MANIFESTA 11 - Zürich

01.06.16

Manifesta ist die einzige wandernde Biennale für zeitgenössische Kunst. Von Rotterdam bis Frankfurt über San Sebastian und St. Petersburg – ihr Weg hat sie bisher durch ganz Europa geführt. Von Juni bis September 2016 ist Zürich Gastgeberin der Manifesta 11. Mit 130 Künstlern, 250 Kunstwerken, 30 Neuproduktionen, einer Zunft für Künstler. Der Pavillon of Reflections eine schwimmende Plattform auf dem Zürichsee mit eigenem Bad ist die architektonische Ikone der Manifesta 11.

What People Do for Money: Some Joint Ventures
Kern der Biennale sind die Neuproduktionen, welche in Kollaboration mit Zürcher Berufsleuten entstehen. Unter dem Titel What People Do for Money: Some Joint Ventures arbeiten Künstler aus aller Welt mit Menschen verschiedener Professionen zusammen und bespielen die ganze Stadt. Rund 30 internationale Künstlerinnen und Künstler entwickeln gemeinsam mit ihren selbst gewählten Hosts, Vertretern verschiedener Berufssparten, Projekte. Jedes dieser künstlerischen Projekte hat drei Präsentationsformen: Eine in einem Satelliten, eine in einer der klassischen Kunstinstitutionen und eine in Form eines Films auf dem Pavillon of Reflections. So arbeitet der katalanische Künstler Carles Congost mit der Zürcher Berufsfeuerwehr und reflektiert in seinem Film Simply the Best den Unterschied zwischen Berufung und Lohnarbeit. Maurizio Cattelan kollaboriert mit einem paralympischen Athleten und Marguerite Humeau mit einem Ingenieur für Robotik zusammen, Guillaume Bijl mit der Hundestylistin Jacqueline Meier und dem Hundesalon Dolly. Jorinde Voigt hat sich als Partner den Melchior Burgin, Bootsbauer bei Stämpfli Racing Boats ausgesucht und Franz Erhard Walther Thomas Deutschenbaur, Geschäftsführer und Stoffentwickler Development Never Stops, Adliswil. Zu den teilnehmenden Künstlern zählt auch der französische Schriftsteller Michel Houellebecq. In Zusammenarbeit mit einem Arzt nimmt er die Manifesta-Besucher mit auf einen minutiösen Check-Up seines Körpers. 

Der Kurator
Für die Manifesta 11 in Zürich wurde der deutsche Künstler Christian Jankowski (geb. 1968 in Göttingen) zum Kurator ernannt. Jankowski studierte an der Hochschule der Künste in Hamburg und lebt und arbeitet heute in Berlin. Ein wichtiger Grundzug seiner Arbeit ist die performative Interaktion zwischen ihm selbst und nicht-kunstaffinen Menschen, so schlägt er eine Brücke zwischen zeitgenössischer Kunst und der Welt außerhalb der Kunst. Kunst empfinde ich dann als besonders geglückt, wenn sie über die Kunstwelt hinaus ein Eigenleben entwickelt. Für die Manifesta 11 entstehen Werke in kunstfernen Milieus, dort werden sie zum Teil auch ausgestellt. Für mich ist die größte Hoffnung, dass sich durch diese Mitwirkenden aus anderen Berufen auch etwas Tolles für die Kunst selbst ergibt. Und zwar dadurch, dass diese Menschen ihre Meinungen, ihre Stimmen, ihre Erwartungen in die Kunst einschreiben“, so Kurator Jankowski. Ein ausführliches Interview lesen Sie hier.

Ausstellungsorte der Manifesta 11
Das Migros Museum für Gegenwartskunst, die Kunsthalle Zürich und Luma Westbau sind – neben zahlreichen Satelliten-Ausstellungen und dem Helmhaus – Schauplatz der diesjährigen Ausgabe der Kunstbiennale. Zeitgleich zur Manifesta finden die sogenannten Parallel Events statt. Ihr Anspruch ist es, verschiedene Facetten der lokalen und regionalen Kulturszene aufzuzeigen und diese in einen Dialog mit der Hauptausstellung zu bringen.

