LAUTLOS Anna-Maria Bogner und Christoph Luger in der ZS art Galerie

03.06.16

Unter dem Titel „Lautlos“ zeigt die ZS art Galerie eine Doppelausstellung von Anna-Maria Bogner und Christoph Luger. Zwei Positionen, die auf dem ersten Blick nicht unterschiedlicher sein könnten und dennoch ist daraus – oder gerade durch den Kontrast der beiden künstlerischen Werke – eine gelungene Zusammenarbeit geworden. Die Künstler haben sich entschlossen mit dem hellen offenen Raum zu arbeiten, ihn gleichsam als Ausstellungstool zu integrieren, was sich ob der Architektur der ZS art Galerie einfach anbietet. Zudem ist Anna-Maria Bogner bekannt für ihre sitespezifischen Verspannungen und Vermessungen des Raums und einmal mehr ist ihr hier eine sehr selbstbewusste und beeindruckende Arbeit gelungen. Der Eingriff in den Raum ist scheinbar minimal ­– jedoch im Zusammenspiel mit der in warmen Farbtönen gehaltenen großformatigen Papierarbeit von Christoph Luger – von großer Wirkung.

Geboren 1984 in Tirol, studierte Anna-Maria Bogner von 2003 bis 2007 an der Akademie der bildenden Künste Wien bei Monica Bonvicini, Franz Graf, Elke Krystufek und Hans Scheirl. In ihren Installationen, Objekten und Zeichnungen widmet sie sich Fragestellungen nach Raumaneignung, Raumgrenzen und Zwischenräumen. Konstitutiv für ihr Schaffen ist die enge Verschränkung von Werk, Wahrnehmung und individueller Verortung zum selben. So wird der Betrachter stets losgelöst von seinem persönlichen Zugang zu den von Bogner geschaffenen Räumen. Denn Raum ist in seiner Konstruktion immer an die jeweilige Erfahrung und Situation gebunden, wie auch aktuell in der ZS art Galerie. Der Raum wird durch die Verspannungen der Künstlerin neu wahrgenommen. Dort wo sich die Linien durch den Raum ziehen und Flächen bilden, entstehen neue Volumina. Eine Art Materialisation der Leere. Doch geht es Bogner neben formalen Kriterien auch darum Grenzen, aufzuzeigen und die Frage nachdem was dahinter liegt zu stellen – ein poetischer Versuch Raum greifbar zu machen und den Besucher zu animieren, im wahrsten Sinn des Wortes über die Grenze/Linie zu treten. Auch Bogners Zeichnungen sind geprägt von einer klaren und präzisen Formensprache: Ausschnitte aus einer vieldeutigen und zerbrechliche Welt, Ausschnitte eines Ganzen, ohne das Ganze selbst zu benennen.

Mit den formalen, schwarz-weißen Zeichnungen und schwarzen Verspannungen von Anna-Maria Bogner kontrastieren die farbenprächtigen großformatigen Collagen von Christoph Luger. Der 1957 in Bregenz geborene und seit vielen Jahren in Wien lebende Künstler geht bei der Bildfindung einen ungewöhnlichen und sehr individuellen Weg. Als Bildträger dient ihm Papier von unterschiedlicher Beschaffenheit. Christoph Luger klebt die Papierbögen aneinander und tackert sie an die Atelierwand, wodurch die darauf folgende Bearbeitung der zumeist großen Formate den Charakter von Wandmalerei erhält. Beim Abnehmen des Papiers wird diese zum Bild, auf dem die Spuren des Entstehungsprozesses – auch Risse oder Verknitterungen – sichtbar erhalten bleiben. Die Papierwand wir gleich einem Fresko bearbeitet, beschichtet mit wasserlöslichen Leimfarben, die großflächig und zügig aufgetragen werden. Wassertropfen ziehen über das Papier, stellenweise werden aufgeweichte Papierlagen abgezogen an andere Stelle Papier überklebt. Der Entstehungsprozess selbst setzt bewusste Spuren, er hinterlässt Benutzungserscheinungen, die das Papier regelrecht verwunden, es aufreißen, durchlöchern und abschürfen. Erst beim Abnehmen von der Wand wandeln sich diese Arbeiten vom Fresko zum Bild. Fragile Tafelbilder entstehen, die sich durch einen in leisen Tönen gehaltenen Farbauftrag auszeichnen, der ebenso wie die Beschränkung auf Abstraktion charakteristisch für Lugers Schaffen ist. Lugers Bilder wirken auch wenn er oft kräftige Farben verwendet, wie stille und verborgene Momentaufnahmen einer inneren Landschaft, die jedoch durchaus auch einmal rockigere Töne enthalten kann. Die Arbeiten von Anna-Maria Bogner und Christoph Luger finden in den Räumen der Galerie in gelungener Weise zusammen in einem Spiel mit Distanz und Nähe, getragen von einer gegenseitigen Wertschätzung der beiden Künstler.

Bis 4.8.2016