Franz Xaver Ölzant: Idee – Prozess - Form

14.06.15

Elisabeth Voggeneder hat im Rahmen der Zeitkunstausstellung für das Landesmuseum in St. Pölten die überaus sehenswerte Ausstellung zum Werk von Franz Xaver Ölzant zusammengestellt. Der Künstler kann heute auf ein Lebenswerk zurückblicken, das mehr als sechs Jahrzehnte plastischen und bildhauerischen Schaffens umfasst. Ölzant studierte anders als die stets als Avantgarde bezeichneten Bildhauer um Fritz Wotruba und seine Meisterklasse an der Akademie der bildenden Künste bei Hans Knesl. 1934 im steirischen Oberzeiring geboren, kam er 1955 an die Hochschule (heute Universität) für angewandte Kunst in Wien und studierte bis 1958 bei Knesl Bildhauerei. 
Standen während der Studienzeit figürliche Arbeiten in Stein- und Bronzeguss im Zentrum, wandte er sich bald danach einem abstrahierten Menschen- und Naturbild zu, das er Anfang der Sechzigerjahre zu einer autonomen Sichtweise entwickelte und dem er sich bis heute in wechselnden Materialien und unter verschiedenen Aspekten widmet. Frühe Arbeiten aus Steinguss (Abb.6) zeigen Figuren im Stils seines Lehrers, aber bereits auch die Auseinandersetzung mit den Entwicklungen der internationalen Kunst. Interessiert hätte ihn, so Ölzant bereits früh die Formensprache der „Ecole de Paris“ aber auch britische Bildhauer, allen voran Henry Moore. Die Konsequenz, so der Künstler heute rückblickend: „Drei Jahre in der Klasse Hans Knesl habe ich dann für genug empfunden. Ich war älter als meine Studienkollegen und habe mich daher auch weniger als Student gefühlt, ich spürte ich musste mich persönlich weiterbilden. Nach einer intensiven Beschäftigung mit dem Material und den technischen Möglichkeiten wurde über die Schiene der internationalen, aktuellen Kunst meine Autonomie geboren. Wichtig war für mich den biologischen Akzent in der Form zu erkennen und das sogenannte klassische Prinzip des Figuralen zu hinterfragen, das gelang mir mittels der Abstraktion.“[1] Noch im selben Jahr,1958 zog der gebürtige Steirer Franz X. Ölzant ins niederösterreichische Pfaffenschlag im nördlichen Waldviertel. Das Land und ein vom Rhythmus der Natur bestimmtes Leben bezeichnet er als eine wichtige Erfahrung: „Die Arbeiten konnten aus einer geistigen Konzentration heraus entstehen wie es in einem urbanen Umfeld nicht möglich gewesen wäre. Es
entstanden Werke, die bis heute wesentlich für mich sind.“[2] Mit Henry Moore verband Ölzant damals die zentrale Frage nach dem Wesen des Humanen, die sowohl der britische Bildhauer wie auch Ölzant durch die Verbindung des Figurativen mit den Formprinzipien der Natur zu lösen versuchten. Moore transformierte die Natur in seinen Skulpturen wie umgekehrt Darstellungen der menschlichen Figur oft auf Natur- und Landschaftsformen verwiesen. Ölzants Arbeiten ab den 1960er-Jahren übernahmen die Tendenz zur Fragmentierung, die sich bereits in seinen früheren figurativen Arbeiten findet, doch wurde die Tektonik zunehmend obsolet. Vegetabile, biomorphe Formen wie auch die skulpturale Rhythmik des Ornaments und schwungvolle Spiralformen wurden mit Versatzstücken des Figurativen verbunden. Vielfach erinnern diese Bronzeskulpturen an Kultisches und an profane Götterstandbilder. Andere sind an der Schnittstelle „zwischen Kunst und Natur“ angesiedelt, um die Ölzants formendes Schaffen bis heute kreist.

Ölzants plastische Konzeption beruht auf einer strukturellen Analyse des Gesehenen, wobei er sein Formenvokabular immer mehr auf die Umsetzung natürlicher Prozesse ausrichtete. Idee, Prozess und Form standen in ständiger Wechselwirkung und erweiterten sich durch additive und serielle Verfahrensweisen. Steinobjekte, Holzkonstruktionen, Drahtkonzepte, Aluminiumflächen und Steinsetzungen von der Kleinplastik bis zum Land-Art-Projekt dominierten ab den Achtzigerjahren.

 Franz Xaver Ölzant, der von 1986 bis 2001 als Professor an der Akademie der bildenden Künste in Wien wirkte, nimmt mit seinem Œuvre in der österreichischen Bildhauerei und Plastik des 20. Jahrhunderts eine singuläre Position ein: Er orientierte sich eher an internationalen Fragestellungen, die von der organischen Abstraktion und der biomorphen Kunst aufgegriffen wurden. 

Die Schau in St. Pölten ist die erste Ausstellung Franz Xaver Ölzants seit mehr als einem Jahrzehnt und zeigt erstmals einen Überblick über das gesamte Werk des Künstlers.

Künstlerporträt/Video

Die Ausstellung ist noch bis 23. August zu sehen und wird durch einen Katalog mit Textbeiträgen von Silvie Aigner, Elisabeth Voggeneder und Alexandra Schantl ergänzt; Reprints von Horst Appel, Rainer Fuchs, Otmar Rychlik und Peter Weiermair;

 Herausgeberin: Alexandra Schantl

erschienen im Kerber Verlag, Bielefeld.

[1] Gespräch von Silvie Aigner mit Franz Xaver Ölzant, Atelier Pfaffenschlag, November 2014

[2] Ebd.

 

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