Festspiele der Kunst – der Salzburger Kunstsalon

16.08.17
Art Salzburg – Kunstsalon, rechts die Fehmarnlandschaft von Ernst Ludwig Kirchner (Foto: Redaktion)

In unseren Salzburg Tipps haben wir bereits auf die sehenswerten Ausstellungen während der Festspielzeit hingewiesen. Doch ist auch ein Besuch der Art Salzburg in der Paris-Lodron-Universität Salzburg sehr zu empfehlen. Unter den farbenfrohen Deckenfresken im einstigen Gartensaal der fürsterzbischöflichen Residenz, der heutigen Sala Terrena, präsentieren heuer bereits zum dritten Mal sechs renommierte Galerien hochwertige Kunstwerke. Vertreten sind die Wiener Galerien Johannes Faber, Galerie Konzett, Galerie Ruberl, Wienerroither&Kohlbacher sowie Beck&Eggeling aus Düsseldorf, die jedoch seit Kurzem auch in Wien erfolgreich einen Standort eröffnet haben, sowie der Salzburger Galerist und Initiator des Kunstsalons Thomas Salis.

Das Besondere ist, dass die Galerien auf einzelne Kojen verzichten, wie auf Messen üblich, sondern eine kuratierte Zusammenschau zeigen. Diese bietet überraschende Dialoge und interessante und ungewöhnliche Gegenüberstellungen quer durch die Medien und Zeiten. So hängt neben einer Mischtechnik von Arnulf Rainer wie selbstverständlich eine Fotografie von Araki oder zeigt die "amerikanische Ecke" Arbeiten von Ed Ruscha in Kombination mit Kiki Kogelnik und Sam Francis. Wohltuend vereint: der renommierte Vertreter der ZERO-Kunst Günther Uecker mit Hans Bischoffshausen. Zwei wunderbare kleine Arbeiten, die zeigen wie sehr auch Bischoffshausen im internationalen Kunstkontext zu Hause war. Interessant dazu kombiniert und eigentlich formal durchaus im Einklang ein Kopf von Joannis Avramidis.

Die kuratierte Schau mutet fast wie ein Einblick in private Salons an und zeigt – nicht ohne Intention – wie unterschiedliche Arbeiten einer Sammlung, so heterogen sie auf den ersten Blick auch sein mögen, in eine stimmige Zusammenschau gebracht werden können. Es zeigt sich das die kleineren Salonmessen dem Trend der Zeit entsprechen und dem Besucher vor allem eines bieten: eine exklusive Verkaufsschau hochqualitativer Werke.

Gute Verkäufe

Das gute Kunst stets ihren Käufer findet, hört man in Sammlerkreisen immer wieder. Auch die Händler sind stets überzeugt, dass ihre Werke den richtigen Liebhaber finden. Oft trennt man sich sogar schwer von einigen unter den Kunsthändlern als „Museumsstücke“ bezeichneten Bildern und Skulpturen. Nahezu 10 Tage nach der Eröffnung am 5. August zeigt man sich zufrieden mit dem Besuch und dem Sammlerpublikum, das für einige der Werke bereits nicht nur Interesse zeigte, sondern definitive Zusagen abgab, wie Philipp Konzett und Lui Wienerroither im Interview auf orf.at berichteten. So findet Maria Lassnigs „Selbstporträt als Automobil“ (Galerie Konzett) um 480.000 Euro einen neues Zuhause, auch wenn der Käufer angeblich noch verhandeln möchte. Auch die „Fehmarnlandschaft mit Bäumen“ von Ernst-Ludwig Kirchner 1914 gemalt, wird um etwa 3 Millionen Euro seinen Besitzer wechseln. „Wir haben gute Chancen, weil wir eigentlich einen Handschlag drauf haben. Es gibt jetzt noch ein paar Details zu klären, aber das Bild könnte ein neues Heim finden“, ist Lui Wienerroither zuversichtlich. Es ist auch ein wunderbares Bild aus den Berliner Jahren des Künstlers. Während dieser Zeit verbrachte Kirchner mit seiner Lebensgefährtin Erna Schilling von 1912 bis 1914 die Sommermonate auf der Ostseeinsel Fehmarn. Kirchner schuf auf der Ostseeinsel eine beeindruckende Menge an Werken und erprobte darin neue malerische Möglichkeiten.Die arkadischen Landschaftsbilder standen im Gegensatz zu seinen Bildern der urbanen, dynamischen Großstadt Berlin. Erst unlängst stand eine beeindruckende Auswahl der Fehmarnlandschaften im Zentrum der Ausstellung „Naturidyll und Großstadtrausch“ im Kunsthaus Zürich.

Skulpturen im Hof Dietrichsruh

Frei zugänglich wie der Kunstsalon, ist der auch dieses Jahr wieder im angrenzenden Hof Dietrichsruh angelegte Skulpturengarten. Diese sehenswerte Skulpturenausstellung ist für mich ein besonderes wichtiger Teil des Kunstsalons und auch ein wichtiges Statement für die Kunstsparte Skulptur und den Galeristen hoch anzurechnen: ist doch die Manipulation so großer Objekte finanziell und manuell ein großer Aufwand. Bei den österreichischen Positionen dominieren jene Künstler aus dem Kreis der legendären Avantgarde nach 1945: figurativen Bronzen Alfred Hrdlickas, wunderbare Figurengruppen von Joannis Avramidis (darunter die kleinere Version der Humanitätssäule, die gerade den Innenhof im MQ Wien ziert, aus Anlass der großen Avramidis Schau im Leopold Museum), und ein Mediationsstein von Karl Prantl. Aber auch die junge Generation ist mit Christian Eisenberger vertreten. Seine Skulptur „Ohne Titel“ stammt von 2016 und zeigt zwei Mickey Mäuse auf patinierter Eisenplatte. Fesch!

Sehenwert sind auch die internationalen Positionen. Einmal mehr der Franzose Bernar Venet (Galerie Thomas Salis) aber auch, "Helix 7",  von Otto Boll, ebenfalls Galerie Thomas Salis. Der deutsche Bildhauer schuf die Skulptur eigens für diese Ausstellung: eine minimalistische Plastik, deren feine silberne Linie, sich prägnant in den Raum einschreibt. Boll wird von nordischen Galeristen wie dem Designer Axel Vervoordt in Belgien oder Forsblom in Helsinki und Stockholm vertreten –  in Österreich war er bisher noch in keiner großen Ausstellung präsent und ist eine meiner Neuentdeckung in diesem Jahr, von der man gerne mehr sehen würde. Ebenso aber auch der japanische Bildhauer Morio Nishimura, den Beck&Eggeling nach Salzburg mitgebracht hat.

Art Salzburg
Kunstsalon und Skulpturengarten

2017.artsalzburg.net
bis 27. August 2017

Art & Antique im Residenzhof

Dieses Wochenende eröffnete mit der Art&Antique eine weitere kleine Salonmesse  in einem klimatisierten Zelt im Salzburger Residenzhof, die 10 Aussteller umfasst. Darunter auch Kunsthandel Freller, der unlängst in seinem Galeriehaus in Linz eine umfangreiche Alfons Walde Ausstellung präsentierte. Eine Auswahl davon ist derzeit in Dialog mit Nathalia Knaufs Schmuck im Hotel Goldener Hirsch zu besichtigen.

Art&Antique Residenz Salzburg 
bis 20. August 2017

www.artantique-residenz.at

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