galerie bechter kastowsky: Utopie Wohnraum

11.04.16

In Zusammenarbeit mit der Galerie Krobath und Viktor Bucher zeigt die galerie bechter kastowsky die Ausstellung „Utopie Wohnraum“.
Präsentiert werden Arbeiten der Künstler Lorenz Estermann, Aldo Giannotti, Manfred Grübl / Werner Schrödl und Fritz Panzer, die sich mit dem Begriff der Utopie „eine Idee, die so wirklichkeitsfern oder fantastisch ist, dass man sie nicht verwirklichen kann“ auseinandersetzen. Grundgedanken sind der Bezug zum Wohnraum und das soziale Bedürfnis des persönlichen Schutzes.
Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen die Arbeiten Lorenz Estermanns. Seine Objekte sind dabei ein Bindeglied zwischen den Medien und schaffen überraschende Querverweise zur Architektur, die sich bei Estermann nicht nur auf den urbanen sondern auch auf den ländlichen Raum fokussiert. Die Idee der Collage setzt der Künstler in dreidimensionale Modelle um. Die Vorlagen dafür sucht er in eintönigen Gegenden, er fotografiert leerstehende oder verfallene Orte, beziehungsweise deren architektonischen Relikte und integriert diese anschließend in zum Teil großformatige Collagen. Das Besonders an seinen neuen Arbeiten ist eine verstärkte Hinwendung zur Malerei. Der Hintergrund ist opak mit breiten Pinselstrichen farbig gestaltet. Die für Estermann sonst typischen schriftlichen Notationen sind gänzlich verschwunden. Der malerische Duktus und die leuchtende Farbigkeit geben den Collagen eine gewisse Dynamik. Schrille, grelle Farben bestimmen auch die Objekte des Künstlers. Diese waren nie Grau in Grau und stets bemalt, doch arbeitet der Künstler nun vehement mit der Ästhetik der Street Art. Nicht ausgemalte Flächen sondern Sprühtechnik, keine Pastellfarben sondern leuchtendes Orange und Blau. Die auf Stelzen stehenden, etwa 55 cm hohen Modelle zeigen zwar eine Utopie, die jedoch aufgrund der immer rasant wachsenden Städte und dem raren Baugrund bald Realität werden könnte. So sehenswert die Objekte auch sind, begehbar scheinen sie nicht zu sein, fehlen doch jegliche Leitern oder Treppen und so wirken die Abbilder utopischer Wohnmöglichkeiten vor allem als räumliche Malerei.

Sozialkritisch und ironisch präsentieren sich hingegen Aldo Giannottis Arbeiten. Gleich zu Beginn klärt er den Besucher über die räumlichen Verhältnisse auf, in denen er sich befindet und zeichnete zur Orientierung einen Galerieplan an die Wand. Seine Zeichnungen mit Schwerpunkt auf die Architektur New Yorks zeugen von einer tiefen soziologischen Auseinandersetzung mit unserer Gesellschaft und laden so manchen Betrachter mittels „Comic-Szenen“ zum Schmunzeln ein. So zum Beispiel in „Drive through museum“, eine Art Museum zum Durchfahren oder in „Roof Slope“, in denen Giannotti mehrere Wolkenkratzern zu einer Skipiste zusammengefügt hat.

Manfred Grübl und Werner Schrödl wenden sich dem Thema in ganz anderer Form zu und haben sich folgende Frage gestellt: Ist es möglich im Zeitraum von 48 Stunden ein Haus zu bauen, zu bewohnen und es im rechtlichen Sinn stehen zu lassen? Die Antwort lässt sich mittels Fotografien mitverfolgen. Innerhalb von 24 Stunden haben die beiden Künstler aus Abbruchholz in 2. Wiener Gemeindebezirk, nahe der Nordbahnstraße, ein begehbares Haus gebaut, sind damit mittels Schwertransporter zum Attersee gefahren, haben es zu einer Art Wohnboot umfunktioniert und einen ganzen Tag darauf verbracht. Das Filmprojekt „one day home“ spielt im Graubereich des Gesetzes und basiert auf dem osmanischen-islamischen Gewohnheitsrecht „Gecekondu“, das es erlaubt eine innerhalb einer Nacht auf öffentlichem Grund errichtete Behausung stehen zu lassen und zu bewohnen.
Ein weiteres Highlight der Ausstellung ist die Küche Fritz Panzers. Der 1945 in Judenburg geborene Künstler versteht es, wie kein anderer, verschiedenste Gegenstände des Alltags und Inneneinrichtungen mit Draht 1-zu-1 nachzubauen. Zeichnungen werden plötzlich dreidimensional, der Strich tritt in den Raum, macht die Küche plötzlich begehbar und erkennbare Details wie etwa Fliesen oder Topflappen benutzbar.

Fünf herausragende Künstler mit vier unterschiedlichen Umsetzungen zum Thema „Utopie Wohnraum“ also. Die sehenswerte Ausstellung ist noch bis 23. April 2016 zu besichtigen.