"Lost but wealthy" Merlin Kratky in der Galerie Frey

08.06.15

Im Rahmen des Vienna Gallery Weekends eröffnete die Galerie Frey in Wien die Ausstellung „Lost but wealthy“ des jungen Wiener Künstlers Merlin Kratky. Zur Eröffnung sprach Mag. Andrea Jungmann, Geschäftsführerin von Sotheby's Österreich, die auch das Essay zum Katalog schrieb, der zur Ausstellung erschien. 

Mit Merlin Kratky, geboren 1989 in Wien stellt die Galerie einen jungen Künstler vor, der in letzter Zeit mit seinen Arbeiten bei verschiedenen Gelegenheiten auf sich aufmerksam machte, so präsentierte ihn Andrea Jungmann bereits im Rahmen ihrer Artist Quaterly in den Räumen den Auktionshauses in der Wiener Herrengasse. Studiert hat der Künstler an der Universität für angewandte Kunst bei Erwin Wurm, 2012 diplomierte er bei Martin Walde. Nach seinem Studium arbeitete Kratky eineinhalb Jahre in Berlin und lebt heute wieder in Wien. Seine aktuelle Skulpturen und Bilder, scheinen einer Welt zu entspringen, die sich langsam ihrer Natürlichkeit entzieht. Was sich scheinbar optisch noch verlockend prächtig, bunt und ansprechend präsentiert, erweist sich bei näherer Betrachtung bereits als von der Außenwelt vereinnahmte Artifizierung der Wirklichkeit.

„Lost but wealthy“ wirft unseren Blick auf unser Innerstes zurück, schmeichelt unseren Augen, aber lässt gleichzeitig einen Schauer des Nachdenklichen in uns zurück. Der kritische Blick auf die Welt ist Merlin Kratky von Beginn seines Arbeitens eigen.

Andrea Jungmann schrieb im Katalog über die Arbeiten von Merlin Kratky:

'Wenn man zum ersten Mal Merlin Kratkys Arbeiten sieht, meint man auf den ersten Blick einzutauchen in eine farbenfrohe fröhliche Welt, in der sich buntes Obst und geometrische Formen tummeln. Hier eine wunderbar gelbe Banane in buntem Torteneck, dort auf der Leinwand schwebend eine Person, die spielerisch nach Würfeln greift.

Bei näherem Hinsehen jedoch verwirrt, dass die Früchte in Beton und glattes Polyester gezwängt sind. Ganz alltägliche Objekte werden naturgetreu künstlich reproduziert und eingegossen, in eine neue Form. Diese Zusammenkunft von Natur und menschlicher Schöpfung spiegelt eine abstrakte Sicht des Künstlers auf die Welt, eine Welt, die uns laut entgegenschreit, überrollt. Eine Welt, in der die Natur oft Mühe hat, sich durchzusetzen. In Merlin’s Arbeit sind diese Objekte aus der Natur verfremdet, eingeschlossen, eingesperrt, in künstliche, vom Menschen geschaffene Materialien. Dieses Eingesperrtsein tritt in den Bildern von Merlin Kratky noch viel klarer hervor. Hier sind es die Menschen, die eingesperrt in Kuben im leeren Raum fallen, schweben oder verzweifelt versuchen, nach den bunten, um sie herumschwebenden Formen zu greifen. Der Mensch, der sich seiner Umwelt gegenüber verschliesst, aber dennoch versucht, sie zu fassen. Merlin Kratky ist ein Fragender, der sich mit dem öffentlichen Raum, gesellschaftlichen Strukturen und mit unserem Umfeld auseinandersetzt. Seine Mittel sind die Malerei, Collagen und Skulpturen. Auffallend sind die fast schrillen Farben, ähnlich der in der Pop Art verwendeten Farbpalette – ein Spiegel unserer schrillen Welt, in der Informationen und Bilder uns überfluten.'

Bis 18. Juli 

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