Farbe muss Material werden – Roland Goeschl Eine sehenswerte Ausstellung in der zs art Galerie

24.07.17

Die zs art Galerie zeigt eine sehenswerte Ausstellung des österreichischen Bildhauers Roland Goeschl. Retrospektiv angelegt umfasst die Schau auch frühe Arbeiten als auch eine umfangreiche Auswahl an Zeichnungen.

Am Sonntag brachte Ö1 in der Reihe „Menschenbilder“ mit sehr persönlichen Erinnerungen des Künstlers. 
http://oe1.orf.at/programm/20170723/481333

Im aktuellen PARNASS schrieb Maria Rennhofer einen schönen Bericht über die
Arbeit von Roland Goeschl.

Der 1932 in Salzburg geborene Goeschl und absolvierte zunächst eine Steinbildhauer-Lehre und setzte 1954 auf der Internationalen Sommerakademie bei Giacomo Manzù den ersten Schritt in Richtung Kunst. 1956 ging er nach Wien und studierte bis 1960 bei Fritz Wotruba und wurde später dessen Assistent. Die ersten Skulpturen mit Titeln wie „Weibliche Figur“, „Stehende“ oder „Figuration“ wurden in Bronze ausgeführt und weisen noch üppig gegliederte figurale und vegetabile Formen auf. Bald begann Goeschl, mit Holz und anderen Materialien zu experimentieren, aber erst ein Aufenthalt in Berlin und vor allem ein Stipendium in London leiteten die entscheidende Richtungsänderung ein: Bald begann Goeschl, mit Holz und anderen Materialien zu experimentieren, aber erst ein Aufenthalt in Berlin und vor allem ein Stipendium in London leiteten die entscheidende Richtungsänderung ein: Die Begegnung mit der Pop Art und eine Ausstellung des De-Stijl-Künstlers Georges Vantongerloo wiesen Goeschl den Weg zu seinem individuellen, unverkennbaren Stil. „Obwohl ich in London noch keine farbige Plastik gemacht habe, bekam ich dort den Anstoß dazu geliefert“, erinnerte er sich später.

Geometrische Abstraktion und farbliche Reduktion
In geometrischer Abstraktion und farblicher Reduktion gestaltete Goeschl seine Raumplastiken, in denen Form, Farbe, Architektur und Dynamik eine untrennbare Einheit eingingen. Den von ihm geprägten Satz „Nicht kolorieren, Farbe muss Material werden“ präzisierte er folgendermaßen: „Nicht das einfache Übermalen einer Skulptur ist entscheidend, sondern das Erstellen eines Farbgefüges in direktem Zusammenhang mit der skulpturalen Form.“

Konsequenter Weise interessierte sich Roland Goeschl für Architektur und Raumkonzepte, realisierte Kunstprojekte im öffentlichen Raum, entwarf Fassaden- und Platzgestaltungen. Diese Wechselwirkung zwischen Architektur und Skulptur wird in vielen seiner Arbeiten sichtbar: Raummodelle und die vielfach variierte Idee der „Säule“ als grundlegendes architektonisches Element ebenso wie als archaischer Prototyp der Skulptur ziehen sich durch Goeschls gesamtes Werk.

Frühe internationale Anerkennung
Bald wurde ihm internationale Anerkennung zuteil, bedeutenden Ausstellungen – unter anderem die documenta in Kassel 1964 und 1968 sowie der Österreich-Beitrag gemeinsam mit Josef Mikl auf der Biennale von Venedig 1968 –  folgten Preise, Ehrungen und eine Professur am Institut für zeichnerische und malerische Gestaltung an der TU Wien.

Die Ausstellung in der zs art Galerie gibt mit zahlreichen Skulpturen und Zeichnungen aus dem Nachlass einen retrospektiven Überblick über das Œuvre eines Künstlers, dessen avantgardistischen Geist die Gegenwart etwas aus den Augen verloren zu haben scheint. Das Spektrum reicht von einer Reliefkomposition aus Kupfer von 1957 bis zum „Selbstportrait ohne Haut“ aus isoliertem Kupferdraht von 2009. Dazwischen liegen frühe Bronzefiguren, die ersten großen rot-blau-gelben Holzskulpturen wie „Schmale Sackgasse“ aus den 1960er Jahren, „Säulenformation“ oder „Farbraumskulptur Innen-Außen“ aus den 1980ern sowie kleinere Objekte aus lackiertem Holz oder bemalter Bronze und Zeichnungen aus verschiedenen Schaffensphasen. Mit dieser Vielfalt wird anschaulich vor Augen geführt, dass Roland Goeschl bei aller Konsequenz den Begriff von Bildhauerei immer wieder einer radikalen Neudefinition unterzog.

Eine kleine, aber informativ gestaltete Schau im Salzburger Rupertinum zeigt neben weiteren plastischen und grafischen Arbeiten Fotos aus dem Atelier und von Arbeiten im öffentlichen Raum sowie Beispiele seiner Werbespots für Humanic. Gegen manche Kritik wagte Goeschl damit den Schritt aus dem geschützten Raum der Kunst in eine von ökonomischen Prämissen mitgeprägte Öffentlichkeit.

Farbe muss Material werden - Roland Goeschl 1932 – 2016.
zs art galerie Wien
(verlängert) bis 11. August 2017

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