Eric Kressnig - Egologiken eines Bild-Raum-Künstlers

02.05.17

Seit Langem sind die Arbeiten des Mittvierzigers Eric Kressnig im Spannungsfeld zwischen Bildraum und Raumkunst angesiedelt. In der rittergallery in Klagenfurt ist noch bis 13. Mai 2017 eine Werkauswahl neuer Arbeiten zu sehen, die zeigt wie die Exponate im Zusammenspiel aufeinander verweisen und wie Objekte und Rauminstallationen zur Architektur ins Verhältnis gesetzt werden.                                   

Dem bildnerischen Denken Kressnigs liegen präzise formulierte Bild- und Maßsysteme zu Grunde, aus denen er eine Fülle unterschiedlicher Erscheinungsformen herausarbeitet. Er nimmt den Raum in seiner Komplexität wahr und findet dazu seine eigene Auffassung, Neuordnung und Irritation. Seine künstlerische Auseinandersetzung geschieht in verschiedenen Medien, aber immer thematisiert er dabei den Raum als zentrale Erfahrungsebene. Es entstehen Werke, die Räumlichkeit greifbar machen und Malerei als plastisches Element weiter entwickeln. Seine Kunst ist kalkuliert, durchdacht und präzise komponiert: „Wenn man meine Bilder sieht, verbindet man das mit Logik. Manche meinen, ich hätte mit Mathematik zu tun. Das ist aber überhaupt nicht der Fall, es sind Egologiken. Ich stelle etwas auf, beschäftige mich damit. In meiner Logik hat es Sinn, aber es ist keine Logik im mathematischen Sinne.“ formuliert der Künstler seinen Zugang.

Der zentrale Aspekt von Eric Kressnigs künstlerischer Sprache ist also das Verhältnis von Objekt, Skulptur, Malerei und Raum. Seine Arbeiten sind  - und waren - nie reine Bilder, sondern Bildobjekte von installativem Charakter, deren geometrischen Motive und Formen über die Bildfläche hinaus wachsen und die klassische Form des Tafelbildes zum Bildkörper werden lassen. „Ursprung der Malerei sind im Falle der Bilder Eric Kressnigs ebenso logische – wie bis zur Banalität – einfache Systeme: Bild und Objekt werden vordergründig zur malerischen Rechenoperation, zum Planspiel mit Farbe und Struktur, das auf mathematische, geometrische oder auch lexikalische Koordinatensystem verweist. Mit wissenschaftlicher Unbestechlichkeit wird jeder Arbeit ein System aus Farbe und Form zu Grunde gelegt, aus dem ein Bildraum entsteht, der 2. und 3. Dimension miteinander verschränkt“, schreibt Martin Engler, Kurator am Städel Museum in Frankfurt, über Kressnigs Kunst.                                                                                                                         

Neben Radierungen, die formal im Kontext zu den neuen großformatigen Bildern  stehen, zeigt Kressnig in Klagenfurt neue Leinwände die sich aus den strengen Grundstrukturen ein wenig befreien, mehr Farbe sehen lassen, dynamischer werden und durch schräge Elemente mehr Spannung aufweisen. Die Rauminstallation „TIMBER“ bezeichnet der Künstler als eine Art „parallele Erscheinung“. Der Systemkörper am Boden geht mit dem Bildkörper an der Wand eine symbiotische Beziehung ein und wird dadurch statisch aufgeladen. Ein fragiler Holzstab - aus 13 verschiedenen Holzarten penibel gefertigt - balanciert auf vier Glasröhren, die instabil auf einer farblich zum Bild korrespondierenden Platte liegen. Nichts ist dabei dem Zufall überlassen. Als Maßeinheit hat Kressnig zwei Inch im Quadrat herangezogen und die Länge des Stabes entspricht exakt seiner eigenen Körpergröße von 195 Zentimeter.

Auf seine Entwicklung hin angesprochen stellt der Künstler schmunzelnd fest, dass die Rauminstallationen immer präsenter werden. Was eine logische Konsequenz aus dem Experimentieren mit immer neuen Materialien, der Auseinandersetzung mit Bildraum und Raumkunst und seinem bildhauerischen Ansatz zu sein scheint. Kressnigs Arbeiten sind von einer eindringlichen Rein- und Klarheit, jedoch hinter ihrer scheinbaren Banalität steckt ein hochkomplexer - ein egologischer - und  ein als absolut gegenwärtig zu bezeichnender Kunstbegriff.

bis 13.Mai 2017

 

www.rittergallery.com

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