Dreieck, Quadrat, Trapez – Ruth Root in der Galerie Niklaus Ruzicska

09.02.15

Es könnte sich um architektonische Grundrisse handeln, oder um Kartons, die so zugeschnitten sind, dass man aus ihnen Gebäude falten kann – Ruth Roots Objekt-Gemälde besitzen Formen, die alles andere als eindeutig sind: Vielecke, Trapeze, Dreiecke, Quadrate, Kreise, Parallelogramme – all das scheint ineinander verschränkt, miteinander verwoben zu sein.

Die neuen Werke der 1967 geborenen US-Künstlerin, die in New York lebt und derzeit in der Galerie Nikolaus Ruzicska ausstellt, geben sich geheimnisvoll. Sie bestehen allesamt aus zwei Teilen – einer davon ist aus mit Emailfarbe bemaltem oder Sprühlack besprayten Acrylglas gefertigt, der andere aus Stoff. „Paintings“ nannte sie übrigens eine andere Ausstellung, in der diese Werke nebst ähnlichen zu sehen waren – der Malereibegriff ist hier also denkbar weit gefasst und schließt auch Textiles mit ein. In den hier gezeigten Arbeiten weist der Acrylglas-Teil zumeist die knalligeren Farben auf: Grüne Streifen oder schwarze Punkte sind in Graffiti-Manier auf schweinchenrosa Untergrund gesprüht; eine zweiteilige Form, oben lila, unten grau, wird von rosa Linien durchzogen; auf einer grauen Dreiecks-Trapez-Kombination gruppieren sich unterschiedliche Formen mit Punkten in Schwarz und Gelb. Auf den Stoffteilen, deren Design Root selbst gestaltet hat und auf denen sich die merkwürdigen Grundformen teils wiederfinden, wechseln einander schräge Musterungen mit schlichten, fast biederen Rapporten ab, Bänder scheinen die Plexiglasteile wie Gürtel mit den Stoffteilen zu verbinden, und Ösen halten die Objekte an der Wand fest. So stehen einander glänzende und matte Oberflächen gegenüber.

Man mag sich an Stoffbilder anderer Künstlerinnen – Cosima von Bonin, Rosemarie Trockel – erinnert fühlen. Allerdings scheint es diesen Arbeiten weniger um eine kritische Reflexion von weiblich konnotierter Handarbeit oder dergleichen zu gehen, sondern eher um grundsätzliche malerische Fragen. Darüber hinaus entwickeln die Werke eine merkwürdige Beziehung zur Wand, scheinen mit ihr geradezu zu verschmelzen oder aber aus ihr auf eigenartige Weise herauszuwachsen – manchmal erscheinen sie fast wie riesige Aufkleber. ­­­

Dennoch: Ist in der geometrischen Abstraktion Anfang des 21. Jahrhunderts nicht längst alles durchgespielt? Wurde die Leinwand im vergangenen Jahrhundert nicht bereits auf alle erdenklichen Arten vermessen? Root knüpft durchaus an die Geschichte der geometrischen Abstraktion an – Hard-Edge-Painting, Frank Stellas Shaped-Canvas-Malerei, sie holt sich auch Anregungen aus dem figurativen Fach des Bad Painting, auch die Malerei von Richard Tuttle führen einige Texte zu ihren Arbeiten als Referenz an; und sie selbst verwies auf Jacques Demys Film „Die Regenschirme von Cherbourg“, in der Materialien sich in ihren Farbigkeit angleichen. Dennoch gelingt es Root, der geometrischen Abstraktion neue Facetten abzugewinnen. Sie spielen das Verhältnis von Materialien, von Formen, von Farben zueinander erneut durch – und besitzen darüber hinaus einen gewissen, ganz subtilen Humor.

Ruth Root, Galerie Nikolaus Ruzicska: bis 21. März 2015

 

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