Hilfe für bedrohtes Papier

26.07.16

Das Ziel ist ehrgeizig, die Unterstützung groß: Die Restauratorin Patricia Engel hat in Österreich den Verein „Restauratoren ohne Grenzen“ gegründet. Er soll weltweit helfen, wenn Archivalien und Bücher in Gefahr sind. Am liebsten wäre es Engel jedoch, der Verein müsste nur beraten.

Als sie der Hilferuf aus dem Irak erreichte, war klar: Jetzt musste der Verein „Restauratoren ohne Grenzen“ gegründet werden. Patricia Engel, österreichische Papier- und Buchrestauratorin, hatte schon lange geplant, einen Verein, der weltweit beratend und unterstützend bei Problemen mit Archivmaterialien und Büchern hilft, zu gründen. Mit dem Hilferuf von Kollegen, die kürzlich im Irak ein Kirchenarchiv vor der Zerstörung durch den IS gerettet hatten, war es an der Zeit, den Plan umzusetzen. Seit wenigen Wochen existiert nun der Verein „Restauratoren ohne Grenzen“, der landesweit eine Infrastruktur für Notmaßnahmen und das Bewusstsein ihrer Notwendigkeit für Archive, Bibliotheken und grafische Sammlungen fördern soll. „Außerdem wird der Verein unmittelbar grenzübergreifende Gemeinschaftsprojekte in dieser Richtung unterstützen. Wir wollen überall dort Hilfestellung leisten, wo sie von uns erbeten wird, wie jetzt im Irak“, erklärt Engel.

Die Restauratorin hat Erfahrung mit der Gründung von Forschungs- und Vermittlungs-einrichtungen. Sie baute den Universitätslehrstuhl „Restaurierung von Buch und Papier“ an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim/Holzminden/Göttingen auf. 2008 wurde aufgrund ihrer Initiative das „European Research Centre for Book and Paper Conservation-Restoration“ gegründet, das heute der Donau-Universität Krems angegliedert ist.

Momentan schafft „Restauratoren ohne Grenzen“ die Grundlagen seiner Arbeit. Die Internetseite soll demnächst freigeschaltet werden. In Zukunft soll der Verein „eine stabile Anrufstelle für Notfälle in Sachen Archiv, Bibliothek, Graphische Sammlungen“ sein. „Natürlich wünsche ich mir, dass wir eher mit Aufklärungs- und Schulungsmaßnahmen beschäftigt sind als mit Notfällen“, sagt Engel. Denn das wäre ein Indikator dafür, dass weder Krieg noch Unwetter ein Eingreifen des Vereins nötig machten. Die Frage, warum sie sich persönlich so stark engagiere, beantwortet Engel grundsätzlich: Erhaltung von Kulturgut sei schließlich die Aufgabe jedes Restaurators. Dazu komme, dass ihr das meist weniger beachtete und oft auch unterschätzte Archivgut besonders am Herzen liege. Schließlich enthalte es das Gedächtnis der Menschheit und sei damit die Grundlage aller Forschungen.

In den Irak wird Engel vorerst nicht reisen. „Es wird Schulungen in Österreich geben. Das ist sicherer für Ausbilder und Schüler“, sagt sie, die bereits große Unterstützung erfährt: „Der IIC Österreich (international institute for conservation of historic and artistic works) schaltet Spendenaufrufe. Außerdem hat uns die UNESCO Österreich zugesagt, die Schirmherrschaft über Veranstaltungen zu übernehmen. Der Österreichische Rundfunk wird uns mit Sendezeit unterstützen. Schließlich arbeiten wir eng mit ICARUS, einer Forschungseinrichtung für Archive, zusammen.“ Und sollte der Verein doch einmal direkt in einem Krisengebiet helfen müssen, dann habe „Ärzte ohne Grenzen“ bereits Beratungshilfe angeboten. 

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