ICON | Galerie Krinzinger

18.09.17
Zhang Ding, Devouring Time - Dinnerware-F, 2017, Stainless steel, cup plated 24k gold, stainless steel spoon plated 24k gold, copper chopsticks plated 24k gold, tigold stainless steel plate, cardboard box, 132.6 x 240 x 15 cm, Courtesy the artist and Galerie Krinzinger

Ob Künstler oder Betrachter, immer sehen wir auch in Seitenblicken, Vorstellungen und Bezügen. Die Kunstgeschichte ebenso wie unsere (kreative) Gegenwart ist ein großes Netz – Zitate, Reinszenierungen und Samplings gängige Arbeitsweisen. Bewusst oder unbewusst. Allem Geniebegriff zum Trotz passiert alles was von sich heraus passiert immer auch aus dem Sehen auf die Welt heraus, ein Sehen das uns unsere Vorbilder schulten.

Worin aber finden Künstler ihre Vorbilder und Ideenquellen? Ihre Inspiration? Ihre "Icons"? Die Symbole an denen sie sich orientieren. Die Ikonen die sie ehren. "Man schöpft immer aus einem Fundus an Vorbildern", erklärt Ulrike Lienbacher. Die Frage nach künstlerischen Vorbildern sei auch keine seltene oder ungewöhnliche, meint die Künstlerin.

Doch Kuratorin Bettina M. Busse befragte die Künstler der aktuellen Ausstellung der Galerie Krinzinger um nur eine punktuelle Antwort. Ulrike Lienbacher wählte Maria Lassnig. "Sie ist eine Frau, sie ist Österreicherin", doch ideelle Verwandtschaft zeichnet sich vor allem in den technischen Zugängen ab. "Das Problem mit dem Hintergrund" beschäftige sie beide, lacht Lienbacher die für die Galerieausstellung drei Arbeiten Lassnings wählte und sie einer ihrer Bewegungsstudien gegenüberstellte.

Beinahe institutionelle Ausmaße nahm die Vorbereitung der (19 x 2) Gruppenausstellung an. 19 Künstler der Galerie wurden um ihre Icons befragt und können nun ihren Heroen Raum geben und sich selbst den Raum an ihrer Seite sichern. Heraus kam ein vielfältiger Ritt durch die jüngere Kunstgeschichte (beinahe alle Befragten wählten ein Icon aus ihrer Großelterngeneration). Eine Ausstellung die Spaß macht – in ihrer Ästhetik, Qualität und auch Emotion.

Unter allen gezeigten lebenden Künstlern gab es Kontakt. Erik Schmidt beispielsweise entschied sich für Richard Prince, der kurzerhand jedoch auch sein Werk sehen wollte – ein Austausch der dem Inspirierten oft ausbleibt.

Hans Op de Beeck zeigt mit Peter Doig das Vorbilder nicht immer linear sein müssen um doch schlüssig zu erscheinen.

Und Werner Reiterer, verhaftet in der geistigen Stimmung des Wien des frühen 20. Jahrhunderts, bringt Alfred Kubin ins Spiel, der laut Reiterer in seinen Zeichnungen wie kein anderer Künstler die Essenz der Psychoanalyse Sigmund Freuds zu Beginn des 20. Jahrhunderts "destilliert".

Unterdessen entschied sich Zhang Ding nicht nur für eine Arbeit, sondern gleich für eine ganze Bewegung – Fluxus, während bei Zenita Komad und Dieter Roth zwei Künstler aufeinandertreffen, die sich beide der Sprache widmen – allerdings aus gegensätzlichen Positionen heraus.

Thomas Zipp und Angelika Krinzinger greifen auf Klassiker der Fotografie zurück: Zipp entschied sich für Eadweard Muybridge, der mit seinen Bewegungsstudien einen starken Einfluss auf die moderne Kunst ausübte. Auch Thomas Zipp verwendet in seinen Bildern eine Art Raster für Vermessungen, um auf die Möglichkeit der Darstellung von Abläufen im statischen Medium Malerei hinzuweisen und um einen Bezug zu seinen Performances zu schaffen. Angelika Krinzinger hingegen bezieht sich bei ihrer Auswahl auf die von Man Ray eingeführte Technik der Rayographie, die sie in moderner Form mit ihrer Serie "Spoons" zeitgenössisch interpretiert.

Nur Gavin Turk wählte einen ihm vertrauten – Joseph Kosuth, mit dem er gemeinsam entschied welche Arbeiten die beiden Künstler zeigen – in der Regel aber war es Bettina M. Busse die den Kontakt zwischen den beiden künstlerischen Seiten legte.

Das Nebeneinander, Miteinander und Ineinander der künstlerischen Ideen macht zahlreiche neue Perspektive auf und schult das Sehen auf eine neuartige Weise. Ob Kunsttheoretiker oder Laie, die Bezüge stellen sich in der Ausstellung klar dar. Nicht bekannte altmeisterliche Verweise auf antike Statuen werden hier deutlich, sondern Bewegung, Technik und Gehalt der Geistesgeschichte des letzten Jahrhunderts.

Ein Katalog begleitet die Schau. Mit transparenten Textblättern brückt er jeweils zwei Positionen. Die Musen und die Geküssten.

Teilnehmende Künstler:
Marina Abramović, John Cage, Gottfried Bechtold, Marcel Duchamp, Jungwirth, Cy Twombly, Erik van Lieshout, Allan Sekula, Komad, Dieter Roth, Angelika Krinzinger, Man Ray, Ulrike Lienbacher, Maria Lassnig, Maha Malluh, Robert Rauschenberg, Hans Op de Beeck, Peter Doig, Goran Petercol, Julije Knifer, Werner Reiterer, Alfred Kubin, Anja Ronacher, Louise Bourgeois, Erik Schmidt, Richard Prince, Mithu Sen, Sophie Calle, Gavin Turk, Joseph Kosuth, Martin Walde, Paul Thek, Mark Wallinger, Harry Beck, Zhang Ding, Fluxus, Thomas Zipp, Eadweard Muybridge

ICON
Ideal. Idee. Inspiration.

bis 25. Oktober 2017

 

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