LOOK! New Acquisitions I Neuerwerbungen der Albertina

10.07.17

Zum ersten Mal zeigt die Albertina eine Ausstellung auf zwei Ebenen des Museums und gibt auf über 2.500 Quadratmetern einen Einblick in die Sammlungsstrategie zur zeitgenössischen Kunst. Aus über 10.000 Werken, die in den letzten zwei Jahrzehnten erworben wurden, sind hier rund 350 Werke von 55 Künstlerinnen und Künstlern ausgewählt. Kuratiert wurde die Ausstellung von Antonia Hoerschelmann, der so betont sie bei der Eröffnungsrede, die Auswahl aus der Fülle der Arbeiten nicht leicht gefallen ist und man so Hoerschelmann „trotz der Raumfülle auf so manches Lieblingswerk verzichten musste.“

Die Zusammenstellung ist schlüssig und vor allem im ersten Stock sehr gelungen. Während man im Untergeschoß auf bekannte Namen von Warhol, Liechtenstein, Baselitz, Katz bis Polke setzt, ist die Auswahl im ersten Stock vielfältiger und inhaltlich tiefgreifender. Auf die fast schon sakral anmutende Inszenierung der vielen Schenkungen Gottfried Helnweins im Untergeschoß hätte man getrost verzichtet können, hing er doch bereits davor in denselben Räumen. Überzeugend ist jedoch die Zusammenstellung von großen Holzschnitten von Franz Gertsch mit nicht minder interessanten Werken der Leipziger Künstlerin Christiane Baumgartner. Dennoch zeigt das Untergeschoß beeindruckend wie viele Schenkungen, die Albertina in den letzten zwei Jahrzehnten erhalten hat und das ist auch eine Leistung die es zu würdigen gilt. Ist sie doch der Qualität der wissenschaftlichen und musealen Arbeit des gesamten Teams unter Direktor Klaus Albrecht Schröder geschuldet. Für die Grafische Sammlung der Albertina werden ausschließlich Zeichnungen und Druckgrafiken angekauft. Viele Künstlerinnen und Künstler haben darüber hinaus dem Museum auch bedeutende Gemälde geschenkt, weil sie ihr Schaffen als eine unteilbare künstlerische Einheit begreifen. Ebenso zeigt die Ausstellung, dass die Sammlungsstrategie darauf zielt Werkgruppen statt isolierter Einzelwerke zu erwerben, um ein komplexes Verständnis für die künstlerische Idee und die Gestaltungsprinzipien eines Schaffens zu erhalten.

Im ersten Stock überwiegen dann die Papierarbeiten. Hier scheint es, als könnte die Kuratorin aus dem Vollen schöpfen – und überblickt man die Ausstellungen der letzten Jahre weiß man auch, was sonst noch da gewesen wäre, Damisch, Bohatsch etc. Die Auswahl gibt einen guten Einblick über die Vielfalt der Ankäufe ganz unterschiedlicher künstlerischer Positionen. So hängt Antonia Hoerschelmann wunderbar Arbeiten von Helga Philipp mit Zeichnungen von Gerlinde Wurth zusammen, zwei wichtige Künstlerinnen, die Werke die reduktive Kunstrichtung in Österreich prägten. Gerlinde Wurth – zu Unrecht nur in Fachkreisen bekannt – erhält in diesem Jahr auch verdienter Weise den Preis der Stadt Wien. Ihre Präsenz in diesem Ausstellungskontext ist daher umso wichtiger und zeigt Hoerschelmanns Sensibilität in der Auswahl, wie auch im – doch unerwarteten aber gelungenen Dialog der  großformatige Ölkreidearbeit von Richard Serra mit mehreren Arbeiten von Sonja Gangl. Figuration trifft auf „absolutes Schwarz“  – in der Gegenüberstellung gewinnen beide und der Meister überlässt der österreichischen Künstlerin den Raum ohne zu dominieren. Interessante Gegenüberstellungen bietet auch der gleich anschließende Raum mit einer Arbeit des Österreichers Rudi Stanzel und der mehrteiligen großformatigen Druckgrafik „Epigraph, Damascus“, 2016, der aus Adis Abeba stammenden, heute in New York lebenden Julie Mehretu. Stanzel fräste für die Arbeit mit einer Kreissäge Spuren in weiches Pappelsperrholz und zeichnete damit Linien auf die Oberfläche,. Anschließend trug er mit einem Pinsel Grafit auf das Holz und rieb dieses in die Oberfläche ein. Ebenso aus vielen Schichten besteht auch Mehretus Arbeit aus vielen übereinandergelegten Schichten. Im selben Raum die schlüssige Gegenüberstellung von Papierarbeiten Max Weilers und Per Kirkebys. Beide zeigen in ihren großformatigen Grafiken, Strukturen von Moos, Erde, und Gras. Linien, Farben und die Konstruktion ihrer räumlichen Verhältnisse spielen sich bei beiden Künstlern in den Vordergrund.  Weiters überzeugen Werke von Sevda Chkoutova, Michaela Ghisetti oder Markus Schinwald, dessen ausgestellte Serie auf den druckgrafischen Porträts des Wiener Lithografen und Malers Josef Kriehuber (1800-1876) beruht, von dem die Albertina eine große Anzahl von Blättern in der Sammlung verwahrt. Schinwald vergrößert die Porträts um ein Vielfaches und werden zu Trägermedien von Schinwalds Metall- und Stoffprothesen.

LOOK! New Acquisitions I Neuerwerbungen
bis 8. Oktober 2017

Ort: 
Thema: 
Autor: