Die Zähmung des roten Vierecks - Etel Adnan im Museum der Moderne Salzburg

09.02.15

Spätestens seit der documenta 13 im Jahr 2012 ist der Name Etel Adnan auch im europäischen Kunstbetrieb ein Begriff. Obwohl das Multitalent, geboren 1925 in Beirut, als Schriftstellerin längst bei renommierten deutschen Verlagen publiziert hatte, kannte man ihre Malerei bis dahin, zumindest in Europa, kaum. Bis zu ihrem großen Kasseler Auftritt hatte Adnan vor allem in den USA ausgestellt: Heute in Paris wohnend, lebte sie zuvor lange Zeit in San Francisco.

Von ihrem kalifornischen Atelierfenster aus blickte sie damals auf den Mount Tamalpais – der für sie offenbar das wurde, was für Cézanne der Mont Sainte Victoire war: Immer und immer wieder malte sie die Bergformation in ihren kleinformatigen Bildern, fasste sie immer wieder neu, manchmal mehr, manchmal weniger gegenständlich. Viele der zahlreichen Versionen zeigt nun das Salzburger Museum der Moderne in einer Einzelausstellung der Künstlerin unter dem bezeichnenden Untertitel „Berge schreiben“, der die Beziehung zwischen Malerei und Literatur in Adnans Gesamtschaffen unterstreicht. Die rund 150 Werke, die hier präsentiert werden, reichen von den 1960er-Jahren bis heute – und beweisen, wie treu sich Adnan geblieben ist. Wobei manche der Arbeiten noch weitaus abstrakter sind als jene, die unter dem Eindruck des Mount Tamalpais entstanden; etwa jene Komposition, die auf der Rechtecke übereinander getürmt sind und einen schwungvollen Tanz zu vollführen scheinen. Schon im Frühwerk der 1960er-Jahre zeigt sich die Bedeutung der Farbe Rot. „Ich mag Rot“, sagte Adnan in einem Interview anlässlich der documenta, „wenn ich nicht weiß, wo ich anfangen soll, male ich ein rotes Viereck und baue darauf das Bild auf. Das Rot nimmt ein Bild sofort ein, sodass es durch andere Farben gezähmt werden muss.“

Ihre Leinwände bearbeitet sie mit der Spachtel, schafft monochrome Flächen mit scharfen Kanten in einem manchmal gedämpften Farbspektrum, das sich zwischen Hellblau, Ocker und Lindgrün bewegt, manchmal mit schärferen Kontrasten arbeitet – wenn das wiederkehrende rote Viereck auf einer grünen Fläche schwebt oder auf einem sonnengelben Himmel platziert ist. Die serielle Hängung in der Ausstellung hebt hervor, wie Adnan im Grad der Abstraktion variiert: So erscheint etwa ein Kreis in einem Bild noch als Sonne – eine hellrosa Fläche markiert das Abendrot, ein schwarzer Strich den Horizont, und im gräulichen Meer darunter scheint sich die Sonne zu spiegeln; im nächsten Bild ist der Kreis dagegen Bestandteil einer abstrakten Komposition, die der gegenständlichen formal allerdings sehr ähnlich ist. Adnans Gemälde erscheinen als zeittypische Auseinandersetzung mit der Abstraktion, doch trotz der Nähe zu vielen anderen Künstlern von Paul Klee bis zu Nicolas de Staël bleiben sie unverwechselbar.

Es sind viele Gemälde, die hier gezeigt werden – vielleicht etwas zu viele. Die weiteren Schaffensbereiche Adnans sind eher als Randthemen vorhanden – so liegen zwar ihre Bücher auf, ebenso zeigt man jene Leporellos, in denen sie Werke anderer Dichter illustrierte, und auch ihre experimentellen Kurzfilme sind zu sehen. Allerdings geht all das ein wenig unter, allein schon deshalb, weil diesen Bereichen nicht so viel Ausstellungsfläche gewidmet wurde. Und über ihre Beschäftigung als Kulturredakteurin ist kaum etwas zu erfahren. So zeigt sich, wie schwierig die überzeugende Präsentation eines Werks ist, das sich in so unterschiedlichen Facetten äußert. Doch immerhin bietet das Rahmenprogramm einen breiteren Einblick in Adnans weitere künstlerische Tätigkeiten.

bis 8. März 2015

 

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