Löwenbräukunst und Helmhaus
Ein Grossteil der Neuproduktionen und The Historical Exhibition: Sites Under Construction präsentiert sich in bekannten Zürcher Kunstinstitutionen – dem Migros Museum für Gegenwartskunst, dem LUMA Westbau, der Kunsthalle Zürich im Löwenbräukunst-Areal und dem Helmhaus Zürich. Das Helmhaus Zürich hat Christian Jankowski als Gastkurator eingeladen und beteiligt sich so mit Neuproduktionen und einem Teil der historischen Ausstellung an der Kunstbiennale.

Pavillon of Reflections
Architektonische Ikone der Manifesta 11 wird der für die Biennale geschaffene Pavillon of Reflections, eine schwimmende Plattform auf dem Zürichsee. Mit einem riesigen LED-Screen, Zuschauertribüne, Bad und Bar bietet der Pavillon Raum für Dialoge und Reflektionen über die für die Biennale neu entstandenen Kunstwerke. Im Zentrum des Veranstaltungsprogramms sind Filme, die die Entstehungsprozesse der neuen Kunstwerke begleiten und ihre Rezeption im Umfeld der Hosts dokumentieren.

Cabaret der Künstler – Zunfthaus Voltaire
Für die Dauer der Manifesta 11 wird das Gebäude an der Spiegelgasse 1 im Zürcher Niederdorf als Cabaret der Künstler – Zunfthaus Voltaire umgestaltet. Der temporäre Umbau ist inspiriert von traditionellen Handwerkszünften, in denen Berufsgruppen ihre gemeinsamen Interessen kollektiv vertreten. Das Cabaret der Künstler ist das Zuhause der neu gegründeten Zunft der Künstler. Von außen wird ein Erker aus Kunststoff die Transformation des geschichtsträchtigen Gebäudes repräsentieren, von dem vor 100 Jahren die Kunstbewegung Dada ausging. Das Innere verwandelt sich dem Thema der Biennale entsprechend in eine Arbeitswelt in der Art eines Bürogebäudes. Wer der Zunft der Künstler beitreten will, muss eine Performance liefern. Künstler können gemeinsam mit Nicht-Künstlern ab sofort über die Webseite der Manifesta Projektvorschläge – die sogenannten Joint-Venture-Performances – einreichen. Als Nicht-Künstler gelten auch Berufstätige aus dem Kunstbetrieb wie Kuratoren, Galeristen oder Auktionatoren.

Der Zutritt zum Cabaret der Künstler – Zunfthaus Voltaire ist nur den Zunftmitgliedern gestattet. Auch das Manifesta Ticket ist hier nicht gültig. Einzige Bedingung für den Einlass ist die Performance. Und wie in allen Zünften wird es auch im Cabaret der Künstler – Zunfthaus Voltaire die Position des Zunftmeisters geben. Jankowski hat hierzu den Künstler Manuel Scheiwiller berufen. 

Eelke van Koot, der singende Kunstvermittler der Manifesta 11
Alter: 33
Beruf: Sänger
Aktuell: Kunstvermittler der Manifesta 11

Selber von der Bühne kommend mische ich mich jetzt unters Publikum, um über Kunst zu reden. So fühlt sich mein Rollenwechsel vom Sänger klassischer Musik zum Kunstvermittler der Manifesta 11 an. Ich suche Möglichkeiten, wie ich klassische Musik mit visueller Kunst kombinieren könnte. Daher scheint mir die Manifesta mit ihrem experimentellen Charakter der perfekte Ort, um mich einzubringen und inspirieren zu lassen. Ich freue mich darauf, Euch unter anderem die Kunst von Franz Erhard Walther näherzubringen. Zusammen mit seinem Zürcher Gastgeber Thomas Deutschenbauer, einem Textilentwickler, kombiniert der Künstler Handwerk mit Performance-Kunst im luxuriösen Setting des Park Hyatt Hotels. Das Personal des Hyatts wird die Gäste in halbierten Kostümen bedienen. Kunstvermittlung bringt Menschen näher mit Kunst in Beziehung. Es ist schade, Kunst nur oberflächlich zu konsumieren. Durch den Austausch mit uns Kunstvermittlern soll sie langlebige Spuren hinterlassen.

Unsere geführten Touren machen einen Manifesta 11-Besuch zu einem unvergleichlichen Erlebnis und sind ideal für einen Team-Building-Event oder eine Gruppe von Freunden. www.manifesta11.org/en/visit

 

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