Laura Owens in der Secession Wien

04.07.15

Eingeladen vom Vorstand der Secession hat die US-amerikanische Künstlerin Laura Owens für die Secession eine eindrucksvolle Ausstellung zusammengestellt, kuratiert von Bettina Spör. Die in Los Angeles lebende Künstlerin feiert seit den 1990er-Jahre große Erfolge und gehört zu einer Generation von KünstlerInnen, die durch technisches Können, Experimentierfreude und nicht zuletzt über die Einbeziehung digitaler Medien und Bildbearbeitungstechniken den zeitgenössischen Malereidiskurs wesentlich mitprägt haben und bis heute prägen. 2003 widmete ihr das Museum of Contemporary Art in Los Angeles als bis dahin jüngster Künstlerin eine Retrospektive. Bekannt wurde Owens mit großformatigen Gemälden und einer spezifischen Bildsprache, die von Referenzen an die Kunstgeschichte, Anleihen bei der Populär- und Volkskultur sowie visuellen Traditionen nicht-westlicher Kulturen inspiriert ist. Formal zeichnen sich ihre Arbeiten durch die Verbindung unterschiedlicher Techniken, Medien und Motive sowie deren Überlagerungen aus. Sie bedruckt, bemalt, besprüht, bestickt, beklebt ihre Leinwände und versieht sie mitunter mit Objekten. Daneben nutzt Owens Mal- und Bildbearbeitungsprogramme als gleichwertige Arbeitsmittel. Dieser Zugang zur Malerei bringt eine permanente Veränderung ihrer Bildsprache mit sich; ihr Arbeitsprozess ist durch umfassende Vorarbeiten, Studien und technische Experimente geprägt. Wenn die eigentliche Arbeit an der Leinwand beginnt, stehen die wesentlichen Parameter des Gemäldes schon fest. Owens’ Bildräume sind kompositorisch komplex und gekennzeichnet von sich überlagernden Ebenen, die zwischen formalen und inhaltlichen Bezügen wechseln.

Malerei ist für Owens auch ein Mittel der Raumerfahrung und des physischen Erlebnisses. Sie stellt ihre Gemälde häufig in Beziehung zum Ausstellungsraum und dessen spezifischer Architektur. Dimensionen, Proportionen oder charakteristische Gestaltungselemente fließen daher oft in den Entstehungsprozess ihrer Arbeiten ein und beeinflussen Leinwandformate, Bildproportionen oder Installationsweisen. Die physische Präsenz der großformatigen Gemälde erfordert von den BetrachterInnen – analog zum Malprozess der Künstlerin – körperliche Teilhabe: Die Bilder müssen abgeschritten werden, Annäherung und Entfernung sind Bestandteil der Rezeption. Ihr Interesse am „Bild im Bild“, einem traditionellen Topos der Kunstgeschichte, verbindet sie in ihren jüngsten Arbeiten wie selbstverständlich mit der allgegenwärtigen Ästhetik von Bildschirmen, die vom gleichzeitigen Neben- und Übereinander unterschiedlicher „Fenster“ geprägt ist. In letzter Zeit haben digital manipulierte Bildelemente in Verbindung mit der analogen Technik des Siebdrucks zunehmend an Bedeutung gewonnen und das Erscheinungsbild ihrer Arbeiten gewandelt. Sie sind auch das dominierende Element in der jüngsten, eigens für die Secession produzierten Serie von großformatigen Bildern.

Nachdem Owens mehrere Jahre mit alten Zeitungen wie etwa Ausgaben des Berkeley Barb und der Los Angeles Times aus den 1960er-Jahren gearbeitet hatte, stieß sie durch einen Zufall auf einen Satz Stereotypiedruckplatten, die als Abdichtung unter den Schindeln ihres Hauses in Echo Park in Los Angeles verwendet worden waren. Die Papiernegative waren ursprünglich die Vorlage für den Guss der bleiernen Druckzylinder und gehörten zu Ausgaben der Los Angeles Times, die 1942 erschienen – im Jahr der Erbauung des Hauses. Die Künstlerin war hingerissen vom Nebeneinander der weltbewegenden Ereignisse in den Monaten nach Pearl Harbor und den vermischten Nachrichten aus einer fernen Vergangenheit ihres eigenen Viertels. Owens ließ zunächst Gummiabgüsse der originalen Negativplatten anfertigen. Die damit nachgedruckten Zeitungen wurden gescannt, in Photoshop bearbeitet und mittels Siebdruck auf Leinwände gebracht. In der Secession stellen die an der Wand aufgehängten Gemälde einzelne Bilder dar, bilden zusammengenommen aber die konstruktive Idee einer Zeitung als Ganzes ab. Texturen und Farben wiederholen sich und Motive eines Gemäldes finden in einem anderen ihre Fortsetzung – wie ein Leitartikel, der auf der Titelseite einer Zeitung beginnt und auf Seite 6 weitergeht. Für die neuen Werke hat sie die originale Los Angeles Times aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs so digital nachbearbeitet, dass nun Nachrichten jüngeren Datums und Werbung aus zeitgenössischen Publikationen und Webseiten neben noch älteren Inhalten, die bis in die 1890er-Jahre zurückreichen, erscheinen. Manche dieser Bruchstücke enthalten deutliche Verweise auf ihren historischen Ort, während andere nicht so leicht zuzuordnen sind. Auf den ersten Blick erkennbar ist allerdings, dass die in einem Bild versammelten Quellen sich nie zu einer klaren Chronologie von damals und heute ordnen.

Wie schon in früheren Ausstellungen zeigt Owens auch in der Secession parallel zu ihrer Malerei eine Serie handgefertigte Künstlerbücher, die im Zuge der Arbeiten an den großen Gemälden entstanden sind. Die Bücher, die von den BesucherInnen durchgeblättert werden dürfen, sind autonome Werke und zugleich Studien. Neben der überwältigenden physischen Präsenz der großformatigen Bilder gehören die Bücher einer intimeren Sphäre der Kunstproduktion wie -rezeption an: Sie sind Zeugnisse des Entstehungsprozesses der Gemälde und zeigen einzelne Aspekte, Motive oder Ideen.  

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