Martin C. Herbst | Positions | BEGE-Galerien Ulm

03.07.17
Martin C. Herbst | Positions | BEGE-Galerien Ulm
30.06.2017 bis 29.07.2017
BEGE Galerien Galerie am Saumarkt
Fischergasse 34
89073 Ulm
Deutschland

Öffnungszeiten:

Mo und Di nach Vereinbarung
Mi bis Fr 11 bis 13 / 14 bis 18 Uhr
Sa 11 bis 15 Uhr

Kontakt: 

Tel +49 (0) 731 . 6 33 49
Tel +49 (0) 731 . 93 40 74 11
Tel +49 (0) 179 . 4 83 41 88

Geradezu obsessiv beschäftigt sich der österreichische Maler Martin C. Herbst (*1965) seit Jahrzehnten fast ausschließlich mit dem Menschenbild. Mit "Portrait als Entwurf und generative Performance" charakterisierte Carl Aigner die unablässige und erfolgreiche Suche nach neuen Sicht- und Darstellungsweisen des kunsthistorisch so aufgeladenen Themas.

Die BEGE-Galerien in Ulm zeigen nun auf zwei Stockwerken über zwanzig zum Teil großformatige Arbeiten, die den innovativen und unkonventionellen Zugang des Künstlers zum Portrait und zur Malerei an sich belegen.

Der traditionell flache Bildträger expandiert bei vielen Arbeiten in die objekthafte dritte Dimension und mitunter wird das gemalte Bild selbst nur mehr in seiner Spiegelung sichtbar. Die Serie "Hidden Treasures" beispielsweise zwingt den Betrachter, die auf komplex geformtes und verspiegeltes Aluminium gemalten Gesichter hauptsächlich in ihrer Reflexion zu betrachten. Sie erscheinen aufgrund der unebenen oder gewölbten Spiegeloberfläche verzerrt und wirken für den Betrachter wie animiert. Greifbare Farbe wird immateriell und die in ihrem Wesen statische und unveränderliche Malerei erobert eine zeitliche und veränderliche, dynamische Dimension.

Überraschende Perspektiven ermöglichen auch gewölbte und gebogene Bildträger. Die Gesichter sind nur von einem Standpunkt aus symetrisch. Bewegt sich dagegen der Betrachter, beginnen sie sich zu längen, zusammenzuziehen oder sie lösen sich fast ganz auf. Es geht dem Künstler aber auch hierbei nicht um einen verblüffenden und kurzfristigen Überraschungserfolg, sondern um die überzeugende Vitalisierung von Malerei innerhalb ihrer traditionellen Grenzen. Und vor allem auch um die aktive Einbeziehung des Betrachters und die Mobilisierung seiner Bereitschaft zu aktivem Sehen und der Individualisierung seiner Bildwahrnehmung. Dem dient auch die Serie von Gesichtern auf bemalten Schalen und Halbkugeln mit farbigem Hintergrundlicht, das individuell gesteuert werden kann und so den Gesamteindruck verblüffend deutlich zu verändern vermag.

In einem weiteren Teil der Ausstellung besinnt sich M. C. Herbst auf seine Anfänge und greift zur traditionellen Leinwand. Im seriellen Aspekt dieser Arbeiten zeigt sich ein wesentliches Charakteristikum seines künstlerischen Selbstverständnisses. Es geht nur zum geringeren Teil um das Dargestellte an sich. Die nie zu ergründende und auszulotende Vielfalt und Variationsbreite der Wahrnehmung und  Darstellung ist für ihn das eigentlich Interessante. Ein Motiv bietet unendlich viele Möglichkeiten und dessen Wahrnehmung verändert sich mit jeder Sekunde – nur die Ökonomie des Gehirns presst es im Alltag in ein ikonisches Bild, das nur von Zeit zu Zeit sozusagen upgedatet wird. Der Künstler dagegen ist frei und geradezu verpflichtet, der Volatilität und Subjektivität von Wahrnehmung sichtbaren Ausdruck zu verleihen und mit ihr zu spielen.

www.martincherbst.com
www.bege-galerien.de

Ort: 
Thema: