Georgia Creimer – incorporado

30.04.17

Noch bis 9. Mai ist die Ausstellung von Georgia Creimer im Atelierhaus der Akademie der bildenden Künste Wien / Semperdepot in der Reihe „Wir zeigen" zu sehen. 

„...Der spitz zulaufende Ausstellungsraum des Semperdepots mit seinen beeindruckenden 830 Quadratmetern und den drei Säulenreihen zu jeweils sieben gusseisernen Geschoßträgern wird unter Georgia Creimers Händen zum zugänglichen Walfischbauch. Dunkel und abgeschlossen und von unklarer, orientierungsschwerer Dimension, finden sich an seiner wirbelgleichen inneren Tragstruktur 14 organische Bildformulierungen, die in ein zutiefst vergrabenes Inneres schauen: Als schwarz-graue Organismen wachsen Creimers „Biome“ aus der schwebenden, weißen, scheinbar selbst leuchtenden Leinwand. Fließenden Zellstrukturen gleich werden sie vom Raum inkorporiert. Durch sie wird er zum lebendigen System, in dem die Säulen zu Wirbeln mutieren und auf ein mögliche Körperäußeres hinweisen ..."
schreibt Katrin Bucher-Trantow im Katalog zur Ausstellung „incorporado“ 2017. Incorporade steht in der Reihe „wir zeigen“ im Semperdepot von Georg Folian und Gerhild Stangl und wurde von Katharina Hofmann-Sewera kuratiert. Der Wirtschaftsunternehmer Georg Folian unterstützt Ausstellungen im Kunstraum Nestroyhof (Leitung Christine Janicek) und im Semperdepot. Der Fokus im Semperdepot liegt vor allem auf Positionen der mittleren Generation, die bereits ein sehr eigenständig, konsequent und kontinuierlich anerkanntes Werk haben. Sie werden in einer Personale im ehemaligen Semperdepot mit einem umfassenden Katalog in der Reihe „Wir zeigen" präsentiert. Bislang zu sehen: Iris Andraschek, Frenzi Riglings, Hans Scheirl, Josef Ramaseder und Hubert Lobnig 2016.

incorporado – Georgia Creimer

Die, 1964 in São Paulo, Brasilien geborene Künstlerin lebt und arbeitet seit 1986 in Wien.Die Ausstellung ihrer Bilder aus der Serie „Biome“ inszenierte sie als raumbezogene, eindrucksvolle Installation. Erstmals wurden bis auf die Objekte alles Arbeiten speziell für die Ausstellung gemacht. Eine wesentliche Rolle spielt auch das Licht. Mit speziellen Leuchten schuf die Künstlerin eine einmalige Situation, der die Architektur des Semperdepots in einen Dialog mit den Werken der Künstlerin bringt, und die Licht- und Schattenwirkung am Boden auf den trapezförmigen Raum reflektiert. Allerdings blendet Creimer den Wandverlauf und den sonst stark dominierten Holzboden des Raumes gekonnt aus und fokussiert durch die Lichtführung die Wahrnehmung des Betrachters auf die im Raum installierten Kunstwerke. Das reflektierende Weiß der mit Gesso grundierten Leinwände ebenso wie die, durch das Licht skulptural erscheinenden Säulen des Raumes, ergeben zusammen eine gesamtheitliche, einprägsame Wirkung. Die Hängung erlaubt sowohl den Blick auf einzelnen Werke, als stets auch das Zusammenspiel der Bilder im Raum.

Die Serie der „Biome“ entsteht seit 2004 und wird zuweilen in großformatige, auch stark farbige Bilder umgesetzt. Die Künstlerin hat für die Ausstellung jedoch ausschließlich Schwarz-Weiß Arbeiten geschaffen. Die Formen entstehen aus automatischen Zeichnungen  – „halbblinde Zeichnungen“ wie sie die Künstlerin nennt. Aus diesem Prozess heraus werden einzelne interessante Elemente herausgenommen und über den Computer weiterbearbeitet – bis eine Form entsteht, die Creimer dann auf große Leinwände überträgt, deren Wirkung man sie schwer entziehen kann. Diese ist vor allem durch den Kontrast der schwarzen mit Gouachetechnik aufgetragenen Flächen und der plastischen mit hartem Bleistift geformten Motive geprägt. „Die Formensprache der Biome lässt Assoziationen zu mit der Welt des Organischen, der Biologie, des Amorphen und der Biotechnik. Der Raum in den Bildern ist undefinierbar, die Proportionen nicht einschätzbar. Alles bewegt sich zwischen Mikroskopischem und Monumentalem. Es winden sich darin Elemente, die sich gegenseitig anziehen und den Anschein erwecken in einem Zustand ständiger Veränderung und Anpassung zu sein. Sie vermitteln einen Zustand, der gleichzeitig als naturnah und künstlich beschrieben werden kann. In ihre Wesensart scheinen sie eine eigene „somatische Intelligenz“ zu besitzen und die Welt um sich durch Ihre ganze Körperlichkeit und Sensibilität zu erkunden.“, so Georgia Creimer. Das Licht als Teil ihrer Rauminszenierung setzte die Künstlerin bereits im Kunstraum Weikersdorf gekonnt ein, wo sie auch erstmals das Objekt „Brut“ zeigte. „Brut“ ist ein überdimensionaler weißer Teller mit 245 cm Durchmesser auf dem zwölf handgeformte, weißen, kugelförmigen Objekten aus Gips gestapelt sind. Der Titel verweist auf das Zeitwort „ausbrüten“ – allein aufgrund der Dimension der Kugel bleibt der Betrachter doch im Unklaren, was hier im „Entstehen ist“. Gelungen ist die Ausstellung allemal vor allem das Spiel mit der Zweidimensionalität die gänzlich wieder in den Raum überführt wird. Sowohl in den Leinwandbildern selbst, die eine große Körperlichkeit und Plastizität vermitteln, als durch ihre Inszenierung als dreidimensionale Elemente im Raum. Der Besucher taucht ein in eine andere Dimension – alles scheint in einem Prozess zu sein, in dem Leben entsteht und gleichzeitig auch vergeht. Auf letzteres verweist Georgia Creimer in ihren „Calfobjects“ zwar mit ästhetischer Form und taktilem haptischem Erlebnis – jedoch unmissverständlich.

Bis 9. Mai 2017
Geöffnet täglich 12.00 - 20.00 Uhr
An Sonn- und Feiertagen  12.00 - 18.00 Uhr
Atelierhaus der Akademie der bildenden Künste Wien / Semperdepot
Eingang während der Ausstellungsdauer: Lehargasse 8