Galerie Meyer-Kainer: CHRISTIAN ROSA – Now it’s over

24.02.16

„Shit Rosa“ sprayte jemand in rosa Farbe über die Fenster der Galerie Meyer Kainer.
Eine Reaktion, die in der Wiener Galerienszene eher Seltenheit hat, scheint die Ausstellung doch zunächst frei von Kontroversen zu sein. Vielmehr ist es Christian Rosa selbst, der polarisiert.

Auf zwei mal drei Metern hat Christian Rosa überdimensionale Notenlinien gemalt. Doch Töne bekommt man in der Galerie Meyer Kainer nicht zu hören. Nur vereinzelt sind noch Noten ohne Kontext sichtbar. Die riesigen, schwingenden Liniengeflechte scheinen sich über die vorgebende Struktur hinwegzusetzen, überlagern oder verdecken gleich mehrere Notenlinien. Diese wiederum entwickeln an einigen Stellen ein Eigenleben, machen kehrt oder enden in einem Knäuel, das teilweise zu einer comicartigen Gestalt wird. Vereinzelt finden sich Ausrufezeichen oder mit Ölfarbe gemalte Flächen. Während Rosa seine Farbpalette reduziert hat und bis auf einige wenige Flächen primär mit schwarzer Kohle gearbeitet hat, lässt sich eine leichte Tendenz der Verdichtung bei Rosa feststellen. Schwarze Rahmungen, die zuvor schon zu sehen waren, werden um dicke vorhangartige Flächen ergänzt. Die Notenlinien, die ihre Funktion völlig verloren zu haben scheinen, treten anstelle des sonst so leeren Bildraums bei Rosa und erzeugen darüber hinaus einen gewissen Wien-Bezug.

Aufgewachsen in Wien, hat der, offiziell 1982 in Rio De Janeiro geborene Künstler, sein Studium bei Daniel Richter an der Akademie der bildenden Künste bis heute nicht abgeschlossen. „Now it’s over“ ist Rosas erste Einzelausstellung in Wien, seit seinem kometenhaften Aufstieg vor knapp zwei Jahren. Artflipper priesen ihn im zweiten Quartal des Jahres 2014 auf der auf Algorithmen basierenden Seite artrank.com auf Platz 2 der Künstler an, die man unter 100.000 EUR unbedingt kaufen sollte. Zwei Quartale später bereits führt er die Liste der Künstler an, die man unbedingt wieder verkaufen sollte. Weiter angefeuert wurde der Hype rund um Rosa durch Ausstellungen in der IBID Gallery in Los Angeles, einer Ausstellung in der Fondazione Sandretto Re Rebaudengo, bei Contemporary Fine Arts in Berlin sowie in der White Cube Gallery in London und Sao Paulo. So schnell und plötzlich wie Rosas Preise stiegen, fiel sein Wert auch wieder. Rosa wird zum Paradigma des gegenwärtigen Kunst- und Auktionsmarktes, der von Artflippern und einigen wenigen Protagonisten gesteuert wird – denn die schnelllebigen Trends dauern oft nur wenige Monate an. Ein Aufstieg, den Rosa gerne öffentlich gelebt hat, der ihm ein Haus in Los Angeles und einen Ferrari beschert hat und mindestens ebenso viele Fans wie Kritiker.

Dass Rosa polarisiert, zeigt nicht nur das rosa Graffiti an den Scheiben der Galerie Meyer Kainer. Auch die gegenwärtige Presse stürzt sich auf ihn, kritisiert nicht nur die Kunst, sondern auch die Person Rosa scharf. Thomas Mießgang etwa schreibt in der Einleitung seines Artikels von der „überdrehten Koks-Atmosphäre“ im Palais Pálffy, wo sich Rosa auf seiner After Show Party wie ein Popstar feiern ließ. Und wenn Rosa in Texten immer wieder mit Jean-Michel Basquiat verglichen wird, kann das keineswegs an Analogien zwischen den Arbeiten liegen, sondern maximal an den Ähnlichkeiten in der Persönlichkeit. Reaktionen und Kritiken dieser Art interpretiert Galerist Christian Meyer als „enttäuschte Erwartungen“, mit denen Rosa wohl auch gezielt spielen könnte.

Die sich permanent wiederholenden Vergleiche mit Größen der Kunstgeschichte – die nicht unbedingt treffend sind – basieren vielleicht vielmehr darauf, dass über die Arbeit von Rosa und seine Arbeitsweise so wenig bekannt ist. Er spricht nicht gerne darüber, selbst mit seinem Galeristen nicht. Neben Basquiat fällt im gleichen Atemzug mit Rosa auch der Name Joan Miró - und natürlich der Zombie-Formalismus. Ein von Walter Robinson geprägter Begriff, der die gegenwärtige High End „Sofa“-Kunst kategorisiert: dekorativ, harmlos, flach und mit einem der Kunstgeschichte unreflektiert entlehnten Formenvokabular. Eine degradierende Kategorie, in die Rosa immer wieder eingeordnet wird. Die Schublade ist schnell gefunden und es scheint Rosa auch nicht weiter zu stören. Doch so absurd der Hype war, so absurd ist auch das plötzlich proklamierte Ende von Christian Rosa. Die Entwicklung oder den Erfolg eines Künstlers anhand von durch Artflipper initiierte Rankings festzumachen, erscheint unseriös. Was Rosa fehlt, ist eine fundierte Aufbauarbeit und die Möglichkeit sich zu entwickeln. Das ist weder in der kurzen Zeit zu gewährleisten, noch mit übertriebener Aufmerksamkeit. Aber vielleicht meint Rosa genau das mit „Now it’s over“. Und vielleicht konzentriert man sich dann auch wesentlicher auf das Werk, statt auf seine schwankenden Marktpreise oder die rote Mütze, die der Bad Boy zum Smoking trägt. Auch wenn für seinen Galeristen Christian Meyer die Malerei und die „Pop-Dimension“ von Rosa nicht voneinander zu trennen sind. 

Noch bis 27. Februar 2016

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