Gisela Stiegler | RAUMINHALT

21.02.17
Gisela Stiegler, Grün-Silber, Rauminhalt

Die 2003 von Harald Bichler gegründete Galerie Rauminhalt versteht sich als Plattform für Design und stets auch als Schnittstelle zur bildenden Kunst. Spezialisiert auf hochwertige internationale Designobjekte des 20. Jahrhunderts, stehen im Mittelpunkt des Galerieprogramms Entwürfe österreichischer und internationaler Designgrößen. Regelmäßig werden auch zeitgenössische Positionen präsentiert und ihre Bedeutung für die jüngste Designgeschichte zur Diskussion gestellt. Unter dem Titel „edition_rauminhalt“ entstehen darüber hinaus seit 2013 exklusive limitierte Leuchten- und Möbeleditionen, die in Zusammenarbeit mit jungen Designern wie Konrad Friedel und Patrick Rampelotto entwickelt und produziert werden. Parallel zeigt Harald Bichler zeitgenössische Designer und Künstler, deren Gebrauchsobjekte sich durch eine besondere Skulpturalität ausweisen und die in ihrem Werk die Grenzen von Design und Kunst neu definieren: „Die Funktionalität ist nicht Bedingung, im Gegenteil, der Dialog mit der bildenden Kunst ermöglicht neue Blickwinkel, daher versuche ich stets, diese Begriffe zu vermischen.

Bis Anfang Februar waren neue Skulpturen der österreichischen Künstlerin Gisela Stiegler zu sehen: Farbige Styroporkörper, die ihre einprägsame Wirkung im Raum entfalten. Ausgangspunkt von Stieglers skulpturalen Arbeiten waren Schwarz-Weiß-Fotografien. Diese zeigten Objekte, deren realer Ursprung durch eine abstrahierende Übersetzung in die Fotografie für den Betrachter nicht mehr nachvollziehbar ist. Die skulpturale Form sowie die Oberflächenstruktur spielten sich unmissverständlich in den Vordergrund. Aus dieser  fotografischen Tätigkeit heraus entstanden erste Skulpturen aus Styropor, bemalt in Schwarz-Weiß – den Fotoarbeiten entsprechend. Doch Raum und Fläche präsentieren sich bei Stiegler stets als einander bedingendes dialektisches Prinzip. So entwickeln sich aus den strukturierten Styroporflächen wieder konstruktivistische fotografische Bildkonzepte. Stieglers Skulpturen wirken massiv und schwer, wenngleich sie aus Styroporblöcken geschnitten sind. Zuweilen wird dieser Kontrast noch betont, indem sie den Skulpturen vermeintlich mächtige – jedoch aus Papiermaché geformte – Stemmerhanteln beifügt. Die Vorliebe für eine reduktive Formensprache ist auch in den neuen Arbeiten sichtbar und dennoch scheinen die Skulpturen – nicht ohne Witz und Ironie – ein neues Eigenleben zu führen. Das ist jedoch nicht allein der Farbe geschuldet, die sich plötzlich in ihren Arbeiten so dominant einbringt. Denn, so Stiegler, egal, ob leuchtend orange, blau oder grün, behandelt sie diese nicht anders als das Schwarz. Die Farben sind nicht gestaltendes Mittel, sondern funktional eingesetzt. Die Bemalung schafft eine einheitliche Oberfläche, fasst die einzelnen Schnitte zusammen und überzieht den Duktus der Kerbungen. Die für jede Skulptur einheitliche Farbe hält die Gestalt zusammen. Neu ist eine spielerische Qualität der Skulpturen, sie treten mit dem Raum in einen Dialog, präsentieren sich aber in einer neuen Gegenständlichkeit. Das blaue Teil trägt das Grüne, das orange Teil stülpt sich ein Weiß über. Das Lasten und Tragen der einzelnen Teile zueinander wird solcherart zum Thema, ebenso wie die neu hinzugefügten Elemente, die silberne Kugel oder der goldene Reifen, die einen neuen Kontext herstellen und narrative Assoziationen hervorrufen. Prägnant im Ausstellungsraum sind Stieglers Lampenobjekte, die von ihr seit einigen Jahren als Modulsysteme entwickelt werden. Ausgangsbasis sind Lachsfischboxen, die von der Künstlerin überarbeitet und in verschiedenen, zumeist mehrteiligen Kombinationen gezeigt werden. Erstmals allerdings formieren sie sich nun zu einem großformatigen Block, der auch einen Dialog zu den farbigen Skulpturen der Künstlerin forciert und sich so vom funktionalen Gegenstand in Richtung Skulptur aufmacht.

www.rauminhalt.at

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