DOMENICA | Pablo Chiereghin, Aldo Giannotti und Massimo Vitali

02.05.17
© Photo G. Gava

Diese dritte große, site-spezifische Ausstellung, die Marcello Farabegoli für einen Ausstellungszyklus zeitgenössischer Kunst im Auftrag des italienischen Botschafters Giorgio Marrapodi im Palais Metternich kuratiert und produziert, geht dieses Mal nicht so sehr auf die Geschichte, die Architektur oder die Ästhetik des Palais ein, sondern eher auf die Funktion der Botschaft als Vertretung von Italien. Es ist der Sonntag – in Italien "la domenica" – als ein besonderer, weil ein in beiden Ländern weitgehend (noch ...) arbeitsfreier Tag mit all seinen Ritualen und Freizeitaktivitäten, der hier von besonderem Interesse ist. Die Bindung an eine bestimmte Religion tritt dabei in den Hintergrund.Auch diesmal kommt es hierbei zu einer Kooperation mit einer renommierten Wiener Galerie, und zwar mit der Galerie Ernst Hilger, die für die Ausstellung Werke von Massimo Vitali zur Verfügung stellt.

Ans Meer fahren und sich am Strand sonnen gehört zu den festen Ritualen der Italiener und zum unverkennbaren Bild der sogenannten "Bella Italia". Massimo Vitali wurde 1944 in Como geboren und ist seit den 1990er Jahren ein weltweit bekannter Fotokünstler. Von seiner bekannten Strände-Serie werden im Palais Metternich einige großformatige Ansichten aus Italien gezeigt. "Due Sorelle Motor Boat" (2013) und "Bassa Trinitàblue Ball" (2013) fügen sich durch ihre ätherische, ja surreal wirkende Exklusivität bestens ins elegante Umfeld des Girlandensalons. Im Schlachtensalon hingegen, der diesen Namen aufgrund eines großen Gemäldes trägt, das die Befreiung Wiens von den Türken im Jahr 1683 darstellt, werden "Rosignano Night" (1995), auf der sich eine Menschenmenge drängt und das etwas sperrige "Livorno Calafuria" (2002) gezeigt. Oberflächlich betrachtet wirken Vitalis Fotografien wie Schnappschüsse, die jede/r hätte machen können. Die spezielle Wahl des Aussichtspunktes aber – von einer drei Meter hohen Plattform aus weiter Ferne –, der Reichtum an Details und die mehr oder weniger starke Überbelichtung verleihen Vitalis Stränden eine ganz besondere Mischung aus nüchterner Betrachtung und Empathie. Seine Fotografien bewegen sich zwischen Landschaftsbild und Portrait und erfassen sowohl die Existenz der einzelnen Individuen als auch die des pulsierenden Lebens der "Masse". So schön Vitalis Strände auf den ersten Blick erscheinen mögen, so sehr sind sie auch subtil-kritische Ansichten des menschlichen Zustands im Allgemeinen sowie der Kommerzialisierung von Freizeit im Besonderen.

Um diesen kritischen Aspekt weiterzuentwickeln, wurden Pablo Chiereghin und Aldo Giannotti, zwei jüngere italienische Künstler, die seit langem in Wien leben und wirken, eingeladen, speziell für diese Ausstellung site-spezifische Werke zu schaffen. Der konzeptuelle Charakter ihrer Positionen   vertieft dabei den inhaltlichen Aspekt. In Zusammenarbeit mit beiden Künstlern kristallisierten sich der Titel "DOMENICA" und das Projekt als Ganzes heraus. Weiterlesen unter www.marcello-farabegoli.net/domenica.html

Die Großinstallation "Pitch Invasion" kann noch bis 4. Mai besichtigt werden. Danach ist ein Teil der Ausstellung bis 30. Juni nach Terminvereinbarung zu besichtigen.

Am 18. Mai findet in der italienischen Botschaft um 18 Uhr eine Diskussionsrunde mit Heike Curtze, Guido Kucsko, Rudolf Leeb und Caroline Messensee zum Thema "Kunst und Wirtschaft" statt. Eine Veranstaltung von der Alumni Association der Universitá Commerciale Luigi Bocconi Mailand in Kooperation mit Marcello Farabegoli Projects.

Anmeldung erforderlich: anmeldung@marcello-farabegoli.net

 

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