Georgia O’Keeffe | Die Künstlerin als Modeikone

01.03.17
Myron Wood Portrait of Georgia O’Keeffe with sculpture and painting, 1980

"Entweder ein Kunstwerk sein, oder eines tragen", wies schon Oscar Wilde an (Sätze und Lehren zum Gebrauch für die Jugend, 1894). Georgia O’Keeffe, die große US-amerikanische Malerin, die noch bis 26. März, wie von Nina Schedlmayer berichtet, im Bank Austria Kunstforum mit einer großen Schau geehrt wird, war weit mehr als ihre Kunstwerke, sie wusste auch sich selbst kunstvoll zu inszenieren und zieht nun auch fashionbegeisterte Besucher ins Museum. O’Keeffe die Modeikone – ein vergessener Aspekt, dem ab 3. März gerechte Aufmerksamkeit zukommt, wenn das Brooklyn Museum O´Keefe als Gesamtkunstwerk in einer Personale präsentiert. Eine extravagante Ausstellung die sich einer Künstlerin annimmt, die sich nicht nur über Pinsel und Leinwand sondern auch über Stoff und Zwirn sowie über einen modernen, feministischen Lebensstil definierte.

Georgia O’Keeffe reiht sich unter die bekanntesten amerikanischen Malerinnen des letzten Jahrhunderts. Ihre ornamentalen Blumen- und Flammenmalereien die sich beinahe an die Gegenstandslosigkeit wagen haben sie zur Ikone femininer Motive gemacht. Ihre Wüstenlandschaften und Knochenbilder zeigen welche Tiefe diese symbolische Weiblichkeit bedarf. O'Keeffe war Künstlerin durch und durch, zuletzt nicht auch indem sie vor der Leinwand hervor trat und sich konsequent selbst in Szene setzte.

Mit der Ausstellung "Living Modern" zeigt das Brooklyn Museum nun über 60 Stücke der eleganten und extravaganten Garderobe der Künstlerin, darunter auch viele selbstgemachte Kleidungsstücke, die erstmalig das Georgia O’Keeffe Museum in Santa Fe verlassen und in einer vielfältigen und brückenschlagenden Zusammenschau mit Fotografien, Accessoires und einigen der wichtigsten Werken der Künstlerin präsentiert werden.

Zugrunde liegendes Motiv dieses neuartigen Überblicks ist die Person Georgia O’Keeffe, eine starke Frau mit eigenwilligem Selbstbewusstsein und energischer Selbstsicherheit. Einer Frau, die mit sich im Dialog, die Freude der Gestaltung erkannte – sowohl im künstlerischen als auch im persönlichen Bereich. Das Brooklyn Museum zeigt O’Keeffe nicht nur als Pionierin der Moderne, sondern erstmals auch als souveräne Stilikone.

In vier Teilen wird der markante Stil der Künstlerin seit ihren Jugendjahren aufbereitet. Vom New York der 1920er und 30er Jahre sowie ihre Zeit in New Mexiko. Darüber hinaus zeigt die Ausstellung auch die asiatische Einflüsse die O´Keefes Stil nach ihrer Beziehung mit Alfred Stieglitz prägten. Der bedeutende Fotograf, Kunsthändler und Herausgeber der Zeitschrift Camera Work heiratete O’Keeffe 1924 und fertigte zwischen 1918 und 1937 über 300 Fotografien der Künstlerin an – anhaltendes Zeugnis ihres progressiven Stils und gewandten Auftretens. Stieglitz selbst unterstützte die Idee, dass es für eine Künstlerin wichtig sei auch ein "Selbst-Bildnis" zu entwickeln, das sich mit ihrer eigenen Kunst deckt. Stieglitz erzog sie zum Model, das folglich auch von Ansel AdamsBruce Weber, Philippe Halsman und Laura Gilpin abgelichtet wurde. Im Kleiderschrank der Künstlerin entstand ein androgyner Stil auch heute kaum an Modernität eingebüßt hat,  vielmehr scheint er aktueller denn je. Während die Künstlerin
O´Keeffe über 2000 Arbeiten hinterließ, in denen sie sich mit Motiven der Fruchtbarkeitssymbolik auseinandersetzte, stellte sie sich in ihrem persönlichen Auftritt dem vorgegeben Bild von Fraulichkeit entgegen indem sie bewusst auf weite Stoffe und ein Gegenüber zum strengen Korsett setzte. Praktisch und modern unterstrich ihr Stil ihre Position als unabhängige Denkerin und als Freigeist, der Mode als Ausdruck und nicht als Zweck oder gar Zwang versteht. Sie etablierte ihre eigene Reformkleidung und damit ihre eigene unabhängige Weiblichkeit. Oftmals in schwarz und weiß, präsentierte sie sich auf  Fotografien wie ein modernes abstraktes Kunstwerk, komplementär zu ihrer farbigen Welt der Malerei. Ihre Mode, wie ihre Kunst folgt den Prinzipien von Serialität, Minimalismus und Simplizität.

Kuratorin Wanda M. Corn nahm sich der Aufgabe an die bisher nicht aufgearbeitete Künstlergarderobe die einen Zeitraum von 60 Jahren umfasst, zu studieren und in einen Kontext zu bringen. "Georgia O’Keeffe war Künstlerin nicht nur in ihrem Atelier sondern auch in der Gestaltung ihres Zuhause und ihrer Selbststilisierung", so Corn. Die Malerin kreierte einen unverkennbaren Stil der in enger Nachbarschaft zu ihrer ebenso unverkennbaren Kunst steht und dem sie bis ins hohe Alter treu blieb.

"Georgia O’Keeffe: Living Modern" ist Teil des diesjährigen Programms "A Year of Yes: Reimagining Feminism at the Brooklyn Museum" das mit einer Serie von zehn Ausstellungen das Jubiläum des Elizabeth A. Sackler Center for Feminist Art und damit eine Dekade feministisches Denken im Brooklyn Museum ehrt.

Georgia O’Keeffe: Living Modern
Brooklyn Museum
3. März bis 23. Juli 2017

Georgia O’Keeffe
Bank Austria Kunstforum
bis 17. März 2016

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