Herzog & de Meuron Umbau und Erweiterung des Unterlinden-Museum in Colmar

25.01.16

Am 23.Jänner wurde das Unterlinden-Museum in Colmar durch den französischen Staatspräsidenten François Hollande feierlich wiedereröffnet. Die Erweiterungs- und Umbauarbeiten durch die Schweizer Architekten Herzog & de Meuron haben drei Jahre gedauert. Die Ausstellungsfläche wurde auf etwa 8000 Quadratmeter verdoppelt, in denen Kunst vom Mittelalter über das 20. Jahrhundert bis in die Moderne präsentiert wird. In den neu gestalteten Räumen des Klosters entstand ein eigener Saal für die Sammlungsbestände des in Colmar geborenen Martin Schongauers, der damit nun die gebührende Aufmerksamkeit erhält. Schongauers Tafelbilder des Orlier- und des Dominikaner-Altars werden in roten Stahlgestellen gezeigt, die ebenfalls von Herzog & de Meuron entworfen wurden. Dort, wo die Tafeln beidseitig bemalt sind, werden sie erstmals freistehend im Raum präsentiert. Die alte, nach Gattungen gegliederte Ordnung im Kloster, hatte Museumsleiterin Pantxika de Paepe aufzulösen versucht. Jetzt gliedert sich die Kunst des späten Mittelalters aus dem Oberrheingebiet und der Renaissance chronologisch, ergänzt um Skulpturen, Gemälde und Stiche aus angrenzenden Gebieten wie Bayern und Schwaben.

Wenngleich sich die Neuaufstellung zum Ziel gesetzt hat, die vielfältigen Bestände des Museums prominent in den Fokus zu rücken, so ist das zentrale Werk nach wie vor Matthias Grünewalds Isenheimer Altar, geschaffen zwischen 1512 und 1516 für das Kloster der Antoniter in Isenheim bei Colmar. Die Kirche des im 13. Jahrhundert erbauten Dominikanerinnenklosters, wo der Altar seit der Museumseröffnung 1853 gezeigt wird, wurde saniert, der Dachstuhl erneuert. Ein neuer Eichenboden verleiht dem Raum eine zurückhaltende Schlichtheit. Im Neubau werden auf zwei Etagen die Werke der Sammlung Moderner Kunst die bislang nur in Sonderausstellungen zu sehen war, präsentiert.

Die Eröffnungsausstellung wurde von Herzog & de Meuron gemeinsam in Zusammenarbeit mit dem Kunsthistoriker Jean-François Chevrier kuratiert. Die Schau „Agir, contempler" (handeln, sehen) schreibt die Möglichkeit dessen, was Kunst sein kann, mit zeitgenössischen Mitteln fort. 

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