Hubert Schmalix in Schloss Kalsdorf

31.05.15

Hubert Schmalix ist derzeit in Österreich mit einigen Ausstellungen sehr präsent. So zeigt das Kunstforum Bank Austria in Wien aktuelle Arbeiten des Künstlers in einer großen Soloshow, die der Künstler gemeinsam mit dem Kurator Florian Steininger konzipierte, Elisabeth Melichar in ihrer Galerie Elisabeth zeigt Papierarbeiten des Künstlers und die Galerie Gölles in Fürstenfeld eröffnete am 30. Mai eine weitere Einzelausstellung unter dem Titel "In Deep Trouble". Die Galerie Reinisch zeigte am Freitag, den 29. Mai in der Ruine von Schloss Kalsdorf bei Ilz die wohl ungewöhnlichstes Präsentation des Künstlers. In einer "One Night-Exhbition" wurden Tafelbilder und Papierarbeiten von Hubert Schmalix installativ in Bezug zu gemusteren Teppichen gesetzt, die für viele der gezeigten Arbeiten die eigentliche Vorlage bilden. Eröffnet und kuratiert wurde die Austellung durch den Kunsthistoriker Günther Holler-Schuster, vom Universalmuseum Joanneum in Graz, der in seiner Einführung einen Bogen spannte zwischen den verschiedenen Werkgruppen von Hubert Schmalix und der Frage nachging, in welcher Form das Leben eines Künstlers auf dessen Arbeit einwirkt und dieses auch prägt. 

Hubert Schmalix "Turn Face Towards me" – ein Text zur Austellung von Günther Holler-Schuster

Eingesponnen in ein Netz von Beziehungen und Bedingtheiten existiert der Mensch. Unentrinnbar erscheint dieses Gewebe, das sich an manchen Stellen verdichtet, an anderen weitet und durchlässig ist. Hubert Schmalix scheint diesen oft rätselhaften Zusammenhängen des Zu- und Voneinander eine visuelle Gestalt zu geben. Im Dekor bzw. im Ornament sieht der Maler eine Metapher für die Existenz, für das vielfältige große Ganze. Das Bild allgemein ist eine Verdichtung von Ideen, Vorstellungen und Wahrnehmungen zum Zwecke einer Konstruktion bzw. einer Zurichtung dessen, was wir als Realität begreifen.

Wenn Hubert Schmalix in seinen neuesten Gemälden dem Teppich besondere Bedeutung verleiht, so wird klar, dass dieser für ihn metaphorisch ist. In den Mustern des Teppichs verdichtet sich letztlich Sein und Existenzauffassung. Reales wird dabei stilisiert, fassbar gemacht und dem optischen Genießen überlassen. Der Mensch – bei Schmalix meist in Form des weiblichen Aktes – entledigt sich in diesem System vollständig seiner Eigenschaften und tritt nackt und meist in sich ruhend oder sich selbst überlassen in einen Kosmos des Ornamentalen ein. Der archetypische Mensch in seiner Stilisierung als weiblicher Akt wird dabei selbst als formales Element wahrgenommen. Seine Positionierung innerhalb des Musters ist einerseits die des im Käfig existierenden Lebewesens, aber andererseits auch die des Paradiesbewohners. In dieser Dialektik scheint sich des Menschen Existenz abzuspielen.

In den neuen Landschaftsbildern von Hubert Schmalix radikalisiert sich die visuelle Sprache auf ähnliche Weise. Bildmuster bzw. visuelle Prägungen, denen wir durch die lange Geschichte des visuellen Wahrnehmens und dessen Konkretisierung in diversen Medien ausgeliefert sind, verdichten sich in fragwürdigen Idyllen. Schmalix bewegt sich damit durchaus in der Tradition des Cartoons (Disney), grenzt aber auch an romantische und öfter sogar an symbolistische (Roerich) Bildideen. Ein Klischee, wie man es aus der amerikanischen Rezeption der Alpen (The Sound of Music oder Heidi) kennt, tut sich hier auf. Hubert Schmalix als Neokalifornier mit zutiefst europäischen Wurzeln verdichtet in seinen neuesten Werken diese scheinbar weit auseinander liegenden Bildtraditionen. Es ist eine einfache und lautlose Malerei, eine, die das Medium nicht quält, die eine Sinnlichkeit im Visuellen weiter und weiter zuspitzt und verdichtet.

Die Galerie Reinisch Contemporary zeigt mit „Turn Face Towards Me“ einige dieser neuen Gemälde von Hubert Schmalix. Allerdings geschieht dies nicht im üblichen Ausstellungsformat, sondern als Versuch einer installativen Umsetzung der Malerei. Der Zugang des Künstlers zum Dekor bzw. zum Ornament eröffnet die Möglichkeit zur weiteren Zuspitzung. Die Ruine des Schlosses Kalsdorf bietet ähnlich wie der Einsatz von Teppichen, eine zusätzliche Dimension und versucht die Malereiräume zu konkretisieren und damit erweitert wahrnehmbar zu machen. Die architektonische Großzügigkeit und die romatisch-symbolistische inhaltliche Festlegung durch die Ruine erlauben es die Bilder von Hubert Schmalix diesmal noch intensiver zu erleben. Die Installation ist nur einen Abend lang zu sehen – ein Trugbild, eine Vision, eine traumhafte Episode.

Günther Holler-Schuster