Jean Charles Blais – Galerie Mario Mauroner Contemporary

29.03.16

Die Galerie Mario Mauroner Contemporary zeigt in ihren Wiener Galerieräumen eine überaus sehenswerte Einzelausstellung des französischen Künstlers Jean Charles Blais. Die Gegenüberstellung von früheren Werken mit aktuellen Arbeiten ermöglicht einen Einblick in die Formensprache des Künstlers und macht die Ausstellung in der Wiener Galerie so besonders. Zu sehen sind daher auch Arbeiten aus den späten 1990er-Jahren als Blais mit seiner Werkserie „sur mesure“ (maßgeschneidert) in der Wiener Bawag Foundation erstmals seine Arbeiten erfolgreich in Wien präsentierte. Diese Objekte aus Textil sind auf Fragmente reduziert und wurden damals zum Teil freihängend als auch als Wandobjekte präsentiert. Ein revolutionärer Umgang mit dem Material Textil, das Blais jedoch ganz anders einsetzte als etwa vor ihm Franz Erhard Walther. Weder interessierte ihn das partizipative Element noch die Möglichkeit damit raumgreifende Installationen zu erarbeiten. Was sie jedoch verbindet ist die Thematisierung des Körpers. Ist dieser bei Walther Teil des Kunstwerks, in dem der Betrachters sie die Objekte überstülpen oder nach Anleitung des Künstlers damit agieren kann, so ist der Körper bei Blais abwesend aber dennoch aufgrund des Zitierens von Kleidungsstücken Teil des Kunstwerks. Seinen Objekten ist eine eigene Eleganz eingeschrieben, sie bleiben stets formal, stringent und dem Objekthaften verpflichtet, auch wenn man Teile eines Anzugs damit assoziiert. Vielmehr werden sie zu Röhren, die Ärmel oft flächig angelegt. Diese Formen finden sich auch in Blais´ Schnittzeichnungen auf schwarzem Grund. Die Farbigkeit Schwarz, Grau und Weiß dominiert. Die Formen können sich zuweilen allerdings auch so weit vom Kleidungsstück entfernen, dass sie wie flache Figuren Jean Arps an der Wand ihre Schatten werfen. Die Objekte aus Textil stehen in engem Zusammenhang mit den grafischen Arbeiten des Künstlers. So ist sein Werk bis heute geprägt vom vielfältigen Gebrauch der Medien. Für seine aktuelle Ausstellung in Wien hat Blais seine Werkreihe durch die Präsentation großer Malereien und neuer zerschnittener und wieder zusammengestellter Plakate sowie mit Gouachen erweitert. Diese neuen Arbeiten fügen sich in sein figuratives Repertoire ein, dessen Faszination in den verschiedenen Schichten des Papiers liegt. So scheint die Erinnerung an vergessene Formen, die in frühen Arbeiten der 1980er-Jahre präsent waren, wiederentdeckt zu werden. Diese großformatigen Collagen spielen einmal mehr mit der Inszenierung des Körpers aber auch mit der Räumlichkeit des Bildträgers, indem Blais die „Zeichnung“ aus mehren Papierschichten entwickelt. So werden Formen erzeugt, die aus der Gleichzeitigkeit von Tiefe und Fläche entstehen. Diese Technik entwickelte Blais aus der Auseinandersetzung mit den „affiches arrachée“ den Plakatabrissen der Nouveaux Réaliste. Der 1956 in Nantes geborenen Blais studierte an der École des Beaux-Arts in Rennes. Seit Anfang 1980er-Jahre wird die bewusste Auseinandersetzung mit der Pop-Art und der arte povera eines Mario Merz, aber wie erwähnt mit der Formensprache der Nouveaux Réaliste konstitutiv für sein Schaffen. Ausgehend von der Beobachtung abgerissener, mehrfach übereinander geklebter Werbeplakate entwickelt Blais eine Bildsprache, die sich weniger für die Oberfläche der zweidimensional gestalteten Botschaft als für den "dahinter" formulierten Raum interessiert. Die Mehrschichtigkeit des Materials und der Blick auf das Zufällige der Ränder und Falten erzeugen assoziative Strukturen, aus denen heraus er gegenständliche Motive, Figuratives, Häuser und Tiere, Pflanzen oder Werkzeuge herausarbeitet. Zahlreiche Einzelausstellungen in Frankreich, später auch in Deutschland und den USA machen Jean-Charles Blais' Arbeiten seit den 1980er-Jahren einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich. 1990 erregt seine erste große Arbeit im öffentlichen Raum die Aufmerksamkeit des Publikums: Jean-Charles Blais wird die Ausgestaltung der Pariser Metrostation Assemblé Nationale anvertraut. 1996 folgt das Projekt "Telephone Booths" zur Ausstellung "Thinking Print" des Museum of Modern Art in New York. Mit dem Jahrtausendwechsel wendet Blais sich den digitalen Technologien und neuen Materialien zu. So zeigt die Galerie auch im Untergeschoß eine Videoarbeit des Künstlers sowie eine Reihe damit in Zusammenhang stehender Grafiken.

Bis 30. Juli 2016