Finale der Art Salzburg

25.08.16

Noch bis 28. August besteht die Möglichkeit die Art Salzburg in der Sala Terrena zu besuchen. Die bewusst als Kunstsalon und nicht als Messe gestaltete Art Salzburg fand im Vorjahr erstmals statt. Nun ist sie in erweiterter Form – das betrifft sowohl die Anzahl der Aussteller als auch die räumliche Expansion – bereits ein etablierter Bestandteil des Festspielsommers. Initiiert von Thomas und Raffaela Salis, wurde gemeinsam mit sechs Galerien ein Konzept realisiert, das über den klassischen Messebegriff hinaus geht. Die Galerien zeigen ihre Arbeiten nicht in eigenen Kojen, sondern in einer stringenten, stimmigen Gemeinschaftsausstellung, die sowohl Synergien ergibt wie ungewöhnliche und zuweilen überraschende Gegenüberstellungen und Dialoge präsentiert. In dem offenen Display, dass sich architektonisch elegant in die Sala Terrena mit ihren Renaissance-Fresken einfügt, wird die Kunst der Moderne im Dialog mit Zeitgenössischem gezeigt. Was zunächst ungewöhnlich ist – jedoch auch sofort überzeugt. Auch die internationalen Besucher und Medien. Trotz der Vielfalt an Werken entsteht ein Gesamteindruck, der wohltuend im Gegensatz zu den üblichen heterogenen Messeständen ist, in denen dem Besucher neben Gemälde klassischer Kunst schon einmal Ikonen oder gotische Madonnen erwarten. Auch die Atmosphäre unter den Galeristen ist entspannt, und zeigt, dass eine konstruktive, vom gegenseitigen Respekt und Interesse geprägte Zusammenarbeit nicht nur funktioniert, sondern auch zu einem gelungenen Projekt führt.

Sechs Top Player des deutschen und österreichischen Kunsthandels
Teilnehmer sind fünf Galerien (Johannes Faber, Galerie Konzett, Galerie Ruberl, Galerie Salis, Wienerroither & Kohlbacher) aus dem österreichischen Kunsthandel sowie Beck & Eggeling aus Düsseldorf, die ab Herbst auch in Wien eine Galerie eröffnen. Sie alle gehören zum oberen Feld der Kunsthändler und sind zum Teil auch international auf Messen wie der TEFAF präsent. Sie zeigen hoch qualitative Arbeiten der Moderne und der zeitgenössischen Kunst, wie zum Beispiel Picassos „Tête de femme" aus dem Jahr 1943 (Salis) oder Paul Klees charmante Bildkomposition „Eine Blume tritt auf“ aus dem Portfolio von Beck & Eggeling. Die Galerie zeigt auch einige Arbeiten von Otto Piene und Heinz Mack, dem sie gemeinsam mit der Galerie Wienerroither & Kohlbacher eine große Einzelausstellung im Herbst im Wiener Palais Schönborn widmet sowie die Eröffnungsausstellung ihrer eigenen neuen Räume in Wien. Die Galerie Ruberl präsentiert eine qualitätsvolle Auswahl an Arbeiten Arnulf Rainers, darunter eine frühe surrealistische Arbeit. Weiters Joseph Beuys´ „Mädchen (Hasenblut) und Dieter Roths Ablagebild sowie Zeichnungen von Oskar Kokoschka. Eine Gegenüberstellung einiger figurativer Zeichnungen zeigt die Präsenz der Linie im österreichischen Expressionismus eindrucksvoll anhand einer Zeichnung von Egon Schiele und einer Grafik von Oskar Kokoschka. Interessant ist auch die Zusammenstellung einer Materialarbeit von Heinz Mack in Sichtkontakt zu einer Arbeit von Arnulf Rainer, die dokumentiert wie beide Künstler nach 1945 an der Überwindung der traditionellen Bildkonzepte arbeiteten, wenngleich auch mit Hilfe heterogener Formensprachen. Thomas Salis zeigt gewohnte Qualität der Klassischen Moderne aus Deutschland und Frankreich sowie eine Skulptur von John Chamberlain, Konzett neben einem reifen Maria Lassnig-Ölgemälde  aus dem 1990er "Eingebettet-Ausgeschlossen" eine Auswahl an Arbeiten der Wiener Aktionisten. Wienerroither & Kohlbacher überzeugen mit Werken aus dem frühen 20. Jahrhunderts von Klimt über Schiele bis Ernst Ludwig Kirchner sowie „Femme d´oiseau“ von Jean Miró oder einer Zeichnung von Lyonel Feininger. Johannes Faber, ausgewiesener Experte und einer der Topgaleristen im Bereich Fotografie, ergänzt die Ausstellung mit erlesenen Arbeiten.

