Im memoriam: Hanne Weskott (1945-2017)

30.01.17

Hanne Renate Weskott, geborene Ludwig wurde am 13. März 1945 in Budweis in Böhmen geboren. Ihre Eltern, Apotheker Hans Ludwig und seine Ehefrau Marie, die beide hier auf dem Weilheimer Friedhof ihre letzte Ruhe fanden, stammten aus dem schwäbischen Banat und mussten vor den Alliierten und den Tito-Partisanen fliehen. Ihre Großeltern väterlicherseits kamen dabei ums Leben. Vierzehn Tage nach ihrer Geburt flogen alliierte Bomber einen Angriff auf Budweis. Das Haus, in dem die Familie Ludwig wohnte, wurde teilweise zerstört.

Nach dem Ende des Krieges gelangten die Familie Ludwig nach Weilheim und fand hier eine neue Heimat. Hanne ging in die Weilheimer Volksschule und in die erste Klasse des Gymnasiums. Dann zog die Familie mit ihren drei Töchtern nach München, wo Hanne ihr Abitur bestand und Kunstgeschichte studierte. Sie promovierte zum Dr. phil. bei der renommierten Kunsthistorikerin und Biologin Lottlisa Behling, nach der heute eine Straße zur Allianz-Arena benannt ist. Ihre Doktorarbeit umfasste die Darstellung der alttestamentlichen Tobias-Geschichte in der Bildenden Kunst.

1967 heiratete Hanne den evangelischen Theologen Stefan Weskott. 1970 wurde ihnen in München die erste Tochter Esther geboren, 1972 in Berlin die zweite Tochter Mirjam. 1976 zog die Familie wieder nach München und Hanne begann als Kunstkritikerin zu arbeiten, zuerst im Feuilleton der Abendzeitung, dann bei der Süddeutschen, wo sie von der Kunstjournalistin Doris Schmidt gefördert wurde. Sie schrieb dann Beiträge für den Spiegel, Die Zeit, das Münchner Feuilleton und in den letzten Jahren für die Neue Zürcher Zeitung, wo sie im Frühjahr 2015 ihren letzten großen Artikel über die Jahrhundert-Ausstellung des niederländischen Malers Hieronymus Bosch schrieb. Daneben war sie eine gefragte Rednerin bei Ausstellungseröffnungen in und außerhalb Bayerns. Ein Buch über die österreichische Malerin Maria Lassnig trug ihr von Seiten der Lassnig den Kosenamen „s'Hannerl“ ein.

Für das PARNASS Kunstmagazin schrieb sie seit über 15 Jahren Berichte mit großem Engagement über aktuelle Ausstellungen und Themen der deutschen Kunstszene, insbesondere über den süddeutschen Raum. Darunter über die große Lucas Cranach Ausstellung 2015 in der Lutherstadt Wittenberg oder Porträts über Künstler wie Anton Cepka oder Louise Bourgeois. Ihre redaktionellen Tätigkeiten werden uns sehr fehlen. 

Hanne Weskott ist nun nach Monaten des Leidens am vergangenen Samstag einer heimtückischen Krankheit erlegen. Sie wurde 71 Jahre alt. Um sie trauern ihr Mann, ihre Töchter, deren Ehemänner, zwei Schwestern und fünf Enkelkinder.

Autor: 

Kategorie: