Legends Never Die – Bildraum 01

11.11.15

Bildraum 01 zeigt unter dem Titel „Legends Never Die“ eine sehenswerte Soloshow von Markus Oberndorfer
. Der 1980 in Ohlsdorf bei Gmunden geborene Künstler studierte an der Schule für künstlerische Fotografie von Friedl Kubelka und an der Akademie der bildenden Künste bei Eva Schlegel und Matthias Herrmann. Der Titel seiner neuen Werkgruppe bezieht sich auf das Graffitiporträt des Kultrappers Notorious B.I.G. Als Kultfigur des Hardcore Rap inszenierte sich der Musiker in den 1990er-Jahren mit schief sitzender Krone als Monarch des Ostküsten-Rap. Hier setzt Oberndorfer an und hinterfragt den wachsenden Narzissmus innerhalb unserer Gesellschaft. Was passiert, wenn das Ego zur Legende hochgezüchtet wird? Ausdruck dieses Narzissmus ist die allgegenwärtige Selfie-Manie. Fotografierte man früher noch Landschaften und Sehenswürdigkeiten nach Möglichkeit mit wenig Menschen, so geht es heute hauptsächlich darum zu zeigen, dass man ebendort war und ist – der Fokus ist das Selbstporträt vor passender Kulisse, das als geteiltes, geliktes und retweetetes Ich-Konstrukt identitätsstiftende Momente nach Außen trägt. Der Mensch als sein eigener Paparazzi – Begehrender und Objekt der Begierde zugleich – rückt in den Brennpunkt der phänomenologischen Fragestellung. Wie in vorangegangen Arbeiten verzichtet Oberndorfer auch in seiner aktuellen Werkserie auf jegliche Art der Inszenierung und widmet sich ausschließlich der Dokumentation des Vorgefundenen. Im Vordergrund stehen meist nicht die abgelichteten Objekte oder Individuen, sondern der vom Fotografen ausgefüllte Raum.

Zu sehen sind ein junges Mädchen, das an der Meeresküste stehend, sich selbst fotografiert oder eine Gruppe junger Leute auf einer Strandparty. "To Strike a Pose" – eine Phrase die früher nur der Modewelt vorbehalten war, ist nun allgegenwärtig. Doch das Posieren vor der Kamera wirkt gekünstelt, die Körpersprache wie auswendig gelernt. Alle Mimiken und Gesten scheinen an Ausdrucksformen angepasst zu sein, die sich bereits medial bewährt haben. Doch wenn das Leben mit dem Daumen auf dem Handyauslöser verbracht wird, wird der Mensch zur einhändigen Existenz und die reale Welt und das digitale Paralleluniversum austausch- und ununterscheidbarer.

Im Mittelpunkt des Raumes steht eine Skulptur die einmal mehr den Irrsinn der allgegenwärtigen Kommunikationssucht via Social Media vor Augen führt. Die Bank ist mit Trennwänden gestaltet. Der Sitzende somit eingeschlossen und sein Sichtfeld eingeschränkt. Kommunizieren mit dem Sitznachbar ist ohnedies nicht angesagt, zu sehr ist man beschäftigt die neuesten Nachrichten entweder zu posten oder zu lesen. Der Betrachter aufgefordert diese Einschränkung zu spüren und wahrzunehmen, dass er alleine und von Trennwenden eingeschlossen ist.

Oberndorfer hält uns einen Spiegel vor, jedoch wohltuend ohne moralischen Zeigefinger. Auch wenn wir die Kritik erkennen, so sind wir stets auch Teil dieser Entwicklung. Der Künstler lässt den Betrachter in seine Geschichten eintauchen und bietet gleichzeitig Momente zur Fremd- und Selbstreflexion und zeigt die zunehmende Durchlässigkeit zwischen realer und digitaler Welt auf – vielleicht mit der Hoffnung den Betrachter zu sensibilisieren. Das zersprungene Glas am I-phone wirkt beinnahe befreiend – no more pics?
Oder doch nicht? Der Titel der Arbeit „Currently In Between Scandals“ kommt aus einer Reality-Show, also ebenfalls Ausdruck einer medialen Selbstinszenierung. Anstelle des Displays ist ein Spiegel eingebaut, "sozusagen ein modifiziertes Objet trouvé und ironisches Statement", so Markus Oberndorfer, "Wenn das Display zerbrochen ist, ist sozusagen auch der Spiegel zerbrochen und somit lassen sich schwer sofort share-bare Skandale produzieren... "

Bis 10. Dezember 2015

 
 
Ort: 
Kunstszene: