Galerie Thoman: Thomas Feuerstein – The World

19.04.16

Noch bis 23. April ist die sehenswerte Personale des 1968 in Innsbruck geborenen Thomas Feuerstein in der Galerie Elisabeth und Klaus Thoman in Wien zu sehen.

Die Galerieausstellung reiht sich in die vielbeachtete Ausstellungsreihe des Künstlers „PSYCHOPROSA“ (2015) ein, die bereits in der Taxisgalerie Innsbruck, im Kunstverein Heilbronn und im Frankfurter Kunstverein erfolgreich gezeigt wurde.

PSYCHOPROSA bestand aus einer miteinander verbundenen Installation, die der Herstellung des Moleküls PSILAMIN und der Produktion von Schleim dient. Schläuche transportierten grüne und farblose Substanzen durch die Räume des Kunstvereins. Sie verbanden Laborgefäße, Apparaturen und Kühlsysteme, die über die Dauer der Ausstellung hinweg als real funktionierende Objekte einer Versuchsanordnung dienten, zu einem narrativen Strang. Der Ausstellungsraum wurde zum lebendigen Labor, in dem der Künstler das von ihm neu synthetisierte und als molekulare Skulptur deklarierte PSILAMIN aus Algen und Pilzen gewann.

Thomas Feuerstein verschränkte in seinem Werk stets Wissen aus Kunst, Philosophie, Literatur sowie aus Biotechnologie, Ökonomie und Politik zu einem künstlerischen Narrativ, welches Fragen nach existentiellen Grundparametern und dem Ursprung von Leben eröffnet. Aktuell findet PSYCHOPROSA in einer erweiterten Form ihre Fortsetzung im Chronos Art Center Shanghai. Kurator Zhang GA (New York, Shanghai) sprach in diesem Zusammenhang von einem der essenziellsten aktuellen Beiträge zeitgenössischer Kunst. Aus dem wissenschaftlich empirischen Potenzial und weltgesellschaftlicher Realität schöpfend, entwickelt Thomas Feuerstein seine künstlerischen Erzählungen, Zukunftsentwürfe zwischen Dystopie und Utopie. Seine Ausstellungen funktionieren wie semantische Netze, die Fäden von Wirklichkeit aufnehmen und den Betrachter in Geschichten zwischen Fakt und Fiktion verstricken.

In der Galerie Thoman hängt zentral eine großformatige Kohlezeichnung „The World“, in der Feuerstein die größte Privatyacht der Welt als allegorisches Vehikel präsentiert. Die Yacht, groß wie ein Kreuzfahrtschiff, gehört dabei keinen Einzelnen sondern über 100 Eigentümer haben sich in dem schwimmenden Luxushotel eingekauft. Langeweile zwischen Cocktails garantiert. Dies setzt Thomas Feuerstein in gelungenen und durchaus ironischen Kontrast zur stürmischen See. So schwebt die Yacht wie ein fliegender Holländer über dem Ozean. Das Malmaterial Kohle hat Feuerstein selbst in einem hergestellt und zu Stiften gepresst. Eine andere Zeichnung zeigt einen Fliehkraftregler, der im Englischen auch als Governor bezeichnet wird und damit erklärt, warum Feuerstein das technische Gerät mitten in die Szenerie des Parlamentes setzt. Einmal mehr zeigt auch die Personale bei Thoman das grenzüberschreitende Arbeiten des Künstlers, der eine singuläre Position innerhalb der österreichischen Kunstszene – und wohl auch international – einnimmt. Seine Arbeiten manifestieren sich in den Medien Installation, Objektkunst und Skulptur, Zeichnung, Malerei, Fotografie, Video und Netzkunst. Stets nimmt das Zusammenspiel sprachlicher und visueller Elemente einen zentralen Stellenwert ein. Mit der von ihm entwickelten künstlerischen Methode der konzeptuellen Narration verfolgt Thomas Feuerstein Spuren, die von der griechischen Philosophie über Physik und Chemie bis hin zu Computersystemen reichen.

So ist seine Schau Ausstellung und Laboratorium zugleich. Als Ausgangspunkt seiner Apparaturen, in denen sich die künstlerischen Transformationen materialisieren, dient die Sprache. Zucker ist dabei ein „interessantes“ Material, so der Künstler. „Und ein wichtiger Treibstoff des Lebens.“ Der Zucker des Künstlers wurde über einen molekularen Prozess aus Büchern produziert – die daraus entstehende Glukose als Pulver gefestigt und in Form gebracht und Georg Wilhelm Friedrich Hegels „Phänomenologie des Geistes“ in ein Gehirn aus Zucker transformiert. Buchseite für Buchseite wird die aus der Literatur gewonnene Glucose zum Werkstoff für Skulpturen und Gemälde.

Am 1. März fand ein Gespräch zwischen dem Künstler Thomas Feuerstein und dem Autor und Kurator Roland Schöny statt. Der Mitschnitt des Gesprächs findet sich auf SoundCloud:
https://soundcloud.com/galeriethoman/gespraech-thomas-feuerstein-mit-roland-schony

Bis 23. April 2016

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