Malverwandte

24.09.14

Cornelius Kolig und Benedikt Nöth: Lehramt, 2012; Cornelius Kolig: Die Geburt der Malerei, 1990 (Foto: Ferdinand Neumüller)

Anton Kolig, Thaddäus Kolig und Cornelius Kolig – Museum des Nötscher Kreises

Das 1998 eröffnete Museum des Nötscher Kreises im Haus Wiegele, am Eingang des Kärntner Gailtales ist ein besonderes Kleinod innerhalb der Kunstinstitutionen. Im Mittelpunkt der Ausstellungen steht zumeist das Leben und Wirken der Nötscher Maler sowie ihre Verbindungen zu Künstlerkreisen, wie der Neukunstgruppe oder dem Wiener Hagenbund. Die lose Künstlergruppe war darüber hinaus durch familiäre Bindungen miteinander verbunden. Der in Neutitschein in Mähren geborene Anton Kolig lernte die aus Nötsch stammenden Künstler Franz Wiegele und Sebastian Isepp während seines Studiums in Wien kennen. 1911 heiratete er Katharina, die Schwester Franz Wiegeles und wählte trotz Auslandsaufenthalte und einer Professur in Stuttgart Nötsch wiederholt zu seinem Lebens- und Arbeitsbereich. Durch seine Sommermalschule kamen Künstler wie Gerhart Frankl oder Anton Mahringer nach Nötsch. Sein Sohn, der Maler Thaddäus Kolig wuchs in Nötsch auf, folgte seiner Familie 1931 nach Stuttgart und begann ebendort ein Kunststudium. Im Sommer malte er in einem Atelier im Haus seines Onkels Franz Wiegele, später lebte er im nahegelegenen Vorderberg. Seine Malerei schloss an die Formensprache der Nötscher Maler an. Gemeinsam war den Künstlern ein Interesse an den klassischen Themen der Malerei sowie an der Farbe und ihrer formschaffenden und plastischen Funktion. Auch der Sohn von Thaddäus Kolig wurde Künstler. Cornelius Kolig, geboren 1942, prägt mit seinen Objekten, taktilen Skulpturen, Installationen, Video, der darin oft eingebundenen Malerei die österreichische Gegenwartskunst. Seit Ende der 1970er-Jahre entsteht das Projekt „Paradies“ im Verband seines Elternhauses in Vorderberg, in dem der Künstler mit seiner Frau Doris auch seit 2001 lebt.

Ebenso wie sein Großvater beschäftigt sich Cornelius Kolig mit dem Körper, erweitert um die grundsätzlichen Fragestellungen der menschlichen Existenz bis hin zu den oft ausgeblendeten, jedoch unmittelbaren Bedürfnissen und Ausdrucksformen. Dieses Naheverhältnis hat er in unterschiedlichen künstlerischen Projekten thematisiert und bearbeitet.  Vor dem Hintergrund dieser Auseinandersetzung vor allem mit dem Werk Anton Koligs (1886–1950) kuratierte Jutta M. Pichler in enger Zusammenarbeit mit Cornelius Kolig die überaus sehenswerte Ausstellung „Malverwandte“, die erstmals Arbeiten der drei Generationen in einen Kontext stellt. Im Mittelpunkt steht dabei naturgemäß das Medium Malerei, bis hin zum Motiv der Farbpalette, die von Cornelius Kolig zum Objekt vergrößert und erweitert wird. Das Genre des „Familienbildes“, das sowohl von Anton als auch von Thaddäus Kolig gemalt wurde, findet in einer mehrteiligen Arbeit von Cornelius Kolig seine Fortsetzung und nimmt in der Ausstellung einen zentralen Stellenwert ein. Im Gegensatz zu seinen beiden Vorgängern steht nicht die repräsentative Darstellung der Familienmitglieder im Vordergrund (diese bleiben bei Anton Kolig unvollendet, skizzenhaft), vielmehr zeigt Cornelius Kolig seine Familie als „offenes, dynamisches und veränderbares Beziehungssystem“, so Jutta Pichler. Variable Einzelbilder wurden miteinander kombiniert und erst in der Zusammenschau, zum Familienporträt. Die Installation „Lehramt“ (2012) thematisiert den Bereich der Lehrtätigkeit, in dem sowohl der Großvater Anton Kolig, als auch später dessen Sohn Thaddäus beruflich tätig waren. Die Rolle des Schülers von Cornelius Kolig übernimmt dabei sein Enkel Benedikt Nöth (geboren 2009). 

Bis 26. Oktober 2014, Museum des Nötscher Kreises, Haus Wiegele, 9611 Nötsch im Gailtal 39, www.noetscherkreis.at