Galerie am Stein: Günter Brus und Ana Brus

02.06.15

Die Galerie am Stein präsentiert diesen Sommer Aktionen des Künstlerpaares Günter und Ana Brus[1]. Diese körperbezogenen Arbeiten zählen zu den wichtigsten Beiträgen der internationalen Nachkriegsavantgarde.

Abstrakte Malerei mit intensivsten Körpereinsatz: In einer Zeit, wo informelle Kunst und der Abstrakte Expressionismus die Kunst dominierten, versuchten Günter und Ana Brus Anfang der 1950er-Jahre einen Schritt weiterzugehen und das herkömmliche Leinwandbild zu verlassen. Meine Aktionen entwickelten sich aus der Aktionsmalerei, aus dem Drange, diese „räumlicher“ zu gestalten und den Maler aus dem sich ergebenden Werk nicht auszusperren“, so Günther Brus 1984.[2] Eine der ersten und wichtigsten Aktionen war „Ana“ (1964), wo der Körper, in diesem Fall der weibliche Körper von Ana Brus, selbst zum Pinsel mutiert und zugleich zum Leinwandersatz wird. Alles wurde filmisch (Kurt Krenn) und fotografisch festgehalten.
In der Galerie am Stein sind nun die Aktionen „Silber“ und „Transfusion“ ausgestellt, in der ebenfalls Ana Brus mitwirkte und damit auch die Bedeutung der Künstlerin gewürdigt wird. Sie war die wichtigste weibliche Akteurin der Wiener Aktionisten und wirkte in Schwarzkoglers „Hochzeit“ (1965) sowie in Otto Mühl-Aktionen wie „Materialaktion Nr. 27: St. Anna“ (1966), vor allem aber in Aktionen ihres Mannes Günter Brus wie „Ana“ (1964), „Transfusion“ (1965) oder „Silber“ (1965) mit[3]. Letztere Aktion entstand im Frühjahr 1965. Ludwig Hoffenreich fotografierte und Kurt Kren drehte dazu einen 16mm-Film. Zu sehen ist der Künstler, wie er seine auf einem Tisch liegende Frau wie eine Mumie einwickelt, an Stangen bindet, bemalt, mit Silberpapier umwickelt und wieder befreit. Neben dem Kolorit hat vor allem die räumliche Atmosphäre eine wichtige Stellenrolle. Die Serie ist in der Galerie an drei Plätzen in jeweils zwei Reihen aufgehängt und absichtlich nicht chronologisch gehalten. Stattdessen wechseln sich eher helle und dunkle Fotografien schon fast wellenartig ab und laden den Betrachter dazu ein von einem Platz zum nächsten zu schauen um selbst die richtige Reihenfolge zu entdecken.

Bei „Transfusion“ werden hingegen alle 12 Farbfotografien chronologisch präsentiert. Die Aktion, die Brus gemeinsam mit seiner Frau im Perinetkeller in Wien-Brigittenau 1965 realisierte, sticht sowohl thematisch als auch formal aus dem Frühwerk von Brus heraus, so Johanna Schwanberg. „Erstmals wird hier der strenge Schwarz-Weiß-Kanon durchbrochen und Farbe in die Aktionskunst integriert.“[4] Die angedeutete Selbstverletzung vorhergehender Aktionen wird hier innovativ mit sinnlich-erotischen Aspekten kombiniert. Fotografiert wurde die Aktion ebenso von Ludwig Hoffenreich und Otto Mühl war derjenige, der den 8mm-Film dazu drehte. Das zentrale Thema war die Geburt, das möglichst unverschlüsselt und plakativ in Szene gesetzt wurde. Günter und Ana Brus sind nackt von „aggressiven“ Werkzeugen wie Nägeln umgeben. Die buntfarbige Bestäubung des weiblichen Körpers wirkt diesem „verletzenden“ Moment entgegen. Schläuche verbinden Mund und Schoß der beiden oder enden in ein mit roter Flüssigkeit gefülltes Einmachglas. „Naturgemäß drängen sich bei solch einer Thematik psychologische Deutungen auf. Ich blocke diese mit der einfachen Formel Nabelschnur = Kabelschnur ab...“, meint Günter Brus dazu.[5] Dass das Werk auf viele Menschen verstörend wirken kann, unterstreicht ein Vorfall im selben Jahr. Brus hatte in einem Taxi die Diapositive liegen lassen. Das Fundbüro teilte dem Künstler mit, er möge sich bei der Polizei melden. Der zuständige Beamte meinte dazu: „Sie wissen, dass es sich bei den Aufnahmen um jugendgefährdende Pornografie handelt. Um sie vor Unannehmlichkeiten zu schützen, schlagen wir vor, diese Dias in einem Brennofen zu vernichten...“.[6] Zum Glück konnte Günter Brus das verhindern.

 

Günter Brus und Ana Brus, Galerie am Stein, 22.5. bis 10.7.2015

 

[1] Ana oder Anna Brus, 1943 im kroatischen Viškovci als Ana Steiner geboren.

[3] Johanna Schwanberg: Die beiden Anas. Zur Magdalena Freys digitaler Bilderserie über Anna Brus in: http://www.ma-frey.com/text-schwanberg.htm

[4] Johanna Schwanberg: Die beiden Anas. Zur Magdalena Freys digitaler Bilderserie über Anna Brus in: http://www.ma-frey.com/text-schwanberg.htm

[5] BRUSEUM. Ein Museum für Günter Brus. Hg. Peter Weibel, Christa Steinle, Hatje Cantz Verlag, 2011. S. 205

[6] BRUSEUM. Ein Museum für Günter Brus. Hg. Peter Weibel, Christa Steinle, Hatje Cantz Verlag, 2011. S. 205