Galerie Mezzanin: Mandla Reuter. Armilla

04.12.14

Ohne Grund

Nicht jedes Grundstück muss eine postalische Adresse besitzen. Diese Erfahrung machte Mandla Reuter, nachdem er eine Parzelle in L. A. erworben hatte – und bemerkte, dass diese keine Anschrift hat. Offensichtlich vergaßen die öffentlichen Stellen, die angekündigte Straße zu errichten.

So schickte der Künstler Kuvert um Kuvert dorthin, schon mal mit Schmutz gefüllt (etwa aus der Kunsthalle Basel, wo die Arbeiten ebenfalls schon ausgestellt waren). Selbstverständlich kehrte alles zurück – wobei sich freilich auch die Frage stellt, wo der Briefträger die Sendung denn hätte zustellen sollen, wenn es sich doch um unbebautes Land handelt. Zumindest verzeichnet der Kataster kein Gebäude, bloß eine Parzelle. Reuter stellt diesen hier ebenfalls aus, und – als Gegenbeweis – fünf retournierte Briefkuverts, hinter Plexiglas; sie tragen den postalischen Vermerk: „No Such Street“. Die bürokratische Wahrheit Nummer eins – der Kataster – widerspricht der bürokratischen Wahrheit Nummer zwei – den Rücksendungen. Das entbehrt nicht einer gewissen Komik. Allerdings gestaltet sich die künstlerische Umsetzung etwas gar sparsam, wenn nicht dünn. Nicht wirklich ergiebig sind da auch die damit verbundenen monochromen Blaupausen, die nicht belichtet wurden und daher keine Zeichnung aufweisen – die anachronistische Technik wurde früher häufig für Pläne, eben auch für Kataster, verwendet. Hier, auf diesen leicht schimmernden Papieroberflächen, ist gewissermaßen jeder Plan enthalten und möglich.

Im hinteren Raum der Galerie installierte Reuter eine Art Quelle: An eine große Palette Evian-Flaschen ist ein Schlauch angeschlossen, der mitsamt dem edlen Wässerchen durch die Galerie mäandert, auch einige Kanaldeckel umschlängelnd – sie sollen auf Orson Welles’ in Wien gedrehten „Dritten Mann“ verweisen und bilden fiktive Einstiege zu einem riesigen unterirdischen Kanalnetz, das voll Fäkalien ist. Fließt hier überteuertes Wasser, das nur an einem bestimmten Ort abgefüllt werden darf und quer über den Globus verschickt wird, so ist das Kanalsystem voller Abwasser – Notwendigkeit versus Luxus, Schmutz versus Reinheit.

Ein wenig fühlt man sich thematisch an Hans Schabus und seinen frühen Film „Western“ erinnert, als er mit seiner „forlorn“ durch die Wiener Abwasserkanäle gondelte; ebenso an Gordon Matta-Clarks Erkundungen diverser Räume des New Yorker Untergrund in seiner Arbeit „Substrait (Underground Dailies)“ von 1976. Im Vergleich dazu bieten Reuters einerseits aufgeladenen, andererseits formal reduzierten Arbeiten kaum spannende Momente und erscheinen etwas blutleer. 

Bis 10.Jänner 2015

Ort: