Inside-Out: Tone Fink und Eva Kees im Bildraum Bodensee

19.05.16

Noch bis 21. Mai ist die Ausstellung von Tone Fink und Eva Kees im Bildraum Bodensee zu sehen. Eine auf den ersten Blick ungewöhnliche Zusammenstellung zweier künstlerischer Positionen, die bei näherer Durchsicht jedoch überraschend viel gemeinsam haben. Die Ausstellung schafft eine interessante Dialogsituation, zumal sich die beiden Künstler bereits seit längerer Zeit kennen und schätzen.

Inside-Out, das Innere wird nach außen gekehrt sowohl in den Fotoarbeiten von Eva Kees als auch in den teils großformatigen Zeichnungen von Tone Fink. Die Papierhaut wird aufgerissen, das Material wird verdichtet aber auch in seiner Verletzlichkeit gezeigt – schlichtweg wird das Material von Tone Fink zum Thema gemacht. Er verwendet Papier und Papiermaché mit großer Lust am Skulpturalen, am Wortwitz und an der Sprache per se. Beide Künstler spielen mit dem Raum, mit seiner Ästhetik und ihrer Brechung. Sowohl Eva Kees als auch Tone Fink reflektieren in ihrer Arbeit Wahrnehmungen der Realität, die sie in ihre künstlerische Formensprache übersetzen. Während Tone Fink das Papier aufreißt, seine Titel seine scharfe Beobachtungsgabe dokumentieren, verbunden mit subtiler Ironie, geht Eva Kees noch einen Schritt weiter. Ihre Fotoserien, Videos und Leuchtobjekte durchbrechen mit Vehemenz die porösen Finkschen Papiermembranen „Innersense“, eine Serie aus Leuchtobjekten, beschreibt dabei am Eindrücklichsten die auftretende Kluft zwischen Kees und Fink. Was bei Tone Fink poröse und verletzliche Hülle ist, reißt Eva Kees weiter auf. Sie rückt Ausschnitte ins Zentrum, aus dem Innersten des Körpers und führt den Betrachter direkt an die Motive heran. Motive wie Teile eines Kuhmauls, eine Rinderzunge oder ein Schweinsohr, die in erster Linie als abstoßend und irritierend empfunden werden, jedoch mit ausgesuchter Ästhetik fotografiert wurden. Erst auf dem zweiten Blick werden die zarten Zitate sichtbar, die Eva Kees in ihre Fotografien einschreibt. Es sind spontane Ausdrücke des Missfallens, die in Kombination mit dem Bildsujet den emotionalen Kommunikationsansatz von Eva Kees spürbar machen. Besonders eindrucksvoll, das Herz (ein Schweineherz) aus der „heart shaped serie“, von 2005. Diese Arbeit zeigt zugleich auch das Interesse der Künstlerin an Präsentation, die nicht den Kunstkontext entnommen sind, sondern vielmehr den Signets der Werbeindustrie. Die Arbeit „Herz“ ragt daher auch gleich einem Geschäftslogo in den Raum. Eva Kees, geboren 1982 in Bregenz lebt heute in Wien. Sie studierte künstlerische Fotografie in Wien und Brüssel. Charakteristisch für die Künstlerin ist das Arbeiten in Serien. So zeigt sie im Bildraum Bodensee Arbeiten aus der Serie „Körper“, in der sie weiter in die menschliche Psyche vordringt. Zorn, Anklage, stummes Leid, Freude oder Glückseligkeit – der Moment, in dem das Bild gefriert, ist der Moment, der Kees Erzählung auf den Punkt bringt. Nur die Hände und Füße ihrer schemenhaften Körper ruhen auf der Bildfläche. So schafft sie eine Inszenierung, die ein Bruchstück der Physiognomie als das einzig Reale erfasst, das Halt und Gewissheit in der digitalen Welt und ihrer Entfernung vom Körperhaften gibt. Auch in den Arbeiten der Serie „Lights“ liegt Eva Kees Augenmerk auf den Verschiebungen zwischen der kollektiv wahrgenommen Realität und einer gestischen Individualisierung. Wie ein körperlich bestimmtes Selbstverhältnis aussehen kann, umreißt die Künstlerin in einer expressiven, fließenden Lichtmalerei, und drängt das Bewusstsein auf, dass das Flüchtige unserer phänomenalen Welt erst in der unverrückbaren Ordnung ihrer Bilder sichtbar wird. Eva Kees Arbeiten entstehen oft als Akt der Selbstinszenierung. Das Spiel mit dem eigenen Körper ist dabei jedoch vor allem einer pragmatischen Verfügbarkeit geschuldet und weniger ideell aufgeladen. Sie arbeitet gerne mit Symbolen, die aus den Sozialen Medien bekannt sind und kombiniert diese wie in der Serie „Emojianaloque“mit Handschuhen aus ihrer eigenen „Fundsammlung“, die jeweils für sich wieder eine Geschichte haben.

Papier und in der Folge Papiermaché, sind seit jeher die bevorzugten Materialien des 1944 in Schwarzenberg Vorarlberg geborenen Tone Fink. Die Zeichnung, die bereits über Jahrzehnte eine Werkkonstante Finks darstellt, erweiterte der Künstler raumgreifend zu Objekten aus Papiermaché, Performances bis hin zum Medium Film. Seine Affinität zu Papier und Büchern zeigte sich bereits unmittelbar nach seinem Studium an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Fink sammelte Kunstkataloge von Malern, die er schätze wie Antoni Tàpies, Joseph Beuys, Cy Twombly u.a. Diese habe er in der Folge „von vorne bis hinten verfinkt“ wie er das Überarbeiten, Überkleben und Bemalen dieser Bücher beschrieb. Herausgekommen sind einzigartige „Finkbücher“, Kunstbücher von einer seltenen Haptik und Lust am Material. Tone Fink arbeitet in Zeichnungen dabei stets figurativ und abstrakt je nach Intention, eine klare Trennung erscheint in seinen Arbeiten obsolet. Stets an Strukturen interessiert, bevorzugte er natürlich auch haptische Papiere, in die er sich richtig gehend hineinarbeitet, wie die neuen großformatigen Arbeiten, die für die Ausstellung im Bildraum entstanden. Mit bis zu vier Stiften gleichzeitig in einer Hand zeichnet er in einem fast tänzerischen Rhythmus über die großen Blätter. Von harten Stiften, die leichte, helle Grauwerte erzeugen bis hinzu weichen Stiften mit pastos-dunklen Farbaufträgen. Insgesamt eine Reihe von sensationellen Strukturen von großer Dynamik. Die Lust am spielerisch Skulpturalen im „Finkschen Kunstkosmos“ zeigt die Ausstellung mit den Hockthronobjekten und der den mittleren Raum dominierten „Sitzwellenroller“. Dieser, ebenso wie der gewellte Tisch im hinteren Raum der Ausstellung, dokumentieren auch die Benutzbarkeit der Objekte. Dennoch sind sie nie Design, auch wenn sie „behockt und besitzt“ werden können oder eine scheinbare Arbeitsfläche bieten – sie bleiben stets unmissverständlich Skulptur.

Aufgrund technischer Schwierigkeiten können derzeit die Bildcredits und die Bildlegenden auf Smartphones nicht eingesehen werden. Wir bitten um Entschuldigung.

Alle Fotos dieses Beitrages: © Christine Kees

 

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