Günter Brus, Bruno Gironcoli, Hermann Nitsch, Arnulf Rainer, Rudolf Schwarzkogler, Franz West – Galerie am Stein

30.01.17

Von Beginn an haben die großen Meister der österreichischen Nachkriegsavantgarde das Programm der 1989 von Monika Perzl gegründeten Galerie am Stein geprägt. Regelmäßig haben repräsentative Ausstellungen von Arnulf Rainer, Hermann Nitsch, Günter Brus, Rudolf Schwarzkogler, Bruno Gironcoli und Franz West im Gewölberaum von Monika Perzl stattgefunden. Nun bildet die aktuelle Schau einen facettenreichen Einblick in Malerei, Skulptur und Aktionskunst der Künstler.

Arnulf Rainers Übermalungen zählen zu den wichtigsten Beiträgen der internationalen Moderne nach 1945. Prozessualität und Materialität ist den Gemälden stets eingeschrieben; vielschichtige dunkle malerische Schleier entstehen. Rainer ist Bilderstürmer und Schöpfer zugleich. Hermann Nitsch hat die Malerei zugunsten eines allumfassenden orgiastisch mystischen Theaters erweitert. Gewänder als Relikt des Orgien-Mysterien-Theaters werden in die Tafelbilder integriert, aktionistische Schüttungen und pastose Spuren prägen das Tafelbild. Günter Brus hat in den frühen 1960er-Jahren den Ausstieg aus dem Tafelbild vollzogen und seinen eigenen Körper als neue Leinwand begriffen. Die Selbstbemalungen führten dann in Folge zu performativen Handlungen im öffentlichen Raum und zur körperlichen Selbstanalyse mit Schmerzrhetorik. Diesen radikalen Bruch mit der Malerei setzte ebenso Rudolf Schwarzkogler mit seinen alchemistisch schamanischen Ritualen. Wie auch für Brus fungierte hierbei das Foto als primäres Dokumentationsmittel. Gironcolis bildhauerische Position zeigt sich in ihrer singulären Eigenwilligkeit, psychologisch aufgeladen - hybride Formgestaltungen sind entstanden: Kornähren, Maschinen, fantastisch-unheimliche Mutationen. Franz West hat mit seinen Paßstücken in den 1970er-Jahren den Skulpturenbegriff entschieden erweitert – es sind prothetische Objekte mit armen Materialien wie Mullbinden und Gips gestaltet, die den psychophysischen Zustand der benutzenden Person zum Ausdruck bringen.

bis 15. März 2017