Galerie am Stein: Karl Schleinkofer – Zeichnungen

01.03.16

Lesbare Linien, mal härter, mal weicher, nie endend wollend, dann doch wieder unvollständige Striche – Karl Schleinkofers Arbeiten vermitteln auf dem ersten Blick einen diffusen Eindruck. Doch betrachtet man die Zeichnungen näher, erkennt man in diesen dynamischen Linien aus Graphit und Pastellkreide ein Wenig mehr. Die unterschiedlichsten Motive bilden sich im Auge des Betrachters – eine Landschaft, eine Person oder eine amorphe Struktur. Das liegt ganz im Auge des Betrachters und erfordert Zeit.

Und genau mit dem Gedanken der Zeit, des Vergänglichen und der Natur spielt der Künstler in seinem Werk. „Im unmittelbar gezogenen, noch mehr im verunglückten unvollständigen Strich, im noch nachfühlbaren Druck des Stiftes auf dem Papier wird ein aufmerksamer Betrachter dem Wiederaufleben der oder des Ausführenden noch einmal ansichtig. Die Zeit scheint an diesem Punkt stehen geblieben zu sein, und nicht das Abgebildete ist jetzt das Wirkliche, sondern die Abbildung. Alles Vergangene war einmal Gegenwart, und es trifft auch zu, dass es noch gegenwärtig ist“, so der Künstler.

Die Galerie am Stein zeigt noch bis zum 19. April eine Auswahl an Werken des Zeichners, den die Galerie seit über 20 Jahren begleitet.

Karl Schleinkofer wurde 1951 in Passau geboren. Von 1972 bis 1978 studierte er an der Akademie der Bildenden Künste in München bei Hermann Kaspar und Hans Baschang und lehrte im Anschluss an der Universität in Passau und an der Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe. Zahlreiche Ausstellungen folgten, u.a. in der Galerie van de Loo, München (1991), Museum Moderner Kunst – Stiftung Wörlen, Passau (1997), Galerie Arte Giani, Frankfurt (2009) oder zuletzt in der Galerie Florian Sundheimer, München (2015).

Bereits drei Einzelausstellungen hat die Galerie am Stein dem Künstler gewidmet, was nicht verwundert, denn die Nachfrage an den Arbeiten des Künstlers ist groß. Besonders viele Sammler hat der Künstler unter Medizinern, die seine Bilder schätzen, da sie teilweise stark an dünne Blutgefäße erinnern. Auch Künstler wie Arnulf Rainer gehören zu den begeisterten Sammlern des Zeichners.  Neben den etwa 20 Blättern, die in den Ausstellungsräumen der Galerie zu sehen sind, präsentiert Monika Perzl ein Konvolut an Papierarbeiten in Mappen. Bei der Durchsicht lässt sich die formale wie technische Entwicklung des Künstlers nachvollziehen. Zunächst noch gänzlich von dichten dunklen Graphitstrichen überzogen, sind die neueren Arbeiten weitaus heller und freundlicher. Die weiße Fläche dominiert, der Strich verdichtet sich, setzt Barrieren, lässt leichter Strukturen erkennen. Die scheinbar gegenläufige Rhythmisierung des Strichs lässt den Betrachter in eine Welt voller Impulse eintauchen.

„Ein Strich ist sofort da, man kann ihn nicht machen, man soll ihn aus dem eigenen Rhythmus heraus annehmen. Es ist eine Form des bedingungslosen Sich-Einlassens und der anhaltenden Verausgabung mit dem Ziel, das analytisch kontrollierende, Besitz ergreifende Denken aus der Bahn zu werfen. Angelehnt an das regellose Leben, welches ohne ersichtlichen Grund, ohne kalkulierte Sicherheit, ohne rechtfertigen Vorwand agiert.“ (Karl Schleinkofer)

Bis 16. April 2016