Ferdinand II. – 450 Jahre Tiroler Landesfürst | Schloss Ambras

17.07.17

Vor 450 Jahren, am 17. Jänner 1567, hielt Erzherzog Ferdinand II. (1529–1595) seinen feierlichen Einzug in Innsbruck. Aus Anlass dieses Jubiläums widmet das Kunsthistorische Museum Wien gemeinsam mit der Nationalgalerie Prag und der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik dem Habsburger Fürsten erstmals eine große Ausstellung auf Schloss Ambras – jenem Ort, an dem er seine sichtbarsten Spuren mit dem einzigartigen Renaissance-Ensemble, den Rüstkammern sowie der Kunst- und Wunderkammer hinterlassen hat.

Der Sohn Kaiser Ferdinands I. war zunächst mit der Funktion des Statthalters im Königreich Böhmen betraut und residierte in Prag. In Innsbruck lenkte er dann rund 30 Jahre die Geschicke der Grafschaft Tirol sowie der österreichischen Vorlande und trug maßgeblich zur Verbreitung der Renaissance in Mitteleuropa bei. Ferdinand II. war die wohl bedeutendste Sammlerpersönlichkeit seiner Zeit. Die sichtbarsten Spuren hinterließ er auf Schloss Ambras mit dem einzigartigen Renaissance-Ensemble und den Rüstkammern sowie der Kunst- und Wunderkammer. Sein Sammlungskonzept auf Schloss Ambras war bahnbrechend für unser kulturelles Erbe.

Das älteste Museum der Welt

„Für seine Sammlung, die bereits zu seinen Lebzeiten berühmt war, ließ Ferdinand ein eigenes Museumsgebäude errichten, das bis heute am ursprünglichen Ort erhalten geblieben ist“, so Veronika Sandbichler, Direktorin von Schloss Ambras Innsbruck, das somit als das älteste Museum der Welt gilt. Den Kern der Großausstellung, die sich über das gesamte Schloss erstreckt, bilden die hochkarätigen Sammlungsbestände des Kunsthistorischen Museums, die durch internationale sowie nationale Leihgaben ergänzt werden. Mit Erzherzog Ferdinand II. beginnt das moderne Museumswesen: Er ließ als Erster in der Kunstgeschichte seine Objekte nach einem spezifischen Sammlungskonzept anordnen.

Die „Heldenrüstkammer“ ist das Werk eines hochgebildeten, kunstsinnigen, höchst liberal eingestellten Fürsten, der mit großen Geldmitteln ausgestattet war und seine gesellschaftlichen Beziehungen zu allen großen Höfen Europas für den Aufbau seines „Atrium Heroicum“ nutzte. Wie noch niemand vor ihm erwarb er systematisch Rüstungen, Waffen und Porträts von berühmten Feldherren oder ließ sich diese schenken. Damit sollte einerseits die historische Rolle der Habsburger hervorgehoben, aber auch an die herausragenden Taten berühmter Persönlichkeiten erinnert werden. Nach seinem Tod erschien (1601 in lateinischer, 1603 in deutscher Sprache) der erste gedruckte, illustrierte „Museumskatalog“. Jeder „Held“ ist hier in seiner Rüstung ganzfigurig im Kupferstich porträtiert und mit seinem Lebenslauf beschrieben. Dieses bedeutende Kompendium wird in der Ausstellung zu sehen sein und auch in digitaler Form für die Präsentation aufbereitet.

"Visualisierung" der originalen Kunst- und Wunderkammer

Die berühmte Kunst- und Wunderkammer Ferdinands enthielt neben künstlerisch und handwerklich herausragenden Exponaten auch wissenschaftliche Instrumente, Musikinstrumente sowie rare, exotische und außergewöhnliche Naturalien und Exotica aus fernen Ländern. „Wir wollen in der Ausstellung auch die originale Kunstkammer zur Zeit Ferdinands „virtuell rekonstruieren“ und im Kontext mit ausgewählten zeitgenössischen Objekten zeigen. Damit stellen wir die Frage, was jemand wie Ferdinand heute sammeln würde, damit dessen Grundgedanke für die Gegenwart erlebbar wird“, erklärt Veronika Sandbichler das Konzept. Die Ausstellung wurde in enger Zusammenarbeit mit der Tschechischen Nationalgalerie und Tschechischen Akademie der Wissenschaften entwickelt und wird nach Innsbruck von der Nationalgalerie Prag übernommen. Darüber hinaus stehen eine Vielzahl an Kultur- und Bildungsinstitutionen in Tirol im Zeichen des Jubiläumsjahres.

Jubiläumsausstellung 
FERDINAND II. 450 Jahre Tiroler Landesfürst

bis 8. Oktober 2017