Heinz Mack in Wien

20.09.16

Heinz Mack wurde heuer im März 85 Jahre alt. Seiner künstlerischen Aktivität und seiner Ausstellungspräsenz tut dies keinen Abbruch. Im Gegenteil, Mack ist präsenter denn je und zählt heute unbestritten zu einem der bedeutendsten Künstler der Gegenwart. Nun ist Heinz Mack auch in Wien mit zwei sehenswerten Einzelausstellungen präsent:  im Wiener Palais Schönborn-Batthyány und in der Galerie Beck & Eggeling, die mit den Ausstellungen von Heinz Mack zugleich auch ihre neuen Galerieräume in Wien eröffnet. Im Gespräch mit Robert Fleck erzählte Heinz Mack am Eröffnungsabend von seiner emotionalen Bindung an Wien, die bereits in den 1960er-Jahren begann, als er und Otto Piene in der Galerie nächst St. Stephan zu einer Ausstellungen eingeladen wurden. Mack erinnert sich an sowohl an den Zauber des schneebedeckten nächtlichen Wiens mit seinen imperialen Bauten als auch an den Gegensatz zu  zu den künstlerischen Auffassung der informellen Künstler, der Gruppe nächst St. Stephan. Besonders beeindruckt hat ihn jedoch Msgr. Otto Mauer und seine Eröffnungsrede, in der er die künstlerischen Intentionen der ZERO-Künstler früh erkannte.

Geboren 1931 in Lollar in Hessen studiert Mack an der Staatlichen Kunstakademie in Düsseldorf. Gemeinsam mit Otto Piene gründet er 1957 die Gruppe ZERO in Düsseldorf, zu der alsbald Günther Uecker dazukam. Eine künstlerische Idee, die nicht nur die Nachkriegskunst nachhaltig beeinflusste, sondern sich über den engen Kreis der ZERO-Künstler hinaus entwickelte und längst anerkannter und wieder verstärkt in Ausstellungen präsenter Teil der Kunstgeschichte ist – zudem auch am Kunstmarkt sehr erfolgreich. Nach Auflösung der ZERO-Gruppe 1966 gingen Uecker, Piene und Mack ihrer eigenen künstlerischen Wege. Einen Einblick in das Schaffen Günther Ueckers erhielt man im Frühjahr in einer für Wien bislang solitären, qualitativ hochwertigen Zusammenstellung im Palais Schönborn-Batthyány. Daran schließt die große Herbstausstellung von Wienerroither & Kohlbacher an und zeigt Malerei und Skulptur von Heinz Mack aus den 1990er-Jahren bis hin zu aktuellen Bildern von 2016. Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit dem Künstler und ist eine Kooperation mit den Galeristen Michael Beck und Ute Eggeling, die Heinz Mack seit vielen Jahren vertreten. „Wenn ich ins Atelier komme, vergesse ich vollkommen, wie alt ich bin. Das ist ein Privileg. Das hat man nur als Künstler", sagte Heinz Mack in mehreren Interviews anlässlich seines Geburtstags. Das glaubt man ihm angesichts der aktuellen großformatigen Bilder gerne: Malerei in Schwarz, Weiß und Grau bis hin zu azurblauen und neonfarbenen Tafeln, speziell ausgewählt für die historischen Räume des Palais. Gelungen auch die Gegenüberstellung mit einer Auswahl an Skulpturen, die formale Querverbindungen zur Malerei aufzeigen. Überhaupt wird deutlich, dass Mack einzelne Motive immer wieder aufnimmt und diese kontinuierlich sein Werk durchziehen. Mack selbst betonte, in seinem Werk gäbe es keine chronologische Entwicklung: „Dieses lineare Denken ist mir vollkommen fremd. Ich komme ganz unbewusst immer wieder zu bestimmten Dingen zurück, die ich früher gemacht habe und die ich wieder aufgreife und weiterentwickeln kann. Dieses kreisförmige Denken gibt dem Werk eine bestimmte Geschlossenheit.“ Dabei hat eine Zeitlang das Malen in seinem Schaffen keine Rolle mehr gespielt, im Gegensatz zu Pastellen, die er nie aufgegeben hat. „Das war für mich Kammermusik“, meint Mack, selbst exzellenter Klavierspieler. Erst 1991 hat er wieder zu malen begonnen, inspiriert durch das mediterrane Licht seines Ateliers auf Ibiza wendet er sich der reinen Farbe in der Malerei zu. Die „Chromatischen Konstellationen" entstehen. Eine Konstante ist dabei das Licht, es durchzog die künstlerischen Arbeiten der ZERO-Zeit ebenso wie sein Sahara-Projekt oder seine aktuellen Installationen und Skulpturen. In der Malerei begreift Mack „Farbe als Licht und Licht als Farbe“, was er in seinen Bildern zu erfassen und zu gestalten sucht. Farbintensität korreliert für ihn auch immer mit Lichtintensität, die sich als Farbraum ausbreitet. Das Immaterielle der Farbe kann die Intensität ebenso bestimmen. Die Eigenschaft der Farben, unmerklich und nuancenreich ineinander überzugehen, nützt Mack in seinen chromatischen Bildern aus. So entstehen Intervalle, Sequenzen und Farbrhythmen. „Ich liebe die Farbe als ein Medium, in dem das Licht zum Ausdruck kommt. Wie schön ist es, dass wir in einer farbigen Welt leben. Wäre die Welt grau, wäre ich wohl nie Künstler geworden“, beschrieb Mack im Februar 2015 in einem Interview mit dem art-Kunstmagazin einmal die eigentliche Triebfeder seiner kreativen Schaffenskraft.

virtuelle Ausstellungstour: https://heinz-mack.com

HEINZ MACK. ZERO.
20. September - 4. November 2016

Margaretenstraße 5/19, 1040 Wien
Nach Voranmeldung: +43 (0)1 581 19 56

www.beck-eggeling.at

HEINZ MACK. VON ZEIT ZU ZEIT.
20. September - 15. November 2016
Palais Schönborn-Batthyány, Renngasse 4, 1010 Wien, Di–Sa 11–18 Uhr
In Kooperation mit Wienerroither & Kohlbacher

www.austrianfineart.at

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