Konsumkrieger im Tüllröckchen – Isa Genzken im MdM Salzburg

06.02.15

Sachte drehen sich zwei Ringe im Raum: Betritt man derzeit das Museum der Moderne in Salzburg, so begrüßt einen gleich am ersten Treppenabsatz eine Installation von Isa Genzken, lässt an Genzkens frühe Auseinandersetzung mit der Minimal Art denken – wie man sie erst im Vorjahr in ihrer fulminanten Einzelausstellung der Kunsthalle Wien sehen konnte. Doch sobald man die ersten Stufen überwunden hat, stellt sich heraus, dass diese Arbeit hier aus weit mehr als den Ringen besteht: Am Boden sind diverse Fotomontagen platziert, auf denen ein heiterer Bilder- und Stilmix herrscht – „Spiegel“-Covers, Katzenfotos, Selbstporträts und vieles mehr bildet eine Art Teppich; es könnte sich auch um einen Catwalk handeln. „Neue Werke“ betitelt sich die Ausstellung im Museum der Moderne, für das Genzken zwei Transiträume des Hauses bespielt: Neben dem Verteilerraum im ersten Stock auch jene Fläche auf Ebene 3, von der aus sich andere Ausstellungen erschließen. Dennoch kommt man an den Arbeiten nicht einfach so vorbei.

In vielerlei Hinsicht schließen die neuen Arbeiten freilich an längst Bekanntes an – etwa die abstrakten Kompositionen, die von Spiegelfolien-Bändern überzogen sind, kombiniert mit Klebebändern im Design von Baustellen-Absperrungen oder Fussball-Mustern und in die sich immer wieder kleine Bilder – Selbstporträts, Katzenfotos – schummeln. Ebenso zeigt Genzken 16 wild bekleidete Schaufensterpuppen, wie sie schon fast zu so etwas wie ihrem Markenzeichen geworden sind; man erinnert sich noch an ihre Ausstellung in der Secession vor neun Jahren. Genzkens Wesen, deren trashige Erscheinung die teilweise hervorragende Qualität ihrer Kleidung in den Hintergrund treten lässt, erscheinen häufig paradox: Ebenso bedrohlich wie fragil, ebenso furchteinflößend wie prekär. Sie tragen ein umfangreiches Reservoir an Kleidungsstücken und Accessoires – gelbe Regenjacken, dunkle Baseballmützen, grüne Lederschuhe, schwarze Cordhosen, Lederhosen im Bikerlook, jede Menge Tierimitat, Halstücher aller Art, glänzende Shorts, knallige Rettungswesten, gelbe Baustellenhelme, ein Sackerl mit dem Aufdruck einer deutschen Pornomesse, und natürlich: Spiegelfolie, Klebebänder, Sprühfarbe. 

Einer weiblichen Gestalt blickt eine unter ihr liegende männliche Figur zwischen die Beine, dabei selbst die Scham entblößend – doch statt des Gliedes trägt der Voyeur einen Fleck, mit roter Farbe aufgesprüht; Genzken hat ihn gewissermaßen zuvorkommend entmannt. Ein Teenager wurde mit rosa Tapes gefesselt – da nützen auch die stylishe Jeansjacke und das lässige Blumenhemd nichts – und trägt das Foto eines Michelangelo-Kopfes als Schurz; zu den Füßen der oder des Halbwüchsigen drapieren sich ausgestopfte Tiere, eine Eule, eine Bisamratte, ein Hase und ein Wiesel. Eine andere Puppe trägt Leopardenlook und Tüllröckchen unter American-Football-Schulterpolstern, dazu noch Schlangenlederjacke: Manchmal haben Genzkens Figuren etwas Kriegerisches.

„Schauspieler“ nennt sie ihre Figuren, und man kann deren Gruppierung (der Begriff der „Prozession“, der im Begleittext verwendet wird, trifft nicht unbedingt zu) als einen Abgesang auf den Konsumismus der Gegenwart lesen. Manchmal geht da auch schon ein Kopf verloren, wird etwa durch Glitzerfolie ersetzt oder durch eine Kartonrolle. Es ist eine glitzernde, bunte, deprimierende Szenerie, der uns Genzken aussetzt – postkonsumistisch, gewissermaßen.

Isa Genzken: Neue Werke bis 22. Feburar

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