Skulpturengarten Dietrichsruh
Ein absolutes Must ist auch der Skulpturengarten im anschließenden Hof Dietrichsruh mit einem beachtlichen Spektrum an Arbeiten aus den jeweiligen Galerien. Schon immer dort war Jaume Plensas „Alvida“. Doch nun erhält er hochkarätige Gesellschaft: Von Magdalena Ababanowciz´ „Standing Figures“, Karl Prantls „Meditationsstein“ aus Serpentin oder der Installation „Pipes“ von Andreas Reiter Raabe bis hin zu Auguste Rodins beeindruckender Figur „Jean de Fiennes“. Für den Skulpturengarten steuerten die Galerien bei der Albertina (Joannis Avramidis) und Ropac (Erwin Wurm/Tony Cragg) zusätzliche Arbeiten bei.

Sturz der Wirklichkeit – Haus für Mozart
Gelungen und gut ausgewählt, wunderbar und sparsam gehängt mit ergänzenden Zitaten  versehen, sodass trotz der vielen architektonischen Details im Haus ein geschlossener Eindruck der Ausstellung entsteht – absolut sehenswert ist die von Christa Armann (Galerie Ruberl) kuratierte Ausstellung im Foyer und im Karl-Böhm-Saal im Haus für Mozart. Eine Ausstellung, die das Augenmerk auf Grenzen des Erklärbaren legt, seelische Zwischenwelten spiegelt und Schemen einfängt von Wunsch, Wahn und Utopie.
So wie die Produktionen der Salzburger Festspiele in diesem Jahr durch Novalis’ Worte „Wir sind im Begriff zu erwachen, wenn wir träumen, dass wir träumen“ charakterisiert sind, nimmt die Ausstellung Bezug auf die Kunst als Traum von der Wirklichkeit, dominiert von der Macht des Unbewussten –interpretiert in den unterschiedlichsten Kunstsprachen.
„Das ausklingende 19. und beginnende 20. Jahrhundert war geprägt von wissenschaftlichen Errungenschaften wie Darwins Evolutionstheorie, Freuds Traumdeutung und Einsteins Relativitätstheorie. Diese Erkenntnisse bewirkten auch eine radikale Veränderung der bildnerischen Techniken und der künstlerischen Weltsicht und schufen einen neuen visuellen Reichtum in der Wahrnehmung“, erklärt Christa Armann. Die etwa 20 Arbeiten umfassende Ausstellung im Haus für Mozart gliedert sich in vier Bereiche: Kunst um 1900 zum Thema Schlaf und Traum, der Surrealismus mit seiner kontroversen Bildlichkeit, darunter Giorgio de Chiricos „Ettore e Andromeda“ von 1947. Die flüchtige Wirklichkeit der Fotografie wird mit einer sehenswerten Werkauswahl gezeigt, darunter Fotoarbeiten von René Magritte, Enrico Imoda und Wols. Den Abschluss bildet die Kunst nach 1945 – das Imaginäre mit „Jakobs Traum“ von Anselm Kiefer, Heinz Macks „Petit Jardin“ und Werken unter anderem von Arnulf Rainer, Joseph Beuys oder Franz West. Im Karl-Böhm Saal Figurinen von Salvator Dalí aus der Sammlung Clot. Die Poesie der Dinge und die innere Magie der Träume sind nur spürbar, wenn wir bleiben, wie André Breton es im surrealistischen Manifest definiert hat – „Der Mensch, dieser unverbesserliche Träumer“.

Festspielausstellung „Sturz der Wirklichkeit“
Die Ausstellung im Karl-Böhm-Saal ist für Festspielbesucher bis 31. August 2016 jeweils eine Stunde vor Vorstellungsbeginn und in den Pausen der Vorstellungen im Haus für Mozart sowie der Felsenreitschule, sowie nach Vereinbarung mit der Art Salzburg zu besichtigen.

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