EIKON Award (45+) unter dem Ehrenschutz von VALIE EXPORT

20.06.17
© EIKON

Europaweite Ausschreibung für Fotografie- und Medienkünstlerinnen ab 45 Jahren

Anlässlich der 100. Heftausgabe schreibt EIKON – Internationale Zeitschrift für Photographie und Medienkunst einen europaweiten Kunstpreis aus: Unter dem Ehrenschutz der Medienkunst- und Performancepionierin VALIE EXPORT und auf Initiative von Marilies Seyler (Fotokünstlerin) und Nela Eggenberger (Chefredakteurin von EIKON) richtet sich die Ausschreibung speziell an Fotografie- und Medienkünstlerinnen, die 45 Jahre oder älter sind. So wird eine Gruppe adressiert, die oft durch Altersbeschränkungen von der Teilnahme an Ausschreibungen ausgeschlossen ist und durch noch immer vorherrschende Rollenklischees, etwa am Kunstmarkt, marginalisiert wird.

Ziel der Auszeichnung ist es, die Bedingungen aktueller weiblicher Kunstproduktion freizulegen, damit (biografisch bedingte) Verzögerungen in der künstlerischen Entwicklung und Ausübung von spät- oder wiedereinsteigenden Künstlerinnen in den Fokus zu rücken und eine breite Öffentlichkeit dafür zu sensibilisieren.

Publikation: EIKON #100

Viele weibliche Kunstschaffende zählen zu den VorreiterInnen der Fotografie und Medienkunst. Dieser Umstand macht deren nachhaltige Verortung in der Kunstgeschichte umso notwendiger. Diesem Desiderat widmet sich das 100. Heft von EIKON, das als hochwertige Sonderausgabe zum Preis konzipiert ist und die künstlerischen Arbeiten ausgewählter Teilnehmerinnen vorstellt und in einem Essay analysiert.

Die Schirmherrin und die JurorInnen des EIKON Award (45+)

Die Schirmherrin

VALIE EXPORT gilt als Wegbereiterin der konzeptuellen Medien-, Performance- und Filmkunst. Die in Wien lebende Künstlerin nutzt seit 1967 den Künstlernamen VALIE EXPORT, der gleichzeitig als künstlerisches Konzept fungiert. Seit den späten 1960er-Jahren liegt der Fokus ihrer künstlerischen Praxis auf dem Körper als Kunstfläche. Zu ihren berühmtesten Performances zählen das Tapp- und Tastkino und Aktionshose: Genitalpanik (beide 1968), die intime Begegnungen mit dem weiblichen Körper in der Öffentlichkeit forcieren. EXPORT ist an zahlreichen kuratorischen Projekten, internationalen Symposien, Ausstellungen und Filmprogrammen beteiligt und mit Werken in den Sammlungen bedeutender Museen vertreten – u.a. The Museum of Modern Art, New York, Centre Pompidou, Paris, Tate Modern, London. 2017 wird das LENTOS Kunstmuseum Linz anlässlich des Ankaufs des Archivs der Künstlerin durch die Stadt Linz eine umfassende Ausstellung präsentieren. Darüber hinaus ist die Eröffnung des VALIE EXPORT Center – Forschungszentrum für Medien- und Performancekunst in Planung. 

Die JurorInnen

Jürgen Klauke ist weltweit einer der wichtigsten Protagonisten der zeitgenössischen Fotografie, Body-Art und Performance. Seit den 1970er-Jahren beschäftigt er sich kritisch mit gesellschaftlich normierten Geschlechtsidentitäten und sozialen Verhaltensmustern. Der menschliche Körper – meist der eigene – wird zum zentralen Ausdrucksmedium in seinen Arbeiten. Klauke leistete hier Pionierarbeit in einer Zeit, in der Gender- und Identitätsfragen noch nicht in Kunst- und Theoriediskursen etabliert waren. Von 1994 bis 2008 war er Professor für künstlerische Fotografie an der Kunsthochschule für Medien in Köln. 2010 bis 2011 präsentierten das Museum der Moderne in Salzburg und das ZKM. Museum für Neue Kunst in Karlsruhe die Ausstellung „Jürgen Klauke. Ästhetische Paranoia“. 2017 ist eine Retrospektive seines zeichnerischen Werkes mit dem Titel „Jürgen Klauke – Selbstgespräche. Zeichnungen 1970 – 2016“ im Max Ernst Museum Brühl zu sehen.

Margot Pilz ist eine der Pionierinnen der österreichischen Konzept- und Medienkunst. Bereits in ihren frühen fotografischen Arbeiten wird ein experimenteller, performativer und konzeptueller Ansatz deutlich. Pilz lotet Grenzen aus – radikal, aktionistisch und feministisch. Diese Grenzgänge manifestieren sich in wagemutigen Experimenten mit neuen Medien und Materialien sowie im Aufzeigen von gesellschaftlichen Tabus und Stereotypen. Als eine der ersten Kunstschaffenden Österreichs verwendete sie den Computer in ihren Arbeiten und analysierte die digitale Welt. 2011 wurde Margot Pilz mit dem Preis der Stadt Wien für Bildende Kunst ausgezeichnet. 2014 wurde die Ausstellung „Once upon my time – Java 1942” im Künstlerhaus in Wien präsentiert und 2015 würdigte das MUSA in Wien die Bedeutung ihrer performativen Fotografie und ihre Vorreiterrolle im Bereich der Neuen Medien mit einer umfassenden Schau mit dem Titel „Margot Pilz – Meilensteine. Von der performativen Fotografie zur digitalen Feldforschung“.

Æsa Sigurjónsdóttir ist außerordentliche Professorin an der University of Iceland und international tätige Kuratorin. Sie publiziert zu zentralen Themen der zeitgenössischen Fotografie und Kunst, der Geschichte der Fotografie und der visuellen Kultur und ist Organisatorin und Mitwirkende bei zahlreichen internationalen Projekten. 2016 kuratierte Sigurjónsdóttir die Ausstellung „Feckless and Hotheaded“ in der Galerie Raum mit Licht. Weitere von ihr kuratierte Ausstellungen sind u.a.: „Re-construction of Friendship“, Corner House, Riga Europäische Kulturhauptstadt, 2014; „Tracks in Sand, eine Retrospektive des Bildhauers Sigurjón Ólafsson“, National Gallery Iceland, 2014; „Turku Biennale“, Finnland, 2013.

Preisgeld: 5.000 €
Ehrenschutz: VALIE EXPORT
Jury: Jürgen Klauke (DE), Margot Pilz (AT), Æsa Sigurjónsdóttir (FR/IS)
Idee und Konzept: Marielis Seyler und Nela Eggenberger

www.eikon.at

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