Individualismus – höchste Qualität – Internationalität. Der Wiener Galerist Georg Kargl ist tot

16.05.18

Georg Kargl ist am Dienstag im Wiener AKH im Alter von 62 Jahren verstorben. Das gab die von ihm 1998 gegründete Galerie Georg Kargl Fine Arts bekannt. Kargl war ein Galerist aus Leidenschaft und setzte schon sehr früh durch ein weitreichendes Netzwerk auf Internationalität und trug damit wesentlich zur Positionierung des Kunststandorts Wien im Bereich Gegenwartskunst bei.

Begonnen hat Georg Kargl allerdings mit Jugendstil. 1977 gründete er gemeinsam mit Wolfgang Ritschka und Christian Meyer die Wiener Galerie Ambiente mit Fokus auf die Aufarbeitung und Markteinführung der damals vergessenen Kunst des Wiener Secessionismus. 1978 folgt die Gründung der legendären Galerie Metropol. Nach den ersten Ausstellungen über das Werk von Josef Hoffmann und Kolo Moser in New York und der Veröffentlichung von Publikationen zur Wiener Moderne (Sanatorium Purkersdorf, RaummalereiSecessionismus und Abstraktion) betrieben die Galeristen eine Filiale in der Madison Avenue in New York. Während ebendort dann Wolfgang Ritschka den Fokus auf Jugendstil weiterführte, setzten Kargl und Meyer in Wien zunehmend auf zeitgenössische Kunst. Gezeigt wurden Ausstellungen, die die Entwicklung der lokalen Kunstszene nachhaltig prägten, die internationale Kunstszene nach Wien brachten – Künstler wie Kuratoren – und neue Initiativen setzten, wie 1988 Freizone Dorotheergasse, eine Ausstellung zeitgenössischer Kunst die erstmals auch zeigte, wie der der öffentlichen Raum bespielt werden kann. Gezeigt wurden u.a. Arbeiten von Franz West, Valie Export, Peter Weibel, Gerwald Rockenschaub, Peter Kogler, Ernst Caramelle. 1991 Das Bild nach dem letzten Bild kuratiert von Peter Weibel und Kasper König. In der ersten Hälfte der 1990er-Jahre fanden über 40 Ausstellungen statt, darunter zahlreiche Erstausstellungen amerikanischer Künstler in Österreich (Bruce Nauman, Richard Artschwager und Charles Ray) oder sehenswerte Rauminstallationen u.a. von Christian Philipp Müller, Gerwald Rockenschaub, Raymond Pettibon, Renee Green, Andrea Fraser, Mark Dion, Matt Mullican, Rosemarie Trockel und Rudolf Stingl. Die Kooperation mit Peter Weibel führte zu ersten institutionellen Ausstellungen und Publikationen zur Kontextkunst. Durch die enge Zusammenarbeit mit internationalen Galerien wie Colin de Land, New York, Paula Cooper Gallery, New York und Christian Nagel, Köln, macht das Galeristenduo Kontextkunst international salonfähig, eine Kunstrichtung, die die Thematik der nachfolgenden documenta 1997 nachhaltig beeinflussen sollte. In der Folge bespielten drei Künstler der Galerie Andrea Fraser, Christian Philipp Müller und Gerwald Rockenschaub den Österreichischen Pavillon der 45. Biennale von Venedig. Ab 1998 gingen Christian Meyers, der mit Renate Kainer die gemeinsame Galerie in der Eschenbachgasse gründete, und Georg Kargls Wege auseinander. Auch Kargl setze auf einen neuen Ort.

Ein Zeitungsartikel der 1998 vom schmerzvollen Tod des Freihausviertel berichtet, weckte seine Neugierde. Der Artikel so Georg Kargl im Interview mit Gitti Huck für PARNASS war ausschlaggebend, gemeinsam mit Hannelore Kaffer, Besitzerin der „Galerie am Kühnplatz“, den Verein IG Kaufleute Freihausviertel zu gründen und sich massiv für das Viertel unter dem Motto „Individualismus – höchste Qualität – Internationalität“ zu engagieren. Drei Worte die auch für Kargls Galerietätigkeit stehen. Gerwald Rockenschaub entwarf ein gelb-grünes Logo für den Informationsfolder. Maßnahmen zur Wiederbelebung leerstehender Geschäfte wurden gesetzt sowie der Kontakt mit der Bezirksleitung gesucht. Der Schweizer Künstler Christoph Philipp Müller, der in New York lebte befasste sich mit der Geschichte des Ortes und präsentierte 1999 in multidisziplinäres Projekt „Eine Welt für sich“ inklusive Hörspiel auf Ö1 und machte auch die internationalen Kunstmedien auf das Viertel aufmerksam. „Man muss sich selbst etwas aufbauen, damit man zum Zentrum wird.“ meinte Kargl damals und bespielte seine neue großflächige Galerie mit einem ambitionierten internationalen Programm von Matt Mullican, Sue Williams, Raymond Pettibon, Cuck Close, Muntean/Rosenblum sowie den Österreichern Elke Krystufek, Gabi Trinkaus oder Herbert Hinteregger, die in ebenfalls im Windschatten der internationalen Positionen Karriere reüssierten. Das Viertel wurde beliebt und weitere Galeristen, wie Christine König, Gabriele Senn überzeugt von Georg Kargl, zogen nach, später Kerstin Engholm und Andreas Huber – beide heute wieder geschlossen. Auch seine zahlreichen Ausstellungen in der Schleifmühlgasse zeigten einmal mehr sein engagiertes Eintreten für die Kunst, sein internationales Know-how mit Ausstellungen von Glegg&Guttmann, Gilbert&George u.v.a.m Kargl war ein Galerist dessen Verständnis von Ausstellung und Vermittlung mit dem immer kompetitiver werdenden Kunstmarkt nicht mehr kompatibel war.

Im Jahr 2017 zog er die Konsequenz und gründete die „Gesellschaft für projektive Ästhetik“, um den Fokus stärker wieder auf Vermittlung, Diskurs und Diskussion zu legen. Den Markt und seine Verflechtungen kommentierte er stets direkt und auch sehr analytisch – und ohne Diplomatie. Im Gegenteil er forderte die intensive Auseinandersetzung mit der Kunst von jedem, der in der Kunstszene agierte unmissverständlich ein. Er war konsequent kritisch gegenüber reaktionären und konservativen politischen Ideologien, über deren Kunstfeindlichkeit er sich keine Illusionen machte und forderte stets die Freiheit und Qualität der Kunst ein. Georg war aber auch stets ein engagierter Gesprächspartner. „Die Kunst ist eine viel zu schöne Sache, als dass man sie der Stadt vorenthält“, meinte Georg in einem unserer Interviews. Die Kuntsszene verliert einen kritischen und bis zuletzt innovativen Galeristen, Mentor und Querdenker“, schrieb mein Kollege Werner Rodlauer in seinem Nachruf im artmagazine.cc. Dem ist nichts hinzuzufügen. Er wird fehlen. 

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