-räumlichen Verortung zugunsten der Präsenz eines rein malerischen Raums. Der Kunsttheoretiker Christian Muhr bezeichnete Lautners Bilder als „Schauplätze kompositorischer, technischer und thematischer Spannungen“, die vor allem durch den Kontrast der „Detailgenauigkeit der Figurenzeichnung und der mitunter eruptive Gestik des malerischen Aktes, der große Flächen der Bilder domi- niert“, entwickelt wird. Die Malerei als Textur bildet auch in den Arbeiten von Thomas Gänszler einen Schwerpunkt, wobei er die Farbe naturgemäß einer anderen Interpretation unterzieht. Seine Skulpturen zeichnen sich durch ein großes Interesse am Material und an der Auseinandersetzung mit dem Raum aus. Der ehemalige Student der Meisterklasse Erwin Wurm kann als einer der innovativsten und eigenständigsten jungen österreichischen Positionen im Medium Skulptur bezeichnet werden. Die Motive und Materialien seiner Objekte sind oft aus dem funktionalen Alltag entnommen, wie Holz, Karton, Steinwolle, Metall oder Kunststoffe. Diese werden jedoch durch Fragmentierung und durch eine Überarbeitung mit Malerei in die charakteristische Formensprache des Künstlers übersetzt. Das Spiel mit fiktiven wie realen Wirklichkeiten steht dabei im Mittelpunkt, wie dies auch die skulpturale Arbeit zeigt, die Thomas Gänszler für den ersten Raum in der Galerie konzipiert hat. Vermeintlich aus Metall, scheinen die Teile Überreste aus einem Waschraum zu seien, wie man sie aus veralteten Jugendherbergen oder wenn man noch weiter denkt aus Lagern und anderen Horrorszenarien kennt. Diese Unsicherheit möchte Gänszler bewusst ansprechen. Es könnte ein Fundstück sein – doch real sind die Teile aus Kunststoff – einem ehemaligen funktionalen Gegenstand nachempfunden. In Berlin zeigen beide Künstler aktuelle Arbeiten. Auch wenn Lautner und Gänszler in unterschiedlichen Medien arbeiten, so ist ihnen eines gemeinsam: die Verwendung von vorgefundenen Bildern. Wenngleich die Bilder von Matthias Lautner vermeintlich Landschaft darstellen, so sind auch sie ein Spiel mit der Wahrnehmung. Das reale Vorbild interessiert ihn nicht, vielmehr fließen in seine Bilder vorgefundene mediale Sujets aus Film oder Fotografie ein – was durchaus dazu führt, dass in seinen Bildern die „Landschaft“ oft eine Art Bühne bildet. Die zeitliche Komponente ist ebenso ein wichtiger Faktor seiner Bildkompositionen. Der temporäre wie auch räumliche Sprung wird durch die Figuren evoziert, diese sind in einem urbanen und vor allem auch zeitgenössischen Outfit gemalt und finden sich oft in Kulissen wieder, die scheinbar garnicht zu ihrer Kleidung passen. Lautner ist sich der Tradition der Malerei bewusst, etwas das Thomas Gänszler wie er selbst meint stets davon abhält dieses Medium zu verwenden, Matthias Lautner jedoch gerade deswegen besonders reizt. Thomas Gänszler zeigt in Berlin überraschend neue Arbeiten. Der neuen Zyklus setzt sich mit Arbeiten von Jackson Pollock und Robert Motherwell auseinander. Wie Lautner arbeitet auch Gänszler mit vorgefundenen, bereits vorhanden Bildmaterial, diesmal mit Beispielen aus der Kunstgeschichte. Dennoch beide – Lautner wie Gänszler – generieren die visuellen Ansichten diese „Basisbilder“ ganz bewusst aus dem Internet. Gänszler untersucht Pollocks Werk „The Deep“ aus seiner letzten Schaffensperiode und entwirrt die verschiedenen Layers des Drippaintings und teilt diese in verschiedene einzelne Bilder auf. Robert Motherwells Bild „In Platoon´s Cave“ das in zwei Fassungen existiert, wird bei Thomas Gänszler zu einem Skulpturenmodell. Die Ausstellung lässt in einzigartiger Weise den Betrachter auch teilhaben am Diskurs zweier Künstler untereinander und bietet die Möglichkeit Gemeinsamkeiten und Gegensätze der einzelnen Positionen festzumachen.

Das Programm 2015 ist bereits geplant und wird ab 7. Mai mit Olaf Osten (* 1972 in Lübeck/lebt in Wien)
und Judith Saupper (*1975 Feldkirch/lebt in Wien) zwei weitere  Positionen 

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