Herbert Golser – Delirious. Eine Ausstellung in der Galerie Frey Wien

13.11.15

Seit fünf Jahren wird Herbert Golser von der Galerie Frey vertreten, die am Samstag 14. November 2015 eine Personale des Künstlers Herbert Golser eröffnet. Denkt man, dass Golser schon die formalen Möglichkeiten in seinen Arbeiten ausgeschöpft hat, so zeigt die Ausstellung überraschend Neues. Einmal mehr lotet Golser die Grenzen des Materials aus und bearbeitet das Holz mit einer beeindruckenden Kenntnis des Werkstoffes bis hin zur völligen Transparenz und Durchlässigkeit.

Holz ist das bevorzugte Material des 1960 in Hallein geborenen Künstlers. Darin hat er bereits ein beeindruckendes Œuvre geschaffen, das in den letzten Jahren zu recht auch international reüssierte. So waren Golser heuer bereits in London in der Galerie „Rosenfeld Porcini“ mit einer Einzelausstellung vertreten sowie im September auf der „Art International“ in Istanbul und auf der Expo in Chicago. Herbert Golser, studierte nach seiner Ausbildung an der Fachhochschule für Holz- und Steinbildhauerei in Hallein in der Meisterklasse von Bruno Gironcoli an der Wiener Akademie der bildenden Künste. Heute lebt und arbeitet der Künstler im niederösterreichischen Klein-Pöchlarn bei Melk in einer geräumigen Werkhalle. Seine zumeist aus Ahorn-, Kirsch-, Birnen-, Eichen-, Nuss- oder Pappelholz gefertigten Skulpturen kombiniert er oft auch mit kubisch gestalteten Stahlblechen. "Dieser Kunstgriff des Ausbalancierens wie auch die exakte Bearbeitung und wohldurchdachte Verbindung der Materialien lassen seine Skulpturen zwischen Solidität, Transparenz und Fragilität changieren“, schrieb der Kurator Hartwig Knack in seinem Porträt über Herbert Golser in PARNASS Heft 3. Mag auch das Material Holz klassisch sein, so ist die Umsetzung der bildhauerischen Arbeit von Herbert Golser ebenso wie seine Formensprache außergewöhnlich und im wahrsten Sinne des Wortes unkonventionell. Der gelernte Elektromaschinenbauer verwendet zum Zuschneiden nicht traditionelle Hilfsmittel wie Holzmeißel und Schnitzeisen sondern präzise, von ihm selbst für die Arbeit adaptierte oder umgebaute Sägemaschinen, die viel Erfahrung und handwerkliches Geschick voraussetzen. Mit ihnen fräst er feine oder auch grobe Schnitte und Rasterungen in das Holz, öffnet dieses nach Innen und erweitert gekonnt die Oberflächenstruktur. Golser bringt den vielfach beschworenen Dialog zwischen Natur und Technik auf den Punkt und gesteht dem Material eine gewisse Autonomie zu. Mit Rotationsschnitten, Längs- und Kreuzschnitten gibt er klare geometrische Strukturen, die im Gegensatz zu den organischen Formen des gewachsenen Baumes stehen. „Doch diese Einschnitte werden von der Natur weiter „bearbeitet“. Werkstoff ist dabei nicht nur das Holz, sondern auch das Wasser und die Luft“, so der Kunsthistoriker Günter Oberhollenzer in seinem Essay im neuen Katalog des Künstlers. Der Trocknungsprozess kann sich über mehrere Monate hinziehen. In dieser Zeit bewegt sich das Material und verändert seine Form, solange bis eine entsprechende Stabilität erreicht ist. „Durch den Trocknungsprozess verändern sich die Form und Gestalt, gerade Linien werden wellenförmig, feine, glatte Schichtungen verwelken wie verdorrte Blätter, ein schachbrettartiges Muster aus unzähligen, gleichmäßig angeordneten Stäben wölbt sich auf und bekommt Risse und Sprünge. So entstehen Holzskulpturen jenseits der polierten und oft so langweilig perfekten Oberfläche, fragile, lebendige Objekte, die „arbeiten“ und sich verändern, auch nachdem der handwerkliche Arbeitsprozess abgeschlossen ist.“ (Günter Oberhollenzer) So ist durch die mechanische Bearbeitung zwar der übergeordnete Formfindungsprozess vom Künstler vorgegeben, im Detail aber ist das Ergebnis kaum vorhersehbar. Die technischen Verfahrensweisen – die Einschnitte in das Holz – bilden gewissermaßen so Carl Aigner in seinem Essay zur Werkmonografie des Künstlers „Die Grundlage für den eigentlichen künstlerischen Transformationsprozess des Materials hin zu seiner skulpturalen Formung“. Die symmetrische Beschneidung des Holzes zerfällt in informelle Strukturen und filigrane Gebilde. Die Ausstellung in der Galerie Frey zeigt eindrucksvoll, dass Holz auch in der Gegenwartskunst eine wesentliche Rolle spielt. Herbert Golsers Arbeiten haben nie aktuellen Trends oder Moden entsprochen. Konsequent hat Golser an und mit dem Material gearbeitet und eine prägnante Formensprache entwickelt, die dem internationalen Vergleich auch mit Ikonen der Holzskulptur wie den britischen Künstler David Nash durchaus standhalten können.

Herbert Golser, bis 9.1.2016, www.galerie-frey.com

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