entre.SCULPTURES - Künstlervereinigung MAERZ in Linz

22.06.15

1913 gründeten in Linz der Grafiker Klemens und sein Bruder Franz Brosch, gemeinsam mit den Malern Franz Sedlacek und Anton Lutz sowie dem Buchgestalter Heinz Bitzan, nach ihrem demonstrativen Auszug aus dem Oberösterreichischen Kunstverein die Künstlergruppe „März“. Der programmatisch gewählte Name „März“, den sich die neue Gruppe gab, stand dabei für den „ver sacrum“, den „heiligen Frühling“ der avantgardistischen Bewegungen jener Zeit. Er signalisierte Neubeginn und Aufbruch einer Jugend, welche sich am Vorabend des ersten Weltkriegs gegen die spätbürgerlich dominierte Kunstszene und im Falle der Künstler der „Gruppe März“ besonders gegen den als zu konservativ empfundenen Geist des noch von Adalbert Stifter 1851 mitbegründeten OÖ Kunstvereins wandte.

Der MAERZ verstand sich von Anbeginn als interdisziplinäre Vereinigung, die, wie ihre Aktivitäten bald bewiesen, einen überregionalen Dialog zwischen den Disziplinen der Bildenden Kunst, Architektur, Literatur und Musik in Gang bringen wollte und leistete sowohl in der Zwischenkriegszeit als auch nach 1945 Pionierarbeit (1939 wurde die Künstlervereinigung aufgelöst) in der Etablierung und Präsentation der modernen, zeitgenössischen Kunst. Ab 1953 wurden, obwohl der Verein bis 1967 ohne eigenes Lokal auskommen musste, Ausstellungen, Konzerte und Lesungen kontinuierlich und über die Grenzen hinweg organisiert und durchgeführt, so 1955 in Rotterdam, 1956 in Amsterdam, 1958 im Künstlerhaus Salzburg, 1962 in Fulda, 1964 im Forum Stadtpark Graz, 1968 in Prag und 1972 in der SECESSION Wien. Walter Kasten, der langjährige Leiter der Neuen Galerie der Stadt Linz, stellte dem MAERZ seine Räumlichkeiten immer wieder für sogenannte Jahrespräsentationen zur Verfügung, solange der Verein ohne eigene Galerie war. 1968 gelang es unter der Präsidentschaft von Architekt Karl Rebhahn, endlich geeignete Räumlichkeiten im Zentrum von Linz zu finden und für ein ambitioniertes laufendes Veranstaltungsprogramm zu adaptieren.

Zugleich ergab sich damit die Chance, die Galerie nicht nur als Plattform zur Selbst-Präsentation der Mitglieder zu sehen, sondern sie darüber hinaus zu einem Forum für neue Bewegungen in allen Sparten der Kunst zu erweitern, sich mit anderen Gruppen und Institutionen auszutauschen und einen kulturpolitischen Diskurs anzubieten. Bis heute versteht sich der MAERZ als interdisziplinäre Vereinigung, die, wie ihre Aktivitäten bald bewiesen, einen überregionalen Dialog zwischen den Disziplinen der Bildenden Kunst, Architektur, Literatur und Musik in Gang bringen wollte.

Die von der Künstlerin Judith.P.Fischer kuratierte Ausstellung entre.SCULPTURES passt daher bestens in die konzeptuelle Ausrichtung von MAERZ. Die Ausstellung zeigt Werke von Judith.P.Fischer, Sébastien de Ganay, Uwe Hauenfels, Heide Pichler und Fridolin Welte. Alle Arbeiten sind im Feld eines „erweiterten Skulpturenbegriffes“ angesiedelt und weisen Übergänge zu anderen Medien wie Design, Möbel und Mode auf. Die Exponate stehen sowohl in einem thematischen Dialog zueinander, als auch in einer formalen Verbindung miteinander. entre.SCULPTURES bezieht sich auf jenen Grenzbereich innerhalb dessen Dialog und Diskurs gleichermaßen entstehen können. entre.SCULPTURES ist ein Titel, der Assoziationen und Fantasien zulässt, ohne auszugrenzen und einzuengen. Die Skulptur, das dreidimensionale Objekt, steht dabei im Mittelpunkt und bestimmt die Auswahl an Fotoarbeiten, Videos, Installationen und Objekten. Ziel der Ausstellung ist es, die unterschiedlichen Wege zum dreidimensionalen Objekt aufzuzeigen und die Schnittstellen zwischen den Werken auszuloten.  

Judith.P.Fischer gestaltet mit weichstofflichen elastomeren Schnüren eine Wand in „LINZER.blau“. Diese Rundschnüre quellen gebündelt und geordnet oder auch willkürlich aus der Wand, sammeln sich am Boden und bilden einen chaotischen Haufen, der zum Berühren einlädt. Zu „Boules“ gewickelt, stehen die kugeligen Objekte im Spannungsfeld geordneter Form und Materialverbindung.

Uwe Hauenfels zeigt Objekte aus rostfreiem Stahlblech, die ähnlich dem Möbiusband (das nicht zwischen unten und oben oder zwischen innen und außen unterscheidet) in luftigen, aber unauflösbaren Schlingen den Raum mit schwungvoller, im Moment festgehaltener, Bewegung erfüllen. Dabei können die zwei großformatigen Sockelplastiken und die farblich gefassten Wandarbeiten auch im Sinne von Raumzeichnungen gelesen werden.

Sébastien de Ganay, ursprünglich aus der Malerei kommend, ist mit der aus lackiertem Aluminiumblech kreierten Serie der „Cartons“ vertreten, die die Definitionen von Design, Verpackung und Faltung neu zueinander ins Verhältnis setzt. Ein Sessel stellt die formale und optische Verbindung zu den Liegestühlen von Fridolin Welte her, zeigt aber auch dass die Benutzbarkeit eines Objektes selbiges keineswegs seiner skulpturalen Präsenz enthebt.

Heide Pichler hat die Meisterklasse für Textil an der Linzer Kunstuniversität absolviert. Die aktuelle, während eines Arbeitsaufenthaltes 2015 in Thailand entstandene Serie „MADE in ASIA“ zeigt zu Hosen und Hemden verarbeitete Plastiksäcke. Heide Pichler hat einen billigen Massenartikel seiner ursprünglichen Funktion als Transportmittel für Konsum- und Nahrungsgüter enthoben und  ihn als Ausgangsmaterial für ihr Kunstprodukt gewählt.

Fridolin Welte installiert 12 Liegestühle, die, sobald man darin Platz nimmt, einen horizontalen Blickwinkel auf seine 3D „handmade“ Drucke erlauben. Diese durchsichtigen, aber auch farblich akzentuierten Kleinplastiken beziehen allesamt ihren Ursprung in der Natur, aus der sie sich autonom zu neuen Formen entwickelt haben. Ein Video schließt diesen Entwicklungsprozess inhaltlich ab.