Kunst & Genuss

16.10.17
Ronald Kodritsch, Akt mit Welschriesling, 2017, Aluminiumguss, 212 × 120 × 120 cm | © by the artist

Die Verbindung von Kunst und Genuss ist Thema im aktuellen PARNASS 3/2017. Stellvertretend möchten wir Ihnen Künstler vorstellen, deren Werk sich an der Schnittstelle von Kunst und Genuss ansiedelt.

Ronald Kodritsch

Ronald Kodritsch ist Beobachter und Sammler von Alltäglichem, Banalem, manchmal auch Skurrilem, das er aufgreift und in ganz persönliche Bildgeschichten transformiert, so der Kurator Günther Oberhollenzer über den Künstler. Auch sein »Akt mit Welschriesling« ist eine Zusammensetzung aus gefundenen Versatzstücken aus dem Landhaus des Künstlers und dem nahen Wald, die er im Sinne der Arte Povera verarbeitet. Äste von Robinien, Kübel und ein Schwemmholz, das wie eine Hand aussieht, formen den Körper, auf den Kodritsch den aus Gips modellierten Kopf setzte. Auch der einsame Flip Flop, der sein Pendant verloren hat, kam zu Ehren. Der Trinkbecher, den der Akt in der rechten Hand hält, ist ein persönliches Stück des Künstlers, ein Geschenk seines Onkels, des Seefahrers – angereichert mit der Fantasie von Bildern aus der weiten Welt. Die »Flaschengeister«, eine Bildserie des Künstlers aus 2002, sowie der Welschriesling, den man in der Südsteiermark gerne im Sommer trinkt, haben in der Figur aus Aluminiumguss einen Art »Weinfetisch«, so Kodritsch, bekommen. Indem der Künstler mit dem »sitzenden Akt« ein traditionelles Sujet der Skulpturgeschichte aufgreift, lässt er einmal mehr gekonnt die Grenzen zwischen Hoch- und Populärkultur verschwimmen.

Manfred Erjautz

Der »Soletti-Giacometti« von Manfred Erjautz ist ein subtiles Spiel mit Material, Kunstgeschichte und unserer kulinarischen Konsumwelt. Gleich auf den ersten Blick gelingt die Assoziation zu den überlängten, schmalen Figuren des Schweizer Künstlers Alberto Giacometti. Doch die »Schreitenden« von Erjautz sind nicht modelliert, sondern aus Solettis geformt, deren Sockelbasis jeweils ein Knäckebrot bildet. Das Überschreiten gängiger Parameter ist charakteristisch für das Werk des Künstlers, ob Pistolen aus Spielzeuglego, Eisenketten, die der Schwerkraft trotzen, oder Schaufensterpuppen, die mit Logos beklebt die Bedeutung »shelter« – so der Titel dieser Werkserien – radikal hinterfragen und den Menschen in den Fokus einer Konsumindustrie stellen. Die Umsetzung der fragilen Figuren als Bronzeguss erforderte eine intensive Auseinandersetzung mit dem Material und das Entwickeln einer geeigneten Gusstechnik. Erjautz stellt die tradierten Sehgewohnheiten in Frage und spielt nicht ohne subtile Ironie mit der Wertigkeit von Material und Form.

Norbert Brunner

Die Objekte aus der Reihe »Cook Local Impact Infinite« sind nicht nur bildschöne Esstische, sondern Kunstobjekte aus historischen Holzböden. Der erste Tisch entstand aus den Eichenholz-Parkettstäben des Kunsthistorischen Museums. Diese landeten bei der Sanierung der Kunstkammer im Lager eines Abbruchunternehmens, wo Brunner sie durch Zufall entdeckte. Kommunikation und die vielen Ebenen der Begegnung zwischen den Menschen sind Schwerpunkte in seinem Werk. So lädt er zum Tafeln ein – an die verschiedensten Orte der Welt, wie aktuell Havanna, wo er Teile des Originalbodens aus dem Teatro Capitolio verwendete. Serviert werden Speisen aus regionaler Kochtradition. »Kochen und Essen ist für mich die einfachste Art der Kommunikation, die global verstanden wird. Deswegen möchte ich die lokalen Küchen in einen weltweiten Kontext stellen und somit eine Kommunikation ermöglichen, die diese Schönheit des Andersseins erfahrbar macht.« In der Mitte des Tisches ist stets ein leuchtendes Band eingelassen. Der Schriftzug aus Kristallen ist erst durch den Blick in den Spiegel, der über dem Tisch angebracht ist, lesbar. »it takes courage to see the beauty of being different«, liest man in Havanna.

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