Kunsthalle in alpiner Hochlage eröffnet – ARLBERG1800

25.11.15

Nun ist sie komplett eröffnet, die neue und – was die Lage betrifft – höchste Kunsthalle im Alpengebiet. Genauer betrachtet handelt es sich um ein hochklassiges Kulturquartier inmitten einer der berühmtesten Wintersportregionen. Mit arlberg1800 erhält die traditionsreiche Tourismusdestination St. Christoph am Arlberg nun ein einzigartiges Zentrum für zeitgenössische Kultur. Bereits Mitte Oktober begann das Musikprogramm in der 250 Quadratmeter umfassenden Konzerthalle mit ihren 213 Plätzen. Eine Soiree mit dem Trio Piavice, dessen Programm von Haydn bis zur Wiener Schule reichte und am Folgeabend das mitreißende, aber dennoch sehr intime und persönliche Konzert des irischen Pop-Stars Chris de Burgh waren nun genau richtig, um die enorme akustische Qualität des Konzertsaals auch dem angereisten Kunstpublikum vorzustellen. An den Wänden mit Eichenholzlamellen ausgekleidet, erinnern dessen geschwungene Wellen zwar an das Innere eines Schiffsbauchs, strahlen jedoch durch und durch Klarheit und Modernität aus. Die gesamte Konzentration liegt auf dem Erleben des Klangs.

Mit der Eröffnung des Ausstellungsbereichs am soeben vergangenen Wochenende wurde das ehrgeizige Projekt des Hoteliers und Kunstsammlers Florian Werner nun finalisiert. Die Halle, entworfen von dem Tiroler Architekten Jürgen Kitzmüller steht in ihrer Klarheit und mit ihren Roh-Betonwänden ganz in der Tradition der alpinen Moderne, aber auch allerneuester Kunsträume. Als Besonderheit ist sie – ähnlich wie die Swarovski Kristallwelten in Wattens – zum Großteil unterirdisch gelegen. Man kann sie durch einen Korridor direkt aus dem Untergeschoß des Arlberg Hospiz Hotels betreten oder durch den regulären Vordereingang, der dann gleich mit einer Treppe abwärts in den Hauptbereich führt.

Auch wenn mancher Knauf und vor allem der stark präsente Öffnungsbalken an einer der Türen etwas zu sehr den Blick an sich ziehen, dominiert hier Klarheit. Sofort sind auch die Signale in Richtung aktueller und ganz junger Kunst zu sehen. Markus Schinwald, dessen lebensgroße Marionette das eintreffende Publikum gleichsam begrüßt, wirkt hier fast wie ein Klassiker. Spürbar ist auch gleich, wie etabliert bereits die Musikobjekte und Installationen des Constantin Luser wirken, der hier eine „Bandoneon-Intensivstation“ realisiert hat. Nicht nur kann man sie selbst bespielen und eines der Instrumente an dieser Ziehharmonika-Maschine zum Erklingen bringen. Sie kommuniziert auch stilistisch mit Schinwalds Arbeit und stellt eine Beziehung zwischen Kunst und Klang, zwischen Musik und skulpturalem Objekt her. Durch Eingriff des Publikums kann es zum Erklingen gebracht werden.

Das künstlerische Konzept für diese Ausstellung die verschiedene Bereiche zwischen Sound, Performance und Architektur umfasst, kommt vom Team der in Wien ansässigen section a: von Andreas Krištof, Christine Haupt-Stummer, Katherina Boesch und Viktoria Pontoni. Sie betreuen auch das artist in residence Programm, das Florian Werner bereits 2008 ins Leben gerufen hat. Dass sich dieses zunehmend in Bereiche vorwagt, die man nicht gleich mit der Wohlfühlatmosphäre eines prominenten Hotels in Verbindung bringt, zeigt sich allein daran, dass soeben die Gruppe Mahony zum Arbeitsaufenthalt in St. Christoph weilte und dann bald der ebenfalls noch eher junge Bulgare Michail Michailov folgen wird. Mahony sind auch in der Eröffnungsausstellung mit gleich zwei Werken vertreten. Sie beschäftigen sich derzeit mit dem Reisen als künstlerisch-kulturelle Praxis. Eine Arbeit dokumentiert den realen – oder vielleicht doch erfundenen – Meteoriten Einschlag in ein Einfamilienhaus im amerikanischen Bundesstaat Illinois mit einer Serie von Fotos. Eines der Highlights dieser Schau ist Eva Schlegels beeindruckendes Ventilator-Werk „NO MAN’S HEAVEN“. Es fasziniert, weil die Bildfläche ein sich drehender Flugzeugrotor ist, auf dem darauf projizierte Filmsequenzen von fliegenden Menschen im freien Fall zu sehen sind, oder Aufnahmen von wissenschaftliche Experimenten, die ebenfalls das Fliegen zum Thema haben. Flüchtige, ephemere, fragile Bilder, während mit dem gesamten Projekt arlberg1800, in das insgesamt 26 MIO Euro investiert wurden ein neuer auf Dauer angelegter Kulturort mit insgesamt 1500m2 Fläche inmitten der alpinen Berglandschaft begründet worden ist.

 

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