MARTIN SCHNUR | Kunsthalle Nexus und Galerie Jahn

26.04.17
Natural-Metapher, 2016, Öl, Weißgold auf Leinwand, 200 x 300 cm, Fotos: Daniela Beranek / Courtesy: galerie Bechter Kastowsky, Wien

Licht, das sich in den Spektralfarben bricht, liegende Körper als Kompositionsmittel um Ebenen zu durchschneiden und Alltägliches mit Surrealem vermengt zu neuen Welten verdichtet. Martin Schnur (*1964 Vorau) lädt derzeit an gleich drei Orten zu einer persönlichen Begegnung mit seinem umfassenden Werk. Fantastisches und Reales, Gesehenes, Gefundenes und Imaginiertes mischt der Maler in seinen wortwörtlich vielschichtigen Bildern und fordert so durch eine intime, melodische Begegnung mit seinen Bildrealitäten eine Neubetrachtung der Weltrealität, die sie umschließt.  

Dynamik und Spannung, alles Irritierende und Umbrechende beschäftigt Schnur und treibt ihn weiter in seiner Suche nach Zusammenhängen. "Zonen-Netzwerk" hat er seine aktuelle Ausstellung in der Galerie Jahn in Landshut, Deutschland nicht zufällig genannt, der richtige Titel zu einer Ausstellung ist ihm sehr wichtig. "Da bin ich filmisch unterwegs", erklärt er. So auch in seiner zweiten aktuellen Schau "Natural-Metapher", im Kunsthaus Nexus Saalfelden, in der er mit den Beziehungen von Nah und Fern, Mensch und Natur, Licht und Schatten, ja gar Himmel und Erde spielt, wenn er das Sonnenlicht nur durch Reflexe am Boden, katalysiert über Spiegelteile und Blechdächer, präsent werden lässt. Viele Bildwelten entnimmt er der Umgebung Wiens, doch nie zeigt er nur einen Ausschnitt von Zeit und Raum. Schnurs Bilder sind satt, doch wird man sich erst nach sehr langer Betrachtung an ihnen satt sehen, denn zu viel gilt es zu entdecken.

Gerade arbeitet sich der Künstler an Spinnennetzen ab, sie seien ebenso Metapher wie auch seine fliegenden Schatten. Immer liegen größere Themen hinter seinen Welten. Konflikte von Ost und West beispielsweise, seine dargestellten Menschen tragen in ihren Gesichtern Geschichten. Gerne malt er sie im Liegen. "Giacometti arbeitete sich an 'den Mageren' ab, ich mich eben an 'den Liegenden'", lacht der steirische Künstler in seinem Wiener Atelier.

Seine Motive begegnen ihm in der U-Bahn, im Internet, in Zeitschriften: "Manchmal hat man ein bisschen Glück, es gibt gewisse Reflexionen, die einen inspirieren können, die man dann auch transpirieren kann."

Neben seinen großen Formaten – Malereien aus Öl, auf den Bildträgern Kupfer oder Leinwand, ergänzt um Blattgold und Weißgold, werden in Saalfelden auch kleine Pastelle gezeigt, sogenannte "Übungen", wie der Künstler sie selbst bezeichnet.

"An einem schönen Blumenstillleben hätte ich einfach kein Interesse", so Schnur. Ihn interessiert das Ordinäre, das Unkraut viel mehr – die "queren Einschnitte, die allem Rhythmus geben". "Kokettierend gesagt, male ich um zu überleben. Ich bin zwar ein fauler Mensch, aber ich bin ein getriebener Maler". Diese Triebkraft bringt dem Wiener Maler Martin Schnur gerade parallel Aufmerksamkeit an drei sehr unterschiedlichen Orten.

Zusätzlich zu den beiden großen Einzelausstellungen ist Schnur auch bis November an der Sonderausstellung "Open the Link" im Museum für Gegenwartskunst des Stift Admont beteiligt. Im Herbst wird eine weitere Ausstellung in der Wiener Galerie bechter kastowsky folgen, die den Künstler seit vielen Jahren vertritt. 

Martin Schnur: Zonen-Netzwerk
Bilder 2012–2017

Galerie Jahn, bis 3. Mai 2017

Martin Schnur: Natural-Metapher
KUNSTHALLE im Kunsthaus Nexus, bis 12. Mai 2017 